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Der Frühling erwacht

18. Jan 12: Do I Smell Cupcakes? legen ihr Debüt Springs vor | Martin Müller

Geduld ist etwas, was man im Musikbusiness unbedingt braucht. Davon hatten die fünf Jungs von Do I Smell Cupcakes? jede Menge und nun zahlt es sich aus. Am Donnerstag erscheint endlich ihr lang ersehntes Debüt Springs und die Zeiten im namenlosen Dunkel der kleinen Bühnen und selbstgebrannten CDs ist damit obsolet. Obgleich die Songs der Platte alles andere als brandneu sind und durch den umtriebigen Spielwillen der Cottbusser, die sich nunmehr in Berlin heimisch fühlen, bereits beim geneigten Publikum, ja man kann sogar von einer Fangemeinde sprechen, auf unzähligen Konzerten durchaus zu Ohrwürmern reiften, sollen sie nun zu einer breiteren Hörerschaft gelangen. Und verdient haben sie es sich. Mit einer kruden Mischung aus Pop- und Rockanleihen, gepaart mit Jazzelementen und diversen Schmankerln aus allerlei anderen Stilrichtungen nehmen sie Stellung auf breiter Front ein, die sich jedoch in der markant-voluminösen Stimme von Sänger Kevin Traeger zu einem unverkennbaren Ganzen verschmilzt.

Bereits im Opener „Reality“ zeigt sich die instrumental vielschichtige Attitüde der Cupcakes. Bläser leiten ein, was sich im gemächlich verträumten Gitarrensound langsam zu wuchtigen Chorälen aufschwingt im Sinnieren um die Realitätsangst. Wesentlich lässiger und grooviger mit einem Gefühl von Freejazz meets Bigband in der Luft kommt „Autumn in Minor“ daher, das fast unbemerkt in "Autumn in Major" übergeht und im Saxophon Outro ausklingt. Ähnlich bläserverspielt, wenngleich ungemein rockiger und temporeicher gerät „Inside Out“, das besonders durch seine dezent im Hintergrund agierenden Gitarreneinsätze gefällt. Ebenso fulminant vielschichtig im Sound gerät „You don´t get my Sympathy, Fridge“, womit sich die Cupcakes dem Soul-Pop sehr stark annähern. Daneben verstehen sie auch mit den leisen und melancholischen Momenten umzugehen. In „(In Brackets)“ bestimmt das Piano das Geschehen, auf dem Kevin Traeger gleich Elton John wandelt und sich regelrecht in die ganz großen Sphären aufschwingt. Dagegen setzt „Little Man“ ganz auf die Stille und das Zurückgenommene, wenn Gitarre und Stimme ganz intim verschmelzen. Doch inmitten der Platte hat sich ein auch ein Stück elektronischer Musik verirrt, wenn in „Snake Devotion“ die fluorisierenden Loops sich langsam aufschrauben und ganz im Sinne von Radiohead immer weiter gen Himmel streben und ein schier überirdisches Klangkorsett erschaffen. Am Schluss wird dann nochmals in die Vollen gelangt, auch wenn sich erst ganz gemächlich das überbordende Ende aufbaut. Gleich großer Hymnen verlieren sich Gesang und der volle instrumentale Einsatz im ewigen Hall, bis ganz abrupt die Stille einkehrt.

Flash is required!

Mit ihren dreizehn Songs legen Do I Smell Cupcakes? einen wahren Genreritt vor, der scheinbar das gesamte Repertoire der Populärmusik auf einmal umfassen möchte, doch dabei wirkt das Album Springs zu keinem Zeitpunkt unharmonisch oder gar prätentiös. Sicherlich sind die musikalischen Einflüsse bisweilen sehr deutlich zu vernehmen, diese Tatsache mindert aber nicht das Hörvergnügen. Das Besondere ist eben ihre Vielschichtigkeit, die immer wieder Überraschungen hervorzaubert, den Spagat wagt und beim nächsten Song gleich wieder in ein ganz anderes Genre und Gefühl versinkt. Sie verstehen ihr musikalisches Handwerk, das sich insbesondere live zeigt, wenn sie sich erlauben, im Freestyle ihren Songs mehr Luft zum Atmen und der Freude am Spiel freien Lauf lassen.

Springs von Do I Smell Cupcakes?
erscheint am 20.01.2012 bei JMG Records

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