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Aufstieg und Fall des Truman Capote

18. Oct 09: Gerald Clarkes Biographie zu dem gefeierten Literaten | Dobrila Kontic

Spätestens seit Bennett Millers preisgekröntem Film Capote (2005) dürfte der amerikanische Schriftsteller Truman Capote auch hierzulande einem breiteren Publikum bekannt sein. Mit Gerald Clarkes Truman Capote. Eine Biographie liegt zudem seit 2007 eine umfassende und hochspannende Schilderung des bewegten Lebens dieser schillernden Persönlichkeit in deutscher Übersetzung vor, die das Kunststück bewältigt, biographische Fakten und Ereignisse in romanhaft anmutender Form zu präsentieren.

Fast 13 Jahre hat die Arbeit an der Biographie nach Gerald Clarkes eigener Aussage gedauert. Die Basis hierfür bildeten teilweise langwierige Interviews mit Truman Capote von 1975 bis zu seinem Tod im Jahre 1984, sowie Gespräche mit Verwandten, engen Freunden und Bekannten Capotes. Herausgekommen ist eine mit 758 Seiten sehr detailliert ausgefallene Biographie, die mehr als eine reine Lebensbeschreibung ist; vielmehr schwankt Clarkes Werk zwischen einer objektiv-distanzierten Analyse der Schriftstellerkarriere Capotes und einer einfühlsamen Annäherung an die charismatische und zugleich verletzliche Privatperson Truman.

So beginnt die Biographie zunächst gemächlich mit der ersten Begegnung zwischen Trumans Eltern in einer beschaulichen Kleinstadt in Alabama, bevor sie sich den Umständen seiner Geburt und seiner einsamen Kindheit widmet, während der seine Eltern die meiste Zeit abwesend waren. Doch mit Trumans Umzug nach New York im Jahre 1942 und seinen ersten literarischen Gehversuchen weitet sich der Fokus der Biographie, dem Leser werden nicht nur die Stationen von Trumans raschem Aufstieg vermittelt, sondern auch die spezielle Atmosphäre in der sich dieser ereignet hat: „Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass ein junger Schriftsteller, der so wenig vorzuweisen hat, heute ein solches Trara auslösen könnte. Das New York, in dem sein Name in jenen Jahren kurz nach dem Krieg in aller Munde war, ist verschwunden, und eine Stadt mit anderem Geist und anderem Wesen an seine Stelle getreten. Das Manhattan von damals war das unbestrittene Zentrum des Planeten, ‚die führende Metropole der Gegenwart’, […] es war, was London einst gewesen war und Rom so lange Zeit davor.“

Clarke blickt über den Tellerrand von Capotes Leben hinaus und beschwört in bewegten Bildern im weiteren Verlauf den amerikanischen und europäischen Jetset der 50er und 60er-Jahre herauf. Er nähert sich den schwindelerregenden Höhen, in die Capote nach seinem Romanerstling Andere Stimmen, andere Räume (1948) und Romanerfolgen wie Frühstück bei Tiffany (1958) hinaufkatapultiert wurde, ohne sich dabei jemals von Capotes persönlicher Entwicklung zu entfernen. So liest sich die Biographie einerseits oftmals wie ein ‚Who is Who‘ der damaligen Berühmtheiten – neben unzähligen anderen finden Frank Sinatra, Marylin Monroe und die Kennedys mehrfache Erwähnung – lässt aber die sich zugleich ereignenden persönlichen Höhen und Tiefen Capotes, wie seinen zunehmenden Alkoholkonsum, sein bewegtes Liebesleben und seine schließlich harte Folgen nach sich ziehende Klatschsucht, niemals außer Acht.

Wie sehr Clarke dabei auch um eine behutsame Analyse nicht nur des Lebens Capotes, sondern auch um allgemeingültigere Beobachtungen bemüht ist, zeigt sich beispielsweise in seiner Beschreibung der unerwarteten Folgen von Capotes größtem Erfolg, dem sogenannten Nonfiction-Roman Kaltblütig (1966): „Es gibt im Leben manche bestimmte Momente, die rückblickend betrachtet als Wendemarke erkannt werden, die den Beginn eines dramatischen Auf- oder Abstiegs bezeichnen. Truman hatte das Pech, dass derselbe Tag für ihn beides bedeutete. Während er den Gipfel erreichte, begann auch schon sein Niedergang.“ Dieser zunächst vielleicht hochtrabend erscheinenden Analyse wird Clarke im weiteren Verlauf der Biographie mit seiner Schilderung des gesellschaftlichen, literarischen und schließlich auch gesundheitlichen Abstiegs Capotes mehr als gerecht und beweist bis zum Schluss, dass manche Leben die besten Romane schreiben, zumindest sofern sich ein fähiger Biograph ihrer annimmt.

 

Gerald Clarke: Truman Capote. Eine Biographie.
Aus dem Amerikanischen von Brigitte Stein.
Kein & Aber, Zürich 2007.
768 S. mit erweitertem Bildteil, 28,- €.

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