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Die große Fuchsjagd

25. May 10: Wes Andersons Animationsfilm Der fantastische Mr. Fox | Martin Müller

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In Zeiten, wo der 3D-Effekt scheinbar den klassischen Film aus den Kinos vertreibt und die großen Animationsstudios neben allerhand visuellen Schnickschnack immer neue technische Wunderwerke herausbringen, mutet es schon seltsam an, wenn sich ein Regisseur der veralteten Stop-Motion-Animation widmet. Und wenn dieser Regisseur auch noch Wes Anderson heißt, sollte man hellhörig werden. Mit Filmen wie Die Royal Tenenbaums (2001) und Die Tiefseetaucher (2004) vermochte Anderson es, eine ganz eigene Erzählweise und Bildsprache, mit verschrobenen Charakteren und skurrilem Humor gepaart mit einem hochkarätigen Ensemble, von Bill Murray bis Anjelica Huston, zu entwickeln. Nun versuchte sich Anderson am Animationsfilm, was ihm prompt eine Oscar-Nominierung einbrachte. Als Grundlage diente das Kinderbuch „Fantastic Mr. Fox“ von Roald Dahl. Die rührende Geschichte des selbstverliebten Fuchses Mr. Fox, der nicht nur sich sondern auch seine Familie und die Tiere der Umgebung durch seine törichten Handlungen in Gefahr bringt, wird hier als ein Anderson typischer Erwachsenfilm im niedlichen Format präsentiert.

Mr. Fox, seine Frau, Sohn Ash und Neffe Kristofferson leben ein friedliches Familienleben, doch kann sich Mr. Fox damit nicht recht abfinden. Denn früher war er ein gewiefter Hühnerdieb und wurde durch die Schwangerschaft seiner Frau zu einem sittsamen Leben gezwungen. So schreibt er eine kaum gelesene Kolumne für ein Revolverblatt. Wenig befriedigend mutet dieses Leben an, so dass er nach dem Umzug aus dem muffigen Erdloch ins Baumhaus mit dem Hausmeister Kyle, einem Dachs, einen Plan ausheckt. Sie wollen die drei großen bösen Bauern der Region, Boggis, Bunce und Bean, berauben. Und dabei kann er sich auf seine Cleverness verlassen und der Plan gelingt. Doch lassen die Drei sich nicht so ohne weiteres beklauen und holen zum Gegenschlag aus. Mit monströsen Mitteln wollen sie den Fuchsbau ausheben. Der Familie Fox gelingt zunächst die Flucht in die Tiefen des Erdreichs, aber die drei Bauern sind hartnäckig. Die Jagd weitet sich aus und die Tiere der Umgebung werden ebenfalls zu Gejagten. Zunächst schafft es Mr. Fox die Tiergemeinde hinter sich zu vereinen, doch die Skrupellosigkeit der Bauern in ihren Rachegedanken gegen Mr. Fox bringt auch die Gemeinschaft ins Wanken. Schon bald müssen sich die Tiere in die Kanalisation zurück ziehen und als dann auch noch Neffe Kristofferson in die Hände der Bauern gerät, wähnt sich auch Mr. Fox am Ende seiner Kräfte und muss auf die verheerenden Folgen seiner Egomanie blicken.

Die aufwändige Stop-Motion-Animationstechnik verleiht diesem Film einen ganz besonderen Charme, den manch neuer Animationsstreifen aus dem Hause Pixar mit seiner Computertechnik so nicht mehr erreicht. Die besondere Note Andersons: Die intensive Farbgebung und die gern verwendeten Querschnitte durch die Landschaft, die die Flucht der Tiere durch das Erdreich und die oberhalb wütenden Menschen wunderbar einfangen. Dennoch ist dieser Film mit der Freigabe ab 6 Jahren eher für Erwachsene geeignet. Dies liegt nicht zuletzt an den Dialogen, die den typischen Anderson Humor voll Ironie und bissigen Realismus aufnehmen. Der hintergründige Generationenkonflikt zwischen Mr. Fox und seinem Sohn Ash und die darin liegende Identitätssuche wird gerade durch die Situationskomik und spritzigen Wortwechsel nicht schwülstig aufgeblasen, sondern erfrischend süffisant eingebettet. Eine famose Vorlage findet in diesem Film einen ganz eigenen Kosmos – den des Wes Anderson. Und dieser ist großartig.

offizielle Website zum Film

Der fantastische Mr. Fox (Original: Fantastic Mr. Fox)
20th Century Fox, USA 2009
Regie: Wes Anderson. Drehbuch: Roald Dahl (Vorlage), Wes Anderson, Noah Baumbach
Stimmen englische Fassung u.a.: Meryl Streep, George Clooney, Bill Murray
Stimmen deutsche Fassung u.a.: Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Norman Matt
87. Min. Dt. Filmstart: 13.05.2010
FSK: ab 6 Jahren

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