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09. Nov 09: Die Kraft der Fantasie - Guillermo del Toros Meisterwerk Pans Labyrinth | Jana Brinckmann

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Im Jahr 2006 überraschte der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro (Hellboy, Blade II) mit seinem ungewohnt poetischen Werk Pans Labyrinth, für das er drei Oscars, drei BAFTA-Awards (britischer Filmpreis), sieben Goya-Awards (spanischer Filmpreis) sowie zahleiche Nominierungen erhielt. Denn inmitten einer schaurig-schönen Kulisse gelingt ihm auf sehr emotionale Weise die Verbindung aus der grausamen Historie des faschistischen Spaniens und der mystischen Fantasiewelt eines kleinen Mädchens.

Beginnend mit der märchenhaften Einleitung: „Es heißt, dass vor langer langer Zeit im unterirdischen Reich, da wo es weder Lüge noch Schmerz gibt, einst eine Prinzessin lebte, die von der Welt der Menschen träumte…“, wird die tragische Geschichte der Halbwaisen Ofélia erzählt, die im Franco-Spanien des Jahres 1944 früh mit Gewalt und Tod in Berührung kommt. Denn obgleich der Bürgerkrieg zwischen republikanischer Regierung und Putschisten unter General Franco seit 5 Jahren vorüber ist, geben zahlreiche Partisanen den Kampf um Freiheit sowie Gerechtigkeit nicht auf und liefern sich blutige Auseinandersetzungen mit den faschistischen Militärs. Ausgangspunkt ist eine einsam gelegene Mühle in Nordspanien, welche als Hauptquartier der Franco-Jünger dient. An diesem Ort gerät auch die zwölfjährige Ofélia (Ivana Baquero) plötzlich zwischen die Fronten, denn ihr neuer Stiefvater, der skrupellose Militäroffizier Vidal, will, dass seine hochschwangere Frau Carmen trotz aller Gefahren für die Geburt des gemeinsamen Kindes in die Mühle zieht. Ofélia ist für ihn dabei nur das ‚ungeliebte Anhängsel‘, das er am liebsten töten würde. Im neuen trostlosen Zuhause vereinsamt das Mädchen zusehends, denn ihre Mutter ist schwer krank geworden, weshalb sie sich um ihre Tochter nicht kümmern kann, und statt Spielkameraden gibt es nur linientreue Soldaten oder eingeschüchtertes Personal. Einzig die Haushälterin Mercedes befreundet sich mit der Kleinen, was der melancholischen Ofélia etwas Halt schenkt. Jedoch hat die verstörende Gesamtsituation (Krieg, Tod, Gewaltszenen, Liebesmangel) das Mädchen derart geprägt, dass dieser Halt nicht ausreicht um die kalte Umgebung zu ertragen. Glücklicherweise naht in verzweifelten Momenten Hilfe in Form märchenhafter Gestalten. Hoffnungsvoll taucht sie immer tiefer in eine dunkle Fantasiewelt ein, welche aus mythischen Wesen wie dem Hirtengott Pan, Elfen oder dem „Kinderesser“ besteht. Der undurchschaubare Pan wird dabei zur Leitfigur, der ihr einen Ausweg aus Angst und Traurigkeit verspricht. Allerdings ist es ein beschwerlicher Weg, denn sie muss zunächst drei Aufgaben erfüllen, die unweigerlich mit dem realen Leben verbunden sind und stets Konsequenzen haben.

Pans Labyrinth kann zu Recht ein Meisterwerk genannt werden, denn die Kombination aus Drama und „gothic fairy tale“ ist sowohl visuell, durch düstere bzw. märchenhafte Schauplätze, als auch emotional eindrucksvoll gelungen. Das Besondere: Mittels unglaublich fließender Übergänge verwischt der Film die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, d.h. Magisches aus der Fantasie des Kindes hat immer einen direkten Bezug zum ‚realen‘ Handlungsstrang und treibt die Geschichte voran, was durchaus Zweifel an der ‚Unwirklichkeit‘ des scheinbar Fantastischen hervorruft. So scheint etwa die Gesundheit der Mutter von einer sagenumwobenen Alraune abzuhängen. Wunderbar zum Plot passen auch die durchgehend kalten und dunklen Bilder, die beispielsweise mittels der kargen, hauptsächlich aus Schlamm und schmucklosem Stein bestehenden Kulisse, dem andauernd schlechten Wetter sowie der lakonischen Dialoge ihre Wirkung entfalten. Stimmungsweisend werden diese Bilder mit der melancholischen Musik des spanischen Komponisten Javier Navarrete untermalt. Zudem verkörpern die Schauspieler ihre Charaktere sehr gekonnt wie der ‚unheimlich‘ überzeugende böse Stiefvater und Faschist erster Güte, Hauptmann Vidal (Sergi López). Unter Beweis stellt er dies in überaus kaltblütigen Szenen, die im dramatischen Gesamtbild selbst hartgesottene Zuschauer berühren. Fazit: Pans Labyrinth ist ein hervorragender, zu Tränen rührender Film, der über die Kraft der Fantasie in Zeiten voller sinnloser Gewalt philosophiert.

 

Pans Labyrinth (El laberinto del fauno)
Picturehouse, Spanien, Mexiko, USA 2006
Regie und Drehbuch: Guillermo del Toro
Hauptdarsteller u.a.: Ivana Baquero, Sergi López, Maribel Verdú
115 min.
Erschienen auf DVD bei Universum Film GmbH
FSK: 16. Extras: Audiokommentar, Interactivevideo – Online Bonus
Dt. DVD-Start: 30.07.2007

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