Inhalt:

Shrimp-Cocktail im District 9

14. Oct 09: Science-Fiction mit Tiefgang | Jana Brinckmann

Flash is required!

Was ergibt die Kombination aus Aliens, viel Blut, Philosophie und Gesellschaftskritik? District 9, den neuen Film von Drehbuchautor Neill Blomkamp in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Peter Jackson (Herr der Ringe). Eigenen Aussagen zufolge inspirierten Blomkamp sowohl ausländerfeindliche Unruhen in Südafrika im Jahre 2008, bei denen Bewohner eines Armenviertels gegen noch ärmere illegale Immigranten hetzten, als auch die Ereignisse zu den Zeiten der Apartheit im District 6, einem Wohnort für ehemalige Sklaven und Immigranten. Auf dieser Grundlage wird uns ein Alien-Szenario präsentiert, das den Menschen von seiner besten Seite zeigt.

Der Film berichtet uns teilweise im Dokumentationsstil vom ersten Kontakt mit einer außerirdischen Spezies vor 20 Jahren. Das Raumschiff der Aliens, welche aufgrund ihrer insektenähnlichen Gestalt liebevoll ‚Shrimps‘ genannt werden, kommt unglücklicherweise über Johannesburg irreparabel zum Erliegen und hängt wortwörtlich in der Luft fest. Sehr authentisch und mit lauter Kommentaren von ‚Experten‘ versehen, wird die Evakuierung und anschließende Internierung der Aliens in das Auffanglager District 9 gezeigt. Selbstverständlich mit Waffengewalt! Angesichts der neuen Situation und/oder Bedrohung, beschließt sich die Menschheit zu vereinen. Das heißt, die ‚Großen‘ der Nationen gründen die Multi-National United, ein Privatunternehmen zur Überwachung der Shrimps, welche aber eher militärische Ziele verfolgt und sich deshalb deren schicksalhafte Schwäche zu Nutzen macht. Das Resultat: Schwere Katzenfutter-Abhängigkeit. Und der ‚Normalbürger‘ brüskiert sich über die fremden, primitiv erscheinenden Verhaltensweisen der neuen Nachbarn und erfindet mit den sensationsgierigen Medien die haarsträubendsten Geschichten. Zum Beispiel, dass die Aliens alle dumme, Dreck essende, klauende und gewalttätige Wüstlinge seien, die selbst vor artenübergreifender Prostitution nicht zurückschreckten. Dem öffentlichen Druck gerne folgend, wird dann eine Umsiedlungsaktion von der Regierung geplant. Die Außerirdischen sollen aus ihren gemütlichen Wellblechhütten in Zelte mitten im umzäunten Nirgendwo ziehen. Dummerweise gelingt dies nicht ganz so einfach, was in herrlichen Action- und Splatter-Szenen zum Ausdruck kommt.

District 9 von Neill Blomkamp und Peter Jackson kostete ca. 30 Millionen Dollar und ist für Hollywood-Verhältnisse ein richtiger Low-Budget-Film. Umso beeindruckender ist es, dass er bereits in der ersten Startwoche in den USA ca. 37 Millionen Dollar einspielte. Was mag so faszinierend sein? Ist es die Anprangerung und Verspottung unserer Medienlandschaft sowie Regierungsliga, unserer Besessenheit von Sündenböcken, unserer kindischen sowie grausamen Angst vor allem Fremden oder doch das Gemetzel mit Respekt einflößender Alien-Technologie?

Angesichts der ernsthaften Thematik, die sich unter dem Sciene-Fiction-Dach befindet, ist der Film sehr aufwühlend und stimmt im positiven Sinne nachdenklich. Der mitschwingende Sarkasmus, die z.T. vorhandene Situationskomik und die Splatterelemente lockern die schwere Kost jedoch etwas auf. Unabhängig vom tieferen Sinn verstehe ich aber nicht, warum sich eine uns technologisch überlegene Spezies, trotz Katzenfutter-Sucht, einfach unterdrücken lässt… Vor allem nachdem sie in den Genuss der menschlichen Gastfreundschaft gekommen ist! Wenn schon eine Brücke zwischen der brisanten Intension und dem Science-Fiction-Genre geschlagen werden soll, darf zumindest der Schluss etwas logischer und mutiger sein. Zum Beispiel, indem sich das Blatt wendet und den Menschen eine rabiate Lehre erteilt wird.

 

District 9 USA/Neuseeland 2009. 112 min.
Regie und Drehbuch: Neill Blomkamp.
Hauptdarsteller u.a.: Sharlto Copley, Jason Cope, Vanessa Haywood
Dt. Kinostart: 10.09.2009. FSK: 16.

Seitenleiste:

Alle Beiträge aus Kino & TV:

Abonnieren

Wir bei...

Weitersagen

Facebook

Twitter

Delicous

Weitere

Fusszeile: