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13. Aug 10: Schlagerverbrechen | culturshock-Team

Man mag‘s kaum glauben, aber auch leidenschaftliche Schlager-Komponisten stoßen irgendwann an ihre kreativen Grenzen. Wie gut, dass man in solchen Fällen auf englisch-sprachige Superhits zurückgreifen, ihre Melodien anpassen und die Texte verfremden kann. Den Vorwurf, dass sie damit musikalische Verbrechen an Klassikern der Rock- und Soul-Geschichte begehen, würden die Schlagersänger natürlich harsch von sich weisen. Wer möchte denn Songs über Paranoia, Depressionen und Schmerzen hören, wenn man daraus auch muntere Liedchen über einen schaurig-süßen Hund, pubertären Liebeskummer oder den bedrohten Fuchs machen kann? Man kann nur hoffen, dass sich die Mitglieder von Black Sabbath, The Supremes und den Rolling Stones diese schauderhaften deutschen Schlager-Versionen ihrer Songs nie anhören mussten. Hier eine kleine Rundreise für musikalische Katastrophentouristen:

Cindy & Bert – Der Hund von Baskerville

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Was mag Metal-Opi Ozzy Osbourne beim Anhören der Cindy & Bert-Version (1971) des Songs „Paranoid“ vom zweiten Album seiner Band Black Sabbath wohl gedacht haben? Darüber und über die Motive des deutschen Schlagerduos können wir nur spekulieren… Zumindest aber klingt dieser Coversong so, als dachten sich Cindy & Bert: „Oh, was für eine schöne Melodie für ein Metal-Liedchen, nur der Text ist so traurig“. Und im Nu wurde aus den Zeilen über die Leere im Innern ein pseudo-schauderhafter Schlager mit dem textbestimmenden Titel „Der Hund von Baskerville“. In der Tat schauderhaft amüsant!

Karel Gott – Rot und Schwarz

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Aus der Sicht eines depressiven Mannes, der den Tod seiner großen Liebe betrauert und alles nur noch schwarz sieht sangen die Rolling Stones 1966 ihren Nummer-1-Hit „Paint it Black“. „Ein Thema für mich!“, dachte sich wohl Schnulzen-Barde Karel Gott kurze Zeit später und brachte eine deutsche, heimatlichere Version des Tracks heraus, in der die Geliebte zwar nicht tot ist, aber die Beziehung dennoch extrem leidet. Das tut auch der Hörer, wenn sich Karel Gotts Stimme im Falsett überschlägt, um den Liebesschmerz fühlbar zu machen. Zeilen wie „Rot, so wie Feuer,/ hat die Liebe einst geglüht./ So schnell wie roter Mohn/ ist sie für uns verblüht.“ tun ihr übriges, um einen Rock-Klassiker für immer zu beflecken. Hören auf eigene Gefahr!

Jacob Sisters – Was habe ich dir getan?

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Kurz nachdem The Supremes ihren Song „Stop! In the Name of Love“ 1965 herausbrachten, machten sich die auch heute in Deutschland allseits bekannten Jacob Sisters über diesen Song her und wandelten ihn in das etwas behäbig wirkende „Was habe ich dir getan?“ um. So ist dann auch die deutsche Version eher eine von Wehleidigkeit und Unterwürfigkeit geprägte Nummer geworden. Zwar haben sich die vier Damen noch recht ordentlich, bis auf den Refrain, an das Original gehalten und beweinen ebenso den fremdgehenden Mann, aber die kraftvolle Energie des Soultrios aus Amerika bleibt unerreicht.

Scorpions – Fuchs geh voran

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Zugegeben, die Scorpions bei Schlagercovern einzuordnen, ist etwas dreist. Aber mit dieser Ode an die Rettung des armen Rotschwanzes vor Wilderei ist den Hannoveranern eine so seltsame Nummer gelungen, in der auf Deutsch gesungen und der Originaltext derart frech verfremdet wird, wie es sich sonst nur unsere Schlagerstars trauen würden. Zwar gerät „Fuchs geh voran“ zu einem Protest-Song der etwas anderen Art, aber mit dem Original von The Sweet hat das wirklich nichts mehr zu tun. Putzig allemal und der gebeutelte Fuchs wird es ihnen danken. Ob das The Sweet auch so sehen, bleibt zu bezweifeln.

Claudia Jung & Nik P - Sommerwein

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Das sinnliche Liedchen „Summer Wine“ von Nancy Sinatra & Lee Hazelwood (1967) wurde schon häufiger gecovert, wie beispielsweise im Jahr 2006 von Ville Valo & Natalia Avelon als Soundtrack zur Verfilmung der Uschi Obermaier-Biografie Das wilde Leben. Doch auch die Schlagerwelt in Form von Claudia Jung & Nik P. ist auf den Song über die leidenschaftliche Begegnung zweier Menschen aufmerksam geworden und ‚züchtigt‘ diesen auf deutsch-österreichischer Schlagermanier. Herausgekommen ist eine sittsame Coverversion, die gar nicht mal so schlimm klingt, wenn man die Augen schließt, aber vor dem Schlagerstadl-Hintergrund einfach zu komisch wirkt.

Roland Lieverscheidt schrieb am 13.08.2010 09:32

Da fehlt dann wohl nur noch das Korn im Feldbett, auf dem sich Jürgen D. schon ein halbes Leben lang - mit Rückendeckung der Ballermänner - im Scheinwerferlicht sonnt ...

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