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Eine Frau torkelt ihren Weg

13. Aug 15: Comedy-Star Amy Schumer in der gewagten Beziehungskomödie Dating Queen | Dobrila Kontić

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Während Amy Schumer hierzulande noch wenig bekannt ist, befördert sie der Film Dating Queen in den USA gerade vom Status einer recht angesehenen Comedy-Künstlerin in den Starolymp. Schließlich spielt sie darin nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch selbst das Drehbuch über eine scheinbar unbeschwert lebende Single-Frau, die tiefergehenden Beziehungen bislang ausgewichen ist. Unter Zusammenarbeit mit Regisseur Judd Apatow (i>Jungfrau (40), männlich, sucht…, Beim ersten Mal) ist ihr damit eine interessante Mischung aus derber Komödie und sensiblem Beziehungsdrama gelungen, die sich lediglich zum Ende hin der Konvention fügt.

Weiblich, Single, glücklich

Eins macht Amy Townsend (Amy Schumer) gleich zu Beginn von Dating Queen klar: Sie ist glücklich mit ihrem Leben als ledige Thirty-Something in New York und niemand solle sie verurteilen. Sie amüsiert sich in Clubs und bei anschließenden One-Night-Stands, schaut gern mal tiefer ins Glas und wacht morgens auch mal in fremden Betten auf. Ihr Geld verdient sie als Journalistin bei einem reißerischen Männer-Magazin, dessen abgehobene Chefredakteurin (unter all den Make Up-Schichten kaum zu erkennen: Tilda Swinton) begeistert von Amys freizügigen Lebensstil ist und ihre Karriere fördern möchte. Und so soll Amy schließlich den Sportarzt Aaron Conners (Bill Hader) interviewen, zu dessen Patienten berühmte Sportler wie Basketball-Star LeBron James gehören. Dass NBA-Überflieger und Millionär LeBron James auch noch ein guter, etwas überanhänglicher Freund von Aaron ist, ist ein Running Gag des Films, der sich dem deutschen Publikum nicht immer erschließen wird.

Schreckgespenst Monogamie

Nach einem holprigen Interviewstart kommen sich Amy und Aaron über die Tage näher, gehen eines Abends aus und landen anschließend im Bett. Amy, die diese Begegnung als One-Night-Stand abtun möchte, fällt bald aus allen Wolken, als Aaron deutlich macht, dass er sie gern wiedersehen und mit ihr zusammen sein möchte.

Von Monogamie hält Amy nämlich nicht viel – eine Einstellung, die sie von ihrem Vater ‚geerbt‘ hat, der ihre Mutter einst verlassen hat, um sich ungeniert ausleben zu können. Ihrer jüngeren Schwester Kim nimmt sie sogar übel, dass sich diese in einer Ehe niedergelassen hat. Zaghaft nähert sich Amy schließlich dem Konzept der festen Beziehung und ist überrascht, wie gut es ihr tut. Doch als erste Probleme auftauchen, weil sie mit der fortgeschrittenen Krankheit ihres Vaters nicht fertig wird und Aaron wenig begeistert von ihren üblichen Trostpflastern ist (Alkohol und Gras), droht diese Beziehung zu scheitern.

Rebellion und Anpassung

Regisseur Judd Apatow wurde auf Amy Schumer durch ein offenherziges Interview aufmerksam, dass diese vor einigen Jahren der Radiolegende Howard Stern gab. Darin breitete sie ihre Ansichten zu Familie und Beziehungen aus – und diese müssen für Apatwo so erfrischend gewesen sein, dass er daraus einen Film machen wollte. Und widerspricht die Protagonistin von Dating Queen vielem, was man von amerikanischen Liebeskomödien gewohnt ist: Nicht nur, dass sie offen flucht, trinkt und One-Night-Stands hat – sie sehnt sich nicht einmal nach einer Beziehung. Eine Frau, die sich nicht darüber den Kopf zerbricht, warum er nicht anruft, sondern vielmehr irritiert ist, wenn er anruft. Dies ist für eine Mainstream-Komödie schon fast revolutionär und entspricht dem rebellischen Geist von Amy Schumers Stand-Up-Programmen und ihrer Sketch-Show Inside Amy Schumer, in der sie sich unverhohlen über die gesellschaftlichen Erwartungen lustig macht, die noch immer ans Frau-Sein geknüpft sind. Einige der dort verwendeten Witze finden sich in Dating Queen wieder und tragen zu dessen Status als Essenz von Amy Schumers bisherigem Schaffen bei: Unverschämter, gesellschaftskritischer, derber Humor, der der Behauptung, Frauen könnten nicht lustig sein, offen ins Gesicht lacht.

Doch leider verliert sich dieser rebellische Geist Amy Schumers im weiteren Verlauf des Films: Die Vorstellung einer Frau, die ihr Single-Leben genießt und einfach nur Spaß haben will muss sich dann doch als Illusion der Hauptfigur entpuppen, die ihr chaotisches Leben erst mithilfe einer Beziehung in den Griff kriegt. Und auch das stimmungsvolle Finale – so lustig es auch anzusehen ist – entspricht sehr dem üblichen Schema einer RomCom. Dennoch ist Dating Queen letzten Endes als eine gewagte Komödie über Beziehungshaltungen stellenweise einfach urkomisch und im Gesamten sehenswert.

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Sketch aus INSIDE AMY SCHUMER: Last Fuckable Day
Dating Queen (Trainwreck)
Apatow Productions, USA 2015
Regie: Judd Apatow. Drehbuch: Amy Schumer
Hauptdarsteller u.a.: Amy Schumer, Bill Hader, Brie Larson
124 Min. Deutscher Kinostart: 13. August 2015

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