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Kein Motiv, nirgends

26. Apr 15: FILMPOLSKA 2015: Krzysztof Skoniecznys Debütfilm Hardkor Disko | Dobrila Kontić

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Als „100% Independent“ bezeichnet Krzysztof Skonieczny sein Spielfilmdebüt Hardkor Disko bei der diesjährigen FilmPolska und trägt diese Formulierung wie ein Gütesiegel vor sich her. Und stolz kann er durchaus sein: Mit einem Budget von 30.000 Euro hat er einen düster-kalten Film mit einigen stimmungsvollen Bildern geschaffen, die im Zuschauer nachklingen. Zugleich liefert Hardkor Disko bewusst keinerlei Erklärung für das Handeln seines Protagonisten, was Regisseur Skonieczny als Denkanregung verstanden wissen will, ihm aber auch als Halbherzigkeit ausgelegt werden könnte.

Einbruch ins liberale Idyll

Grimmig, schweigsam und nur scheinbar ziellos streift der junge Marcin (Marcin Kowalczyk) durch die Straßen von Warschau. Er macht schließlich Halt vor einem noblen Hochhaus, in dem er das findet, wonach er offensichtlich gesucht hat: eine Familie. Diese besteht aus dem Vater Olek, einem Architekten, der Mutter Pola, einer Bühnenbilderin und der Tochter Olga (Jaśmina Polak), genannt Ola, einer jungen Kunststudentin, die sich momentan wohl eher ihrem ausschweifenden Partyleben als dem Studium widmet. Marcin folgt Ola ins Nachtleben und bandelt schnell mit ihr an – sie trinken, feiern, lachen, konsumieren Drogen und fast scheint es, als wäre all dies eine zufällige Begegnung von zwei miteinander sehr kompatiblen Charakteren. Ola stellt ihm ihre Lieblingsfrage: Ob er lieber verbrennen oder erfrieren würde – und Marcin antwortet, was auch sie antworten würde.

Ola und Marcin

Doch in einschlägigen Szenen wird zugleich deutlich, dass Marcin ein nicht vor Gewalt zurückschreckender, undurchsichtiger Mann mit festen Plänen ist. Mörderischen Plänen. Er und Ola landen schließlich in der Familienwohnung, schlafen miteinander und am nächsten Morgen findet sich Marcin alleine beim Frühstück mit den Eltern wieder. Ein liberales, offenes Ehepaar, das den jungen Mann am Frühstückstisch freundlich und respektvoll behandelt. Auch Marcin, ansonsten nicht gerade gesprächig, zeigt sich von seiner charmanten Seite. Ein ungewöhnliches Idyll spielt sich vor seinen Augen ab: Ein Ehepaar, das sich nach vielen Jahren noch liebt, ihrer eigenwilligen Tochter Freiräume lässt und dem wildfremden jungen Mann gern Einblick ins behagliche Familienleben gewährt. Ein Idyll, das Marcin zerstören wird.

Verschlossener Raum für Interpretation

Hardkor Disko besticht in erster Linie stilistisch, was für einen Film mit einem kleinen Budget beeindruckend ist: Bilder in einem klaren, bläulich-düsteren Ton vermitteln eine hoffnungslose, unterkühlte Stimmung und passen zur starren Brutalität von Marcins Vorgehen. Auch das Zusammenspiel der Darsteller ist stimmig, wobei vor allem Jaśmina Polak als hedonistische, dennoch verletzliche Ola dem Film etwas Wärme einhaucht. Doch im Ganzen drückt sich Hardkor Disko davor, einen klaren Gedanken in jedwede Richtung zu formulieren: Wir wissen nicht, was Marcin antreibt, weshalb er gerade diese Familie für seine Pläne auserkoren hat und woher die Wut in ihm stammt. Solche bewussten Auslassungen können grundsätzlich viele Interpretationsräume öffnen und den Zuschauer anregen, aber im Fall von Hardkor Disko gelingt das weniger: Zu viel Distanz herrscht einfach zum Protagonisten Marcin, als das man sein abgeklärtes Handeln nachvollziehbar aus einem psychologischen oder gesellschaftspolitischen Blickwinkel beleuchten könnte (oder wollte). Daher wirkt dieser Film keineswegs in der Intensität nach, die Regisseur Skonieczny so vehement behauptet. Ganz im Gegenteil.

Hardkor Disko
Polen 2014
Regie & Drehbuch: Krzysztof Skonieczny
Hauptdarsteller: Marcin Kowalczyk, Jaśmina Polak, Agnieszka Wosińska
85 Min. Zu sehen auf der FilmPolska 2015

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