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Glanz und Elend einer Adligen

08. Nov 09: Saul Dibbs Kostümdrama Die Herzogin | Dobrila Kontic

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„Im Glanz des Adels, Im Schatten der Liebe“ – dieser unglücklich gewählte deutsche Untertitel von Die Herzogin lässt eine peinliche Schmonzette vermuten, aber Saul Dibbs Verfilmung des Lebens der Duchess of Devonshire hat bei weitem mehr zu bieten: eine feinfühlige und aufschlussreiche Studie zu Glanz und Elend der adligen Frau im 18. Jahrhundert, in der eine sehr souveräne und mit Kostümrollen inzwischen hinreichend vertraute Keira Knightley mal wieder brilliert.

Zu Beginn von Die Herzogin wird uns die junge Georgiana Spencer (Keira Knightley) als unbeschwertes aber mit dem Grundsatz „Adel verpflichtet“ durchaus vertrautes Mädchen vorgestellt. Nachdem ihr eröffnet wird, dass sie der um einige Jahrzehnte ältere Duke of Devonshire (selten war Ralph Fiennes abstoßender) zur Gemahlin auserkoren hat, nimmt sie die Botschaft noch freudig entgegen – in der Annahme, dass sie eine vielleicht distanzierte aber durchaus von gegenseitigem Respekt geprägte Ehe erwartet. Diese Hoffnungen werden jäh enttäuscht: Der Duke of Devonshire stellt sich als äußerst kühler und liebloser Ehemann heraus, dessen Verführungskünste einer nüchternen Aufforderung vor einer gynäkologischen Untersuchung gleichen („Würden Sie sich bitte hinlegen?“) und der mehr darauf bedacht ist, mit seinen Hunden herumzutollen als sich mit seiner jungen Ehefrau zu unterhalten. Georgiana wird schnell klargemacht, was von ihr verlangt wird: Loyalität und ein männlicher Nachkomme. Während der männliche Nachkomme auf sich warten lässt, betrügt sie der Duke of Devonshire ganz unverhohlen mit mehreren Frauen und verlangt schließlich ihre stillschweigende Akzeptanz eines Zusammenlebens mit seiner Geliebten Elizabeth Hervey, die zufällig eine gute Freundin von Georgiana ist. Mit dieser lieblosen Ehe gestraft, sucht Georgiana Zuflucht in der gesellschaftlichen Zerstreuung und im politischen Engagement. Sie wird zur einflussreichen Persönlichkeit im englischen Adel und scheint ihre in vielerlei Hinsicht eingeschränkten Lebensbedingungen zu akzeptieren – bis sie auf den angehenden Premierminister Charles Grey trifft.

Saul Dibbs mit dem Oscar für die besten Kostüme ausgezeichnetes Drama basiert auf Amanda Foremans Biographie Die Herzogin von Devonshire. Das Leben einer leidenschaftlichen Frau (1999) und konzentriert sich trotz der Fülle an biographischem Material zu der Adligen hauptsächlich auf deren Ehe als einer Art Ménage à trois unter Zwang. Das mag vielleicht verkürzt erscheinen, doch Die Herzogin ist auch weniger als Biopic sondern vielmehr als Gesellschaftsdrama zu betrachten, das mit einer Zeit abrechnet, in der es dem Ehemann gestattet war, seine Frau mit einem Stock zu schlagen, sofern dieser nicht dicker als sein Daumen war. Am Schicksal Georgianas stellt der Film eindrucksvoll die ungleiche Verteilung moralischer Erwartungen im englischen Adel am Ende des 18. Jahrhunderts dar. Dabei ist bemerkenswert und interessant, wie Dibb in seinem Film die beiden gegensätzlichen Perspektiven auf das Leben ein- und derselben Person miteinander vereint: So wird Georgiana in der adligen Gesellschaft als kluge Rednerin, Modekönigin und gerngesehener Gast aller höheren Feierlichkeiten verehrt und bewundert, während ihr in ihrer Ehe jegliche Aufmerksamkeit und Achtung verwehrt bleibt. Das adlige Leben als zweischneidiges Schwert – vor allem aus weiblicher Perspektive.

 

Die Herzogin (The Duchess)
Paramount Vantage u.a., Großbritannien, Italien, Frankreich 2008
Regie: Saul Dibb. Drehbuch: Jeffrey Hatcher, Anders Thomas Jensen u.a.
Hauptdarsteller u.a.: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Hayley Atwell
109 Min. Erschienen auf DVD bei: Kinowelt Home Entertainment
FSK: 12. Extras: Making of, Geschnittene Szenen etc.
DVD-Start: 21. August 2009

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