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20. May 11: Radio | culturshock-Team

Seit Jahren schon wird der Niedergang des Radios moniert und immer wieder werden anderen Schuldige ausgemacht. Zunächst schien es, als sei die Verbreitung des Fernsehens an allem schuld. Dann wieder dachte man über die Hörer mit ihren sinkenden Ansprüchen an sinnvoller Unterhaltung nach. Aber wenn wir mal ehrlich sind, könnte es auch einfach daran liegen, dass der Mensch nun mal ein Augentier ist und wir die Verbildlichung von Reportagen und Musik dem einfachen Ton wohl vorziehen. Doch in Zeiten des Picture-Overkills, in denen Werbebilder in unserer Umgebung prädominieren und die immergleichen, scheinbar perfekten Schönheiten im Fernsehen und Internet uns keine Faszination mehr entlocken könnten, könnte das Radio womöglich wieder eine breitere Hörerschaft finden. Es lohnt sich, das Gerät – in physischer oder virtueller Form – mal wieder einzuschalten, einfach zuzuhören und die Augen auf die reale Umgebung (oder was von ihr noch übrig ist) zu richten. Das finden nicht nur wir, sondern auch einige Künstler, die in den folgenden Songs unter anderem die bewegte Geschichte des Radios, das Radio als Erfolgsmotor oder seine eskapistische Sogkraft besingen.

The Buggles – Video killed the Radio Star

Flash is required!
Ende der 70er brachte die britische New Wave-Gruppe The Buggles diesen Song heraus, in denen die Blütezeit des Radios in den 50ern besungen und ihr Niedergang durch das Fernsehen moniert wird. Ein melodisch heiterer, im Kern jedoch melancholischer Song, der schnell wieder in Vergessenheit geraten wäre, wenn sich sein Inhalt nicht immer wieder als auf eine tiefere Wahrheit hindeutend erwiesen hätte. „Video killed the Radio Star“ war der erste Clip mit dem Musiksender MTV 1981 on Air ging und in ein neues Zeitalter schritt. Mit einem arroganten Augenzwinkern hatte man vermutlich diesen nostalgisch anmutenden Song hervorgeholt, doch heute, 30 Jahre später, rächt sich diese einstmalige Arroganz, denn nun ist das Fernsehen und mit ihm das Musikfernsehen auf dem absteigenden Ast. Was bleibt, ist die Liebe zur Musik und zum Musikvideo, das man heutzutage nur noch online geboten bekommt.

Nelly Furtado – Shit on the Radio

Flash is required!
„You liked me till' you heard my shit on the radio“ – Ja, liebe Nelly, die Geschmäcker sind halt verschieden und so wunderschön du auch bist, Musik vereint oder trennt uns alle. Natürlich ist es immer ärgerlich und gewiss auch traurig, wenn sich die angeblichen Freunde durch die eigene Popularität in ihrer Geltungssucht verletzt fühlen und nur deshalb die kalte Schulter zum Einsatz kommt, aber hey, Shit happens! Hauptsache es mögen genügend andere Leute die Songs im Radio, damit die Geldbörse immer schön gefüllt bleibt.

Robbie Williams – Radio

Flash is required!
Wenn das Gedudel im Radio zur einzigen Konstante im Leben wird, erscheint wirklich aller Tage Abend oder zumindest die Schlange aus dem Po, wie bei unserem Skandal-Robby in diesem wieder einmal herrlichen Musikvideo: Der innere Dämon – hier in Form des zügellosen Partylöwen, der seine Seele im Suff verliert – verwirrt den Geist und das Handeln, weshalb die immer gleiche Playlist im Radio stets darauf verweisen kann, wo man gerade steht. Oh oh oh…

Queen – Radio Ga Ga

Flash is required!
Queen haben es 1984 wunderbar auf den Punkt gebracht: Obgleich im Radio nur „GaGa“, „GooGoo“ und „BlahBlah“ läuft, hat und wird es uns immer schöne Stunden des Träumens, Erzürnens sowie Mitfieberns schenken und das gerade in Zeiten des übermächtigen TV-Einflusses. Denn im Gegensatz zur Flimmerkiste reizt das Radio unsere Nerven nicht auf hyperaktive oder hirnlos lähmende Weise, sondern plädiert an den puren Musik-Genießer in uns – mal von dem ganzen Gequatsche der Moderatoren und den Werbejingles abgesehen… In diesem Sinne: Ein Hoch auf das Radio!

Jon Lajoie – Radio Friendly Song

Flash is required!
Wir kennen sie doch alle: Diese Songs von kompositorischer und textlicher Belanglosigkeit, die aber beim Durchschnittshörer so viel Anklang finden, dass sie in allen Radiostationen gleichzeitig rauf- und runtergedudelt werden. Und ja, wir mögen uns darüber maßlos aufregen, aber keiner tut es so leidenschaftlich wie das kanadische Comedy-Talent Jon Lajoie. In seinem „Radio Friendly Song“ geht es um ebendiese „stupid motherfucking lame cock sucking cookie cutter radio friendly songs“ und die rätselhafte Beliebtheit, die sie beim Publikum ernten. Im Video präsentiert er sich selbst als „Radio Friendly Artist“ mit einem „Piece of Shit Album“ und leiert lust-und verständnislos zugleich seinen „Radio Friendly Song“ herunter. Das von ihm auf diese Weise monierte Phänomen wird dadurch zwar nicht nachvollziehbarer, aber das nächste Mal, wenn wir uns über so einen Scheißsong im Radio aufregen, wissen wir, dass wir mit dieser Meinung nicht allein sind!

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