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culturtape

04. Mar 11: Rosige Aussichten | culturshock-Team

Zugegeben, noch ist dieser Frühling sehr zaghaft und sorgt nur mal hier und da für einen winzigen Sonnenstrahl. Aber dieser genügt uns völlig, um von mehr zu träumen, wie etwa der vollen Blütenpracht, berauschenden Düften und großen Gefühlen. Und da gibt es diese eine Pflanzengattung, die dies alles in sich vereint… Die Rede ist natürlich von der Rose. Zugegeben, sie wird etwas zu oft von einfallslosen Liebhabern als Einschleim- oder Entschuldigungsversuch verwendet. Aber trotzdem kommt man um die Faszination für dieses Gewächs, das einen mit seinen vielzähligen Blütenblättern anlockt, sich dabei aber mit Dornen zur Wehr setzen kann, nicht herum. Die Poeten konnten sich ihr ebenso wenig verweigern wie die Musiker, die wir euch in einer nicht ganz kitschfreien Zusammenstellung präsentieren: Da dient die Rose mal als Symbol für die Blüte der Jugend, dann wieder als Sinnbild für die zarteste Versuchung, seit es Liebe gibt und dann wiederum als trügerische Illusion. Ja, die Rose ist eine vielseitige Pflanze und nur der, der folgende Regel beachtet, wird glücklich mit ihr: „Der Rose süßer Duft genügt, man braucht sie nicht zu brechen / Und wer sich mit dem Duft begnügt, den wird der Dorn nicht stechen.“ In diesem Sinne: Viel Spaß mit unserem rosigen culturtape – aber haltet Abstand (es trieft vor Schmalz)!

Nick Cave & Kylie Minogue – Where the Wild Roses Grow

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Murder Ballads nannten Nick Cave and the Bad Seeds ihr neuntes Album – ein Titel der hält, was er verspricht, denn auf der Platte von 1996 dreht sich alles um den Mord aus Liebe, Rachsucht oder Leidenschaft. So auch die erste Auskopplung, „Where the Wild Roses Grow“, in der uns Nick Cave und seine Duett-Partnerin Kylie Minogue den Mord an einer gewissen Elisa Day schildern – und zwar aus der Perspektive des Täters und des Opfers. Die Rose ist in diesem Kontext Symbol für die höchste Blüte der Schönheit, die der verliebte Mörder in Elisa sieht und die er auf ewig festhalten möchte. Zu diesem Zweck greift er schließlich zu einem rabiaten Mittel. Nach vollbrachtem Werk folgt der Abschied: „And I kissed her goodbye, said ‘All beauty must die’ / and I lent down and planted a rose between her teeth.” Eine zeitlose Ballade über das Unvermögen des Menschen, Vergänglichkeit zu akzeptieren. Welch Ironie!

Seal – Kiss from a Rose

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Heidi Klums Gatte Seal gehört zu den standhaftesten Titelverteidigern im Kampf um die kitschigsten Kuschelsongs aller Zeiten. Auch wenn seine Karriere mittlerweile darin besteht, seiner ausrangierten Modelehefrau den Rücken zu stärken, während sie die Fernseh- und Laufsteglandschaft mit ihren Topmodel-Zöglingen 'bereichert', kann er doch auf eine Musikkarriere zurückblicken, die ihm ordentlich Schotter einbrachte. Ein tatsächlich preisgekrönter Hit ist zum Beispiel dieser Track zum Film Batman Forever mit Val Kilmer als Bruce Wayne aus dem Jahre 1995. Ob der gute Seal allerdings mit dem Song selbst oder eher dank der filmischen Unterstützung die oberen Plätze der internationalen Charts erklimmen konnte, soll uns zumindest für das Frühlingsgefühle weckende Rosen-Tape nicht tangieren. Vielmehr lasset uns die pure Romantik in dem Lied genießen, das die Liebe als Rose glorifiziert und endlich Licht in die Dunkelheit bringt. Zum Dahinschmelzen!

OutKast – Roses

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Rosen sind schön, allseits beliebt und duften gut, richtig? Falsch! Sagen zumindest Andre3000 und BigBoi von OutKast und stellen die Rose bloß, als das was sie ist: Eine eingebildete Blume, die bei näherer Betrachtung an Reiz verliert und außerdem riecht wie „poo-poo-po“. Der Verdacht liegt nahe, dass es hier viel weniger um Blümchen geht, sondern vielmehr um einen bestimmten Frauentypus, der durch eine perfekte Hülle Hoffnungen weckt, die sich schnell als Illusionen entpuppen. Dazu lieferten sie ein Musikvideo ab, das in Punkto Choreographie, Buntheit und Erzählkunst seinesgleichen sucht – und viel zu selten findet!

Bon Jovi – Bed of Roses

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Jon Bon Jovi hat uns mit seiner Band Bon Jovi seit den 80er Jahren schon so manche Ballade geliefert, die einigen Menschen im positiven Sinne Gänsehaut bescheren, aber andere vor Schmalz erschaudern lassen, wie etwa die 1994 veröffentlichte Single Always. Ein ebenso die Gemüter spaltender Song ist die Singleauskopplung Bed of Roses aus dem 1992 erschienenen Album Keep the Faith. Hier besingt Jon fast schon theatralisch eine blinde Liebe, die er so gerne auf Rosen betten würde – doch wird es gerade belegt von einer Blondine und einer Flasche Wodka: „Cause a bottle of vodka is still lodged in my head / And some blond gave me nightmares“. Aber das macht gar nichts, denn welche Lady schmilzt nicht dahin bei diesem süßen Gesang des damals noch knackigen Rockers (?) mit schmusigen Ambitionen?

Hildegard Knef – Für mich soll’s rote Rosen regnen

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Die 2002 im Alter von 76 Jahren in Berlin verstorbene deutsche Chansonsängerin, Autorin und Schauspielerin Hildegard Knef ist eine Ikone, die selbst der jüngeren Generation zumindest dem Namen nach immer noch ein Begriff ist. Berühmt für ihre dunkle schöne Stimme, verzauberte sie besonders seit den Fünfzigern ein breites, später auch internationales Publikum mit ihrer eleganten beschwingten Art innerhalb etlicher Schauspielrollen und Songs. Das wohl außerhalb der Fangemeinde berühmteste Lied ist der 1968 erschienene Song Für mich soll’s rote Rosen regnen, in dem sie melancholisch und bestimmt zugleich für die Rückbesinnung auf die kindlichen Erwartungen ans Leben singend eintritt. Leider werden diese durch die Realität oft gesprengt, so dass wir uns zurück zum kindlichen „Ich WILL“ und weg vom erwachsenen „Ich SOLL“ zwingen müssen, um wenigstens teilweise unsere Träume erfüllen zu können. Ein schlicht wunderschöner Klassiker!

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