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Auch Dummheit muss reifen

13. Nov 14: Das minderbemittelte Duo aus Dumm und Dümmer kehrt nach 20 Jahren zurück – mit kalkulierten Gags und wenig Witz | Dobrila Kontić

Flash is required!

Es ist zwanzig Jahre her, dass ein Film in die Kinos kam, der mit seinen unfassbar infantilen und geschmacklosen Gags Filmkritiker allerorts mit den Augen rollen ließ, während unter Schulkindern die Begeisterung so weit ging, dass die Imitation einer Schlüsselszene („Oh, Frost!“) zuweilen den Notarzt antanzen lassen musste. Dumm und Dümmer war mit seinem derben Humor ein Meilenstein amerikanischer Klamauk-Komödien, der nicht nur den Regiebrüdern Farrelly die Türen zur Realisierung weiterer hochalberner Machwerke (Verrückt nach Mary, Kingpin) öffnete, sondern die Schmerzgrenze für geistlose aber durchaus lustige Pointen in vielen weiteren Komödien dieser Art beachtlich sinken ließ. Die Ankündigung der Fortsetzung Dumm und Dümmehr mit den sichtlich gealterten Hauptdarstellern Jim Carrey und Jeff Daniels rief auf Youtube Reaktionen hervor, die auf den Nostalgie-Wert des Vorgängers schließen lassen: Dumm und Dümmehr werde wohl kaum so gut sein wie der erste Teil, trotzdem müsste man sich das doch mal ansehen, ist Kommentaren dieser Tage zu entnehmen. Und doch dürfte die Enttäuschung größer sein als erwartet, denn das späte Sequel kann mit dem seltsamen Charme des 90er-Jahre-Originals beileibe nicht mithalten...

Dummheit back on the road

Dabei nimmt die Fortsetzung ihr recht spätes Erscheinen gleich in der ersten Szene selbst aufs Korn: Harry (Jeff Daniels) besucht zum letzten Mal einen herrlich verwahrlosten Lloyd (Jim Carrey) in der Psychiatrie, wo dieser seit 20 Jahren sein Dasein fristet. Doch gerade als er zu seinen Abschiedsworten ansetzt, klärt ihn Lloyd auf, dass seine Jahrzehnte andauernde Katatonie einfach nur ein Riesen-Scherz war. Beschwingt geht’s also zurück ins alte Leben, wo sich nicht allzu viel verändert hat: Die Wohnung ist schäbig wie eh und je, Harry und Lloyd pleite und der blinde, querschnittsgelähmte Nachbarsjunge, dem sie einst einen toten Wellensittich verkauft haben, ist inzwischen ein erwachsener Mann, der dazu bestimmt ist, wieder zum Opfer eines grausamen Streichs der beiden zu werden. Nur das Alter ist nicht ganz so spurlos an Harry vorübergegangen: Er braucht dringend eine Spenderniere. So trifft es sich gut, dass er eine an ihn adressierte Postkarte aus dem Jahr 1991 findet, die ihn damals informieren sollte, dass er Vater wird. Die Schreiberin ist schnell aufgetan: Fraida (herrlich abgehalftert: Kathleen Turner) informiert die beiden Freunde, dass sie ihre Tochter Penny zur Adoption freigegeben hat, die daraufhin bei einem angesehenen Wissenschaftler aufgewachsen ist. Harry und Lloyd beschließen, Penny zu finden.

Rückgriff auf bewährtes Muster

Und ab hier beginnt die wenig glückende Imitation von denkwürdigen Momenten aus dem Original: Der Roadtrip begleitet die beiden Taugenichtse wieder auf dem Weg in eine Welt, die ihresgleichen für gewöhnlich verschlossen bleibt. War’s im ersten Teil noch das hochnäsige Luxus-Ski-Ressort Aspen, ist es nun eine wissenschaftliche Konferenz zu Zukunftstechnologien, in der Lloyd und Harry gehörig anecken sollen. Auf dem Weg dorthin begleitet sie wieder eine zwielichtige Gestalt, die ihnen insgeheim den Garaus machen möchte. Und wieder einmal wird die besondere Freundschaft zwischen den Hauptfiguren auf eine harte Probe gestellt, als Lloyd sich völlig aussichtslos verliebt – ausgerechnet in Penny!

Abgenutzte Gags, verlorener Charme

Dumm und Dümmehr überlässt hinsichtlich seiner Handlungsstruktur nichts dem Zufall und kupfert auch bei den Pointen schamlos vom überaus erfolgreichen Original ab. Und genau dabei tappt der Film in eine vorhersehbare Falle: Stellt man die alten und neuen Schlüsselszenen einander gegenüber, schneidet die neue Komödie äußerst schlecht ab – viel zu unoriginell, zu eklig und eine Spur zu bösartig erscheinen die neuen Gags, was nicht zuletzt auch am fortgeschrittenen Alter von Carrey und Daniels liegt. Entsprach ihr Spiel im ersten Teil noch der irgendwie niedlichen Naivität ihrer minderbemittelten Figuren, wirkt es jetzt seltsam deplatziert und fast ein wenig traurig, wenn Carrey seine Hotdogs sabbernd und schmatzend hinunterschlingt oder Daniels die Hälfte des Films über sein Maurer-Dekolleté hervorblitzen lässt. Ganz zu schweigen davon, dass die großen Lacher ausbleiben, denn Dumm und Dümmehr mangelt es einfach an der spektakulären Nonchalance seines Vorgängers, der sich um den guten Geschmack und political correctness ebenso wenig zu scheren schien wie um den Beifall der (erwachsenen) Massen. Vielmehr scheinen die Farrellys unbedingt demonstrieren zu wollen, dass ihre Charaktere keinen Deut gereift sind, um die Fans von einst ins Kino zu locken – dabei wären aber ausgereiftere Gags wünschenswert gewesen. Wer die Erinnerungen an die Qualitäten des Originals aufrechterhalten will, sollte auf diese Fortsetzung getrost verzichten.

Dumm und Dümmehr (Dumb and Dumber To)
New Line Cinema, USA 2014
Regie&Drehbuch: Peter Farrelly & Bobby Farrelly
Hauptdarsteller: Jim Carrey, Jeff Daniels, Kathleen Turner
110 Min. Dt. Filmstart: 13. November 2014

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