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culturtape

23. Jul 11: Hereinspaziert! | culturshock-Team

Trapez-Künstler, Clowns, Feuer-Speier und viele weitere Attraktionen haben über Jahrhunderte hinweg die Menschen in die großen bunten Zirkus-Arenen Europas strömen lassen. Und auch wenn die Leute heutzutage längst anderen (und tierschonenderen) Freizeitmöglichkeiten erliegen, haftet diesem Unterhaltungsgewerbe etwas sehr Faszinierendes an. Wir verbinden mannigfaltige Sensationen, reichlich Unsinn und jede Menge Trubel mit dem Wort „Zirkus“. Kein Wunder also, dass diesem Phänomen in zahlreichen Popsongs und Musikvideos gehuldigt wird – ist doch das gesamte Musikbusiness auch nichts anderes als ein Zirkus, der mit Attraktionen lockt und seine Künstler gnadenlos der Bewunderung oder auch dem Spott des Publikums ausliefert. Düster, turbulent, bunt, aber auch schmerzhaft geht es in diesem culturtape daher zu. Macht euch also gefasst auf Konfetti-Regen und gefährliche Drahtseilakte, auf jede Menge Spaß und Schmerz!

MIA. – Zirkus

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Frohsinn, Lebenslust und Liebeshunger – das sind die Themen, denen sich die Elektropop-Gruppe MIA. seit jeher am liebsten in ihren Songs widmete. Und so entstanden im Laufe der Jahre denkwürdige Oden an die Jugend (wunderschön), an das Land (polarisierend) und natürlich an die Liebe und den Tanz (deutlich unverfänglicher), die allesamt musikalisch durch die glockenhelle, eingängige Stimme der Frontfrau Mieze Katz und die einfallsreichen Arrangements überzeugten. In ihrem Song Zirkus aus dem Jahr 2007 geht es schließlich um die alltägliche Maskerade und die gelegentliche Zur-Schaustellung im Pop-Business, eine Ode also an den Drahtseilakt des kommerziellen Künstlertums? Egal, das einleitende Dab dab da da dab dab dada da geht ins Ohr und macht Spaß!

Panic! at the Disco – I write Sins, not Tragedies

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Mit diesem Song feierte die US-amerikanische Band ihr Debüt und sprang sogleich in die Herzen vieler Alternative-Rock-Liebhaber, trotz desillusionierender Lyrics – oder vielleicht auch deswegen: Gezeigt wird eine Hochzeit, die sich als verlogener Zirkus entpuppt. Denn die Braut ist nicht ganz so verliebt wie sie sein sollte und der Bräutigam etwas zu blind vor Liebe: "What a beautiful wedding! What a beautiful wedding!"/says a bridesmaid to a waiter./"And yes, but what a shame, what a shame the poor groom's bride is a whore." Oh oh oh!

Lenny Kravitz – Circus

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1995 veröffentlichte Lenny Kravitz mit Circus sein wohl düsterstes Studio-Album. Die schwere Erkrankung seiner Mutter und eine generelle Unzufriedenheit mit dem Musik-Business belasteten ihn zu dieser Zeit immens. Dementsprechend ist die gleichnamige Single-Auskopplung “Circus“ ein sehr bitteres Stück über die Widrigkeiten des Lebens und das Gefühl, sich immer wieder in Fallstricken zu verfangen. Für ebendieses Hadern mit dem menschlichen Dasein wählte Kravitz die Zirkus-Metapher, die all seine Ratlosigkeit auf den Punkt bringen sollte: What kind of circus is this? / What kind of fools are we? / When is the final curtain? / What can I do to set me free?

Christina Aguilera – Hurt

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Stars – ob nun in Hollywood oder in der Manege – haben es nicht leicht: Stets heißt es „The Show must go on“, lächeln, amüsieren, entertainen etc. Wen wundern da schon so manche melancholische Schübe einiger Sternchen, besonders wenn es heißt man sei „brav“ geworden, wie im Falle unserer Christina – was für ein Schimpf! Ihre Antwort präsentierte sie 2006 in Form des Albums Back to Basics und es schlug ein wie ein Bombe. Lag es an dem Zugeständnis Still Dirrty (Track 11/Disc 1) oder ihrem ganzen sexy Zirkus, genannt Show? Nichtsdestotrotz, sie hatte erreicht was sie wollte: Erfolg, Geld und ein weiterhin alles andere als blütenweißes Image. Allerdings kann der Preis für den ganzen Rummel zuweilen sehr niederschmetternd sein, wie sie herzzerreißend in der Singleauskopplung Hurt singt und darstellt: Als großer Zirkusstar hat sie keine Zeit mehr für den wichtigsten Mann in ihrem Leben – ihren Vater. Erst als er stirbt, realisiert sie was sie verloren hat…

Babylon Circus - Marions Nous Au Soleil

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Mit ihrem 2009 veröffentlichtem Album La belle étoile (dt. „Die Sterne“) feierte die bis zu 10-köpfige französische Ska-Reggae-Band Babylon Circus ein furioses Comeback nach dem schweren Unfall von Sänger und Mitgründer David Baruchel. Umso heiterer und bunter geht es nun hier im Zirkus zu: In dieser Platte treten schwere politische Themen in den Hintergrund und machen Platz für das Leben und die Liebe, wie im wunderbaren Ohrwurm-Song Marions Nous Au Soleil (dt. „Lass uns in der Sonne heiraten“): Mit Chanson-Klängen wird die Liebe auf dem Höhepunkt der Gefühle völlig abgedreht – im positiven Sinne freilich – zelebriert und eine gemeinsame Zukunft erträumt, die eine komplett andere Art von Freiheitsgefühl kreiert. Das Musikvideo bedeutet uns ein erfüllenderes Leben, aber was meint der Nachsatz „When you get there, there is no way back“…?

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