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Gefangen in der Zwischenwelt

25. Feb 10: Peter Jacksons Romanverfilmung In meinem Himmel | Jana Brinckmann

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Peter Jackson zählt zu einer Vielzahl von Regisseuren, Produzenten und Drehbuchautoren, die mit Vorliebe Romane für die Kinoleinwand aufbereiten. Jedoch gehört er unter diesen zu der Minderheit, die sich lobenswerter Weise möglichst genau an die Buchvorlage halten wollen, was aber angesichts des Detailreichtums der meisten Geschichten ein Ding der filmischen Unmöglichkeit zu sein scheint. Mit der Herr der Ringe Trilogie hat er uns allerdings eindrucksvoll gezeigt, dass Literaturverfilmungen zumindest zufriedenstellend umgesetzt werden können. Umso bedauerlicher ist es, dass er bei der Realisierung seines aktuellen Werkes zum Roman von Alice Sebold diesen Blick für die ausschlaggebenden Details gerade verlegt hatte. Denn die tragische Geschichte aus Sicht des jungen Opfers wird viel zu pathetisch erzählt, wodurch das sensible Thema über den Verlust eines geliebten Menschen durch brutale Verbrechen und den langen Weg zur Überwindung nur oberflächliche Behandlung erfährt.

In meinem Himmel ist die Geschichte der 14-jährigen Susie Salmon, die im Jahre 1973 in einem Vorort von Pennsylvania von einem Nachbarn vergewaltigt und ermordet wird. Mit viel trauriger Poesie erzählt sie von den letzten glücklichen Tagen und Wochen, in denen sie beispielsweise ihre Fotographie-Leidenschaft entdeckt, die Nähe der Familie genießt, besonders die des von Mark Wahlberg gespielten Vaters, und sie zum ersten Mal zarte Liebesbande knüpft. Doch ausgerechnet am Abend vorm ersten Date, an dem Susie auf einen Kuss hofft, lockt sie Massenmörder George Harvey in eine Falle. Nachdem die kleine Salmon nicht nach Hause kommt, alarmieren die Eltern die Polizei. Aber da sie zu einer „Zeit vor den mit vermissten Kindern bedruckten Milchpackungen“, wie es im Film heißt, verschwand, und auch die technische Polizeiausstattung dürftig war, tappen die Ermittler im Dunkeln. Susie hält sich derweil mittels Wut, Trauer und der Liebe zu ihrer Familie selbst unbewusst in der Zwischenwelt, in ihrem Himmel, gefangen, wobei sich dieser je nach Stimmungslage vom farbenprächtigen Teenie-Paradies in einen tristen, düsteren Ort verwandelt. Immer wieder versucht sie Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen, damit er den Täter identifiziert sowie stellt. Und tatsächlich, sowohl der rastlos gewordene Vater als auch die jüngere Schwester Lindsey ahnen, dass es der nette Nachbar war, woraufhin sie beide äußerst tollkühn und im Alleingang den Schuldigen entlarven wollen. Doch George Harvey bemerkt, dass er unter Verdacht steht und schmiedet seinerseits Pläne…

Peter Jackson bettet das Familiendrama der Salmons in einen mittelmäßigen Thriller ein, der viel Wert auf eine ‚fantastische‘ Bildgewalt, die allerdings noch nicht einmal die Grenze des Möglichen berührt, und wenig Augenmerk auf psychische Prozesse legt. So erhalten wir beispielsweise kaum einen Einblick ins Verhältnis der Eltern zueinander oder deren Emotionswelt nach dem Verlust ihrer ältesten Tochter. Stattdessen werden wir mit unkommentierten beziehungsweise unverständlichen Situationen konfrontiert wie der Einführung des Teenager-Mediums als Nebencharakter, von der man erwartet, dass sie Kontakt zu Susie aufnimmt und zur Aufklärung des Falls beiträgt. Am Ende dient diese aber nur zur Erfüllung des ‚unschuldigsten‘ Teenager-Traums. Zudem wirkt der Film trotz fehlender Zusammenhänge und psychologischer Tiefe viel zu langatmig, da Jackson spannende Stellen, von denen es tatsächlich welche gibt, vorspult und kitschige von Floskeln à la ‚am Ende wird alles gut‘ durchdrungenen Momente nach konservativer Religionsmanier in die Länge zieht. Ebenfalls ein Manko sind die allzu klischeehaft dargestellten Charaktere wie die zynische Alkoholiker-Oma oder der mörderische nette Nachbar, welcher stets bieder gekleidet, eigenbrötlerisch, zurückhaltend und freundlich erscheint. Das einzig Positive an dem Film ist die Idee, die Geschichte aus der Sicht des Opfers zu erzählen unter Einbindung der Zwischenwelt, wodurch Fantasie und harte Realität miteinander korrelieren können. Doch steckt in der brisanten Story viel mehr Potential als Jackson rausgeholt hat, weshalb der Griff zum Buch empfehlenswerter ist.

 

In meinem Himmel (The Lovely Bones)
DreamWorks SKG, USA, UK, Neuseeland 2009
Regie: Peter Jackson. Drehbuch: Peter Jackson, Fran Walsh, Philippa Boyens
Romanvorlage: Alice Sebold
Hauptdarsteller u.a.: Saoirse Ronan, Mark Wahlberg, Susan Sarandon
135 Min., Dt. Filmstart: 18. Februar 2010

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