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Dramatisch, Drastisch, Gut.

22. Aug 11: Tim Fehlbaums Spielfilm-Debüt Hell beeindruckt auf dem Fantasy Filmfest 2011 | Dobrila Kontić

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Eigentlich ist es erstaunlich, dass ein Land wie Deutschland, das weltweit für seine regelmäßigen medialen Panikattacken hinsichtlich vermeintlich zerstörerischer Umwelt- und Marktphänomene bekannt ist, so wenig Endzeitfilme hervorbringt. Ganz zu Unrecht wird der Begriff ,German Angst‘ im angelsächsischen Raum jedenfalls nicht gebraucht, hierzulande fehlt es möglicherweise manchmal an der inneren Gelassenheit oder Nonchalance – ob das so schlecht ist, sei mal dahingestellt. Doch mit seinem Debütfilm Hell nimmt sich der Jungregisseur Tim Fehlbaum einer der dutzenden gesellschaftlichen Zukunftsängste (Klimawandel!) beherzt an und schafft ein Endzeitszenario, das durch eine interessante Figurendynamik und vor allem durch die grandiose visuelle Umsetzung besticht.

Wir schreiben das Jahr 2016: Staubtrocken und in gleißendes Licht gehüllt – das ist die Landschaft, durch die sich Marie (Hannah Herzsprung), ihre Schwester Leonie (Lisa Vicari) und Philip (Lars Eidinger) mit ihrem schrottreifen Auto kämpfen. Marie und Philip sind ein Paar oder das, was man darunter verstehen kann in einer Welt, in der die glutheiße Sonne schon sehr viel Leben ausgelöscht hat und neue Beziehungen wohl hauptsächlich aus zweckmäßigen Gründen eingegangen werden. An einer verlassenen Tankstelle treffen die drei auf den Einzelgänger Tom (Stipe Erceg), der ihnen mit einem etwas weniger schrottreifen Auto und Benzin aushelfen kann und sich im Gegenzug zu ihrem Trupp dazugesellen darf. In die Berge soll es gehen, dort hoffen die vier auf neue Wasserquellen. Doch alsbald treffen sie auf ein Straßenhindernis, das sich als Falle entpuppt. Maries kleine Schwester Leonie wird entführt und ein spontaner Rettungsversuch scheitert an der mangelnden Selbstlosigkeit von Philip. Plötzlich steht Marie allein da und kämpft sich zu einem Bauernhof, wo sie auf eine Familie trifft, die in der Konfrontation mit Not und Elend, Durst und Hunger ihre ganz eigenen (und eigenwilligen) Überlebensstrategien entwickelt hat…

Mit Hell ist Tim Fehlbaum ein spannender Genrefilm geglückt, der vor allem in visueller Hinsicht überzeugt: Die extreme Hitze, die schmerzenden Sonnenstrahlen und der unstillbare Durst in diesem Endzeitszenario werden dem Zuschauer durch drastische Bilder vermittelt. Zwar sind der Inszenierung deutliche Parallelen zu John Hillcoats Buchverfilmung The Road anzumerken, doch hat der Film einen eigenen postapokalyptischen Themenschwerpunkt: Wie weit kann der Zweck des Überlebens gehen? Was kann er alles rechtfertigen? Vor allem in den Szenen, in denen Marie mit dem Familienleben auf besagtem Bauernhof konfrontiert und zu einer Entscheidung hinsichtlich ihrer und der Zukunft ihrer Schwester gedrängt wird, werden diese Fragen auf schmerzliche Weise aufgeworfen und eine kurze Zögerlichkeit lässt sich bis zu einem gewissen Punkt noch nachvollziehen. Eine herausragende Leistung für einen Debütfilm, der auch bei seinem offiziellen Kinostart reichlich Beachtung finden dürfte!

Hell
Fantasy Filmfest 2011
Paramount Pictures, Deutschland 2010
Regie: Tim Fehlbaum. Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Wöbke
Hauptdarsteller: Hannah Herzsprung, Angela Winkler, Stipe Erceg
87 Min. Voraussichtlicher Kinostart: 22. September 2011

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