Die Kunst des Leidens
27. Nov 09: Das neue Album „In This Light And On This Evening“ von den Editors | Martin Müller
Alle Jahre wieder kommt ein Editors-Album – genau gesagt alle zwei Jahre – um uns mit düsteren Klängen aus Britannien zu erfreuen. Nach dem 2005 erschienenen „The Back Room“, das stilistisch sehr an den New Wave/Postpunk der Amerikaner von Interpol erinnerte, und „An End has a Start“ (2007), das dann wesentlich polierter daher kam und musikalisch in die Richtung von U2 und Coldplay tendierte, folgt nunmehr ihr drittes Album „In this Light and on this Evening“. Hierin haben die vier Briten diesmal einen Kehraus vorgenommen und die Gitarren scheinbar auf den Müll geworfen. Das Motto: Weniger ist manchmal mehr! Das Weniger der Gitarren ist dieses Mal ein Mehr an Synthies, wie sie zu Zeiten der jungen Depeche Mode nicht hätte verschwenderischer eingesetzt werden können. Und dem getreu wird es diesmal auch noch düsterer, als es nicht schon durch die tiefe Stimme von Sänger Tom Smith von Haus bei den Editors zugeht.
Eine neue Ausrichtung in ihrer Musik haben die Editors verkündet und sogleich im Opener merkt man die neue Liebe zu den Synthesizern. Sanft und leidend intoniert Smith düster-prophetisch ein überlanges Intro, das mit wummerndem Beat andeutet, auf welchen Weg sich die Band nun begeben wird. So entlädt sich in „Bricks and Mortar“ die ganze Bandbreite der synthetischen Sounds, die in kleinen verspielten Melodien wunderbar mit den elektronischen Effekten harmonieren, die blind-links eingestreut werden. Die letzten Gitarren aus dem Opener „In this Light and on this Evening“ sind nun endgültig im Schrank verstaut. Es folgen alle Arten und Variationen der Synthie-Trick-Kiste. Klangteppiche werden ausgerollt, auf denen Smith mit seiner unverkennbar dunklen Stimme wandelt. Vergleiche mit den Ikonen des künstlichen Sounds sind unvermeidbar. „Papillon“ wirkt wie eine Hommage an Eurythmics und „You don´t know Love“, „The Big Exit“ und “Like Treasure” sind die Synthese aus Depeche Mode und Joy Division. Ganz wollen sie sich dann aber nicht von ihren eigenen Wurzeln verabschieden, so dass die von Smith Stimme getragenen Songs dann doch vertraut klingen. Besonders in „The Boxer“ seufzt er in alter Manier den Refrain dahin. Etwas aus dem Rahmen gefallen wirkt dagegen „Eat Raw Meat = Blood Drool“. Langsam dahin zerrende Synthies werden durch einen ungeahnt temporeichen Gesang kontrastiert und der Song erfährt so einen fast schon fröhlichen Schwung. Zum Ausklang stöhnt Smith geradezu „Walk the Fleet Road“ dahin, wie eine kleine Nachtmelodie im sanft wohligen Kanon. Textlich geht es in diesem Album genauso düster zu, wie es die Musik verspricht. Menschliche Einengung, der Versuch, verstanden zu werden, und die Suche nach sich selbst sind die zentralen Themen. Verpackt werden diese in reichlich symbol-schwangeren Texten, die schon mehr an eine Chiffre denken lassen, als an Botschaften. Keineswegs scheuen sie das ein oder andere obskure Bild: “You're chewing with an open mouth, raw meat, / your blood drool attracts the flies”.
Mit diesem Album haben sich die Editors auf neue Wege begeben, ohne sich aber wirklich neu zu erfinden. Es wirkt mehr wie ein Versuch, die Ära der großen Achtziger Jahre Elektrobands wieder zu beleben. Zwar schaffen sie es auch, ihre eigene Färbung in dieses Album einzubringen, aber das liegt nicht zu letzt an der unverkennbaren Stimme von Tom Smith mit ihrer düster leidenden Kraft. Ihren großen Harmonien sind sie treu geblieben. Vielmehr haben sie nur die Gitarren ersetzt und die Arrangements insbesondere in den Refrains zurückgefahren. Damit haben sie einen viel kühleren Sound gefunden, der dem schweren und düsteren Herz der Editors in Klang und Gesang mehr entspricht. Ein durchaus gelungenes Album, auch wenn man sich vielleicht etwas weniger Retro gewünscht hätte.
YouTube-Channel von den Editors
| In This Light And On This Evening von Editors |
| Erschienen: 9. Oktober 2009 bei Pias Recordings (rough trade) |
| Tour-Daten: |
| 23.11.2009 – Stodola, Warschau |
| 25.11.2009 – Studio, Krakau |
| 26.11.2009 – Gasometer, Wien |
| 28.11.2009 – Lucerna Music Bar, Prag |
| 29.11.2009 – Tonhalle, München |
| 30.11.2009 – Longhorn, Stuttgart |
| 01.12.2009 – Bierhubeli, Bern |
| 03.12.2009 – Teatro TendaStrisce, Rom |
| 04.12.2009 – Palasharp, Mailand |
| 05.12.2009 – X-TRA Limmathaus, Zurich |
| 06.12.2009 – Transbordeur, Lyon |
| 08.12.2009 – Razzmatazz 1, Barcelona |
| 09.12.2009 – La Riviera, Madrid |
| 10.12.2009 – Campo Pequeno, Lisabon |
| 12.12.2009 – Sala Rockstarm, Bilbao |
| 13.12.2009 – Bikini, Toulouse |
| 14.12.2009 – Bataclan, Paris |
| … |
| Weitere Tourdaten und Infos zur Band: Website von den Editors |
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