Im Dunkeln ist gut Munkeln
26. Oct 10: Mit „Sky at Night“ zeigen I am Kloot wie sich der Nachthimmel anhört | Martin Müller
Wer I am Kloot kennt, weiß, dass sie eine Band der ruhigen Töne mit unglaublich wuchtiger Wirkung sind. Vergleichbar vielleicht mit ihren Landsleuten von Keane sind es die großen Balladen in ihrer tiefen Melancholie, auf die sie setzen, nur nicht ganz so manierlich ausgeschlachtet wie bei Keane, die ihre Songs geradezu im Kitsch einer überladenen Inszenierung ertränken. Womöglich trägt das etwas reifere Alter der drei Herren aus Manchester dazu bei, eine wesentlich reifere Musik an den Tag zu legen und dennoch sich fast schon überschwänglich im Schmerz zu suhlen. Seit ihrer Gründung 1999 brachten sie bisher sechs Alben heraus, in denen sie ihr handwerkliches Können bewiesen und die Presse zu Vergleichen des Songwritings von Sänger John Bramwell mit Morrissey und Stuart Murdoch von Bell and Sebastian bemühte. Musikalisch zeichneten sich die Platten bisher durch den gehaltvollen Sound aus, der gekonnt durch Bramwells Stimme kontrastiert wurde.
Auch mit ihrem neuen Album „Sky at Night“ wird der schwermütigen Stimmung Rechnung getragen und passend zur Jahreszeit, auch wenn das Album bereits im Sommer herauskam, der klangliche Kamin entfacht und sich gedankenversunken ins Bett zurückgezogen. Wenngleich der Opener „Northern Skies“ noch recht sanft frohlockend mit beschwingtem Gitarrenspiel und locker dahinschleppenden Drums daherkommt, gleich einem dahinfließendem Gebirgsbach in aller Friedfertigkeit, ist Euphorie fehl am Platze. Schon in „To the Brink“ wird es einem schwerer und leidlicher zu Gemüte. Die einsetzenden Streicher geben zwar der Atmosphäre etwas Huldvolles und Getragenes, aber doch einen tief düsteren Einschlag. Leicht groovig führt der jazzige Beat durch „Fingerprints“, während dann und wann Klavier und Backgroundchor bedrohlich sich einbringen und doch wieder sanft entschwinden. Wie aus dem tiefen finsteren Walde ertönt es dann in „I still do“, wenn Bramwell im eigenen Hall zur Gitarre sinniert. Dann setzen I am Kloot noch einen oben drauf und verlieren sich in „Lately“ im schmerzlichen Blues und Jazz. Doch dann stolpert der geneigte Hörer über einen Song, den man bereits vom 2003er Album „I am Kloot“ her kennt: „Proof“ - nur mit leicht abgewandelter Instrumentierung, aber dennoch genau so schön wie damals. Dramaturgisch wie auch episch ist „Radiation“ geraten, das sich ein schier ewig währendes Intro leistet und stilistisch zu den großen Sachen von David Bowie der 70er gehören könnte. Bis zum Ende hin steigert sich der Song, um dann ganz abrupt zu verhallen.
Beim Hören dieser Platte erahnt man, wie sich die Schwere als auch Leichtigkeit des Nachthimmels anfühlen kann. Die Elemente aus einer dezenten, obgleich nicht im Hintergrund verschwindenden Instrumentalisierung, irgendwo zwischen Jazz, Blues und wohligem Gitarrenpop, mit einer kraftvoll und emotional tragenden Stimme, machen die Mischung der drei Engländer aus. Während vor dem Fenster dunkle und graue Wolken den herannahenden Winter verkünden, kuschelt sich die Musik von I am Kloot sanft an und fängt die melancholische Verträumtheit ein. Ihre sanfte Theatralik ist dabei so natürlich wie auch unaufgesetzt. Dabei bedienen sie sich der ganzen Bandbreite stimmungsvoller Instrumente, besonders gerne auch den Bläsern und dem Klavier. So haben sie wiedermal ein rundherum stimmiges Album produziert, dem sich im dunklen Sternenhimmel gut lauschen lässt.
| Sky at Night von I am Kloot |
| Erschienen am 16.07.2010 bei Pias Recordings (rough trade) |


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