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Mädchen am Rande des Nervenzusammenbruchs

27. Apr 12: Die neue HBO-Serie Girls über die Sorgen junger New Yorkerinnen | Dobrila Kontić

Flash is required!

Der Vergleich mit Sex and the City liegt nahe, möchte man meinen – schließlich geht es in der neuen HBO-Serie Girls um vier Frauen in New York, die sich mit Liebes- und Jobfrust auseinandersetzen müssen. Doch schon nach Begutachtung der Pilot-Episode wird schnell deutlich: Die jungen Protagonistinnen aus Girls sind von der Glitzerwelt, in der Carrie Bradshaw & Co. lebten, so weit weg wie wir alle. Und das ist sowohl ernüchternd als auch erfrischend.

Wie gut, dass die 24jährige Hannah (Lena Dunham) gerade aufgegessen hat, denn das, was ihr ihre Eltern beim Restaurantbesuch schließlich eröffnen, sollte man nicht auf leerem Magen ertragen müssen: Sie streichen ihr mit sofortiger Wirkung die finanziellen Zuwendungen, schließlich arbeite sie ja schon seit einem Jahr als Verlags-Praktikantin. Dumm nur, dass Hannah dieses Praktikum (wie so viele ihrer Generation) unentgeltlich absolviert. Als hätte sie nicht schon genug Probleme, muss sich Hannah nun also um einen ‚richtigen‘ Job kümmern. Aus lauter Frust sucht sie ihre Gelegenheits-Affäre Adam auf – ein Lebenskünstler, halb Tischler, halb Schauspieler, der nie auf ihre SMS reagiert, aber der, was schlechten, für sie mitunter demütigenden Sex betrifft, eine sichere Sache ist. Ihre Mitbewohnerin und Freundin aus Kindertagen Marnie (Allison Williams) ist zwar mit einem Job in einer Galerie finanziell besser dran und seit vier Jahren mit dem gutmütigen Charlie liiert, aber genauso gefrustet. Die Luft aus der Beziehung ist raus – jedenfalls sieht sie es so. Aber fürs Schlussmachen fehlt ihr der Mut. Einen guten Rat hätte bestimmt Shoshanna (Zosia Mamet), schließlich ist sie ein großer Sex and the City-Fan, sieht sich selbst als eine Carrie, die eine verborgene Samantha in sich trägt, und verschlingt Date-Ratgeber. Doch schon in der zweiten Folge eröffnet sie Marnie das Unfassbare: Sie ist noch Jungfrau. So weit, so deprimierend, das Leben dieser drei Freundinnen. Doch dann gesellt sich noch Shoshannas unfassbar hippe, britische Cousine Jessa (Jemima Kirke) zu ihnen und lässt mit ihrer nonchalanten Weltenbummlerin-Attitüde nichts anbrennen. Als wären die drei nicht schon zu genüge von Komplexen geplagt!

Zehn Folgen hat HBO der Produzentin und Schauspielerin Lena Dunham zunächst gewährt und dass Girls unter weiblichen Zuschauerinnen einen ähnlichen Kultstatus erreicht wie Sex and the City ist zweifelhaft. Doch gerade weil diese Serie konsequent darauf verzichtet, beim Publikum (Konsum-)Sehnsüchte und Neid zu wecken, ragt sie hervor. So grau und hektisch wie New York hier erscheint, mag man es kaum als „The Place to be“ wiedererkennen. Und selbst die Jugend der drei Freundinnen wird als kaum wünschenswerter Zustand entblößt, etwa in der Szene, in der Hannahs Gynäkologin kopfschüttelnd den Satz ausspricht: „You could not pay me enough money to be 24 again.“ Von strengeren US-Kritikern wurde die Serie als übliches Machwerk über die angeblichen Sorgen privilegierter, weißer Mittelschichts-Kinder abgetan, aber es lässt sich kaum von der Hand weisen, dass Girls einige schmerzhaft aufrichtige und unfassbar lustige Momente gelingen, die meist auf einer simplen Tatsache beruhen: Man möchte mit keiner der Protagonistinnen tauschen. Da bleibt man lieber bei seinem eigenen unperfekten Leben.

Girls
HBO, USA 2012
Entwickelt von Lena Dunham
Produzenten: Jeff Apatow, Lena Dunham, Jenni Konner
Hauptdarsteller u.a.: Lena Dunham, Allison Williams, Jemima Kirke, Zosia Mamet
Ausstrahlung der ersten 10 Folgen vom 15. April bis zum 17. Juni auf HBO

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