Schweiß und Rock mit Dead by Sunrise
29. Apr 10: Dead by Sunrise live im Hamburger „Docks“ | culturshock-Team, Madeleine Müller
Konzerte und Festivals gehören zu den Erlebnissen, die kein Musikbegeisterter auslassen kann. Dabei sind die Rahmenbedingungen nicht immer optimal: Im schlechtesten Falle muss man sehr lange für begehrte Karten an-stehen, vielleicht sogar vor dem Ticketschalter campieren, und wenn das nicht klappt, scheut manch einer auch nicht die semi-legalen Mittel, um am begehrten Live-Auftritt seiner Lieblingskünstler teilzunehmen. Ist diese Hürde überwunden, sollte man weiterhin gut gewappnet sein: Gedränge, nicht immer als angenehm empfundener, schwitziger Körperkontakt und ungewollte Zusammenstöße mit ekstatischen Pogern und Stagedivern muss man vor allem in der Sparte Rockkonzert in Kauf nehmen. Nicht zu vergessen die Vorband, die in den seltensten Fällen wirklich mitreißt und die Menge anheizt. Und weshalb tut man sich das alles an? Naja, im Idealfall geht man mit harmlosen Blessuren, vorübergehend nicht voll funktionsfähigen Ohren und einem dicken Grinsen nach Hause. Weil man Spaß hatte, weil der Bass dröhnte und die Stimme und Performance des Sängers auch das halten konnte, was das Album versprach. Und weil man sich daran erinnern wird. Von einem denkwürdigen Live-Erlebnis berichtet nachfolgend Gastautorin Madeleine Müller aus Hamburg:
Die Erwartungen an das Dead by Sunrise-Konzert waren hoch. Nach dem Promo-Konzert im Oktober im „Grünspan“ – ebenfalls auf der Reeperbahn – sollten diese Erwartungen auch erfüllt werden. Ihr Debütalbum „Out of Aches“ erschien im Oktober 2009 und schaffte es in den Album-Charts auf Platz fünf, was nicht zuletzt der Bekanntheit von Linkin Park-Sänger Chester Bennington zu verdanken ist. Der Sound erinnert natür-lich auch an Linkin Park, auch wenn Chester hier seine Stimmbänder etwas mehr schont und so auch in ruhigeren und melancholischeren Songs überzeugt.
Am Sonntag, den 28. Februar 2010 gaben die Jungs ihr vorerst letztes Deutschlandkonzert in Hamburg. Zur Lo-cation: Der „Docks Club“ auf der Reeperbahn hat schon viele bekannte Gesichter der Musikszene beherbergt, u.a. Black Sabbath, The Killers und Franz Ferdinand. Pünktlich um 20 Uhr ging es mit der Vorband Delta Fiasco los. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich hierbei ausnahmsweise um eine sehr gute Vorband handelte. Es gab eine interessante Mischung aus Rock à la Kings of Leon und Technoelementen auf die Ohren. Nach einer halben Stunde Vorband ging der Bühnenumbau schnell von statten und nach einem kleinen – fast unfreiwilligen – Gitarrensolo des Soundtechnikers eroberten Dead by Sunrise die Bühne. Sie starteten mit ihrem Song „Fire“ und eröffneten so einen heißen Gig. Chester war mal wieder in Höchstform und nutzt die ganze Bühne aus: Er wirbelte und sprang herum, dass einem beim Zusehen ganz schwindelig wurde. In guter Rockmanier hüpfte sich das Publikum ebenfalls in Ekstase! Der etwas exzentrische Gitarrist unterhielt die Menge auch gut, indem er wie wild geworden auf seine Gitarrenseiten einschlug. Chester gab sich auch Mühe die komplette Menge mit ins Geschehen einzubinden und wurde nicht müde immer wieder in den Bühnengraben zu springen und ein Bad in der Menge zu nehmen. Letzteres brachte natürlich alle zum Durchdrehen! In der Mitte ging es dann ruhiger zu. Chester gab die Songs „Let down“, „Into you“ und „In the Darkness“ hintereinander zum Besten. Hier zeigte er seine zweite Stärke: seine unheimlich gute und gefühlvolle Stimme. Frei nach dem Motto „harte Schale – weicher Kern“. Diese dann doch etwas lange ruhige Phase wurde abrupt von „Condemned“ unterbrochen und die Menge begann erneut zu kochen.
Vor allem das weibliche Geschlecht dürfte auf jeden Fall zufrieden gewesen sein: Zur Zugabe kamen alle Bandmitglieder oben ohne auf die Bühne. Leider dauerte der Gig nur etwa 50 Minuten inklusive Zugabe, aber angesichts der Tatsache, dass Dead by Sunrise erst ein Album veröffentlicht haben, scheint das auch nur logisch. Leider gaben sie anschließend nur für kurze Zeit Autogramme, da das Gedrängel doch zu groß war. So ging das Konzert leider ziemlich abrupt zu Ende – man hätte den Melodien gern länger gelauscht. Alles in allem also ein sehr gelungener Abend. Beim nächsten Konzert werde ich auch wieder dabei sein und vorher gerne Stunden im Regen warten.
| Albuminfo: |
| Out of Aches von Dead by Sunrise |
| Erschienen am 19.10.2009 bei Warner Brothers Records |
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