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18. Jun 10: One-Cut-Videos | culturshock-Team

Technische Raffinesse, geduldige Darsteller und perfekte Planung – auf diese Gegebenheiten sollte ein Regisseur achten, wenn er ein ‚One-Cut-Video‘, also einen Musikclip in einer einzigen Einstellung mit nur einem Schnitt, zu drehen gedenkt. Abgeleitet von der sogenannten Plansequenz, derer sich Regie-Größen wie Jean-Luc Godard, Alfred Hitchcock und Andrei Tarkowski gerne bedient haben, ist das One-Cut-Video eine große Herausforderung, der sich die nachfolgenden Künstler auf unterschiedlichste Weise gestellt haben. Manchmal genügt der simple Spaziergang durch eine belebte Nachbarschaft, andere entscheiden sich für eine waghalsige Choreographie und manch einem genügt es nicht, einfach nur ein Video in nur einer einzigen Einstellung zu drehen, nein, das ganze sollte dann schon noch rückwärts abgespielt werden. Wir präsentieren euch sechs ziemlich schnittlose, aber raffinierte Musikvideos:

Massive Attack - Unfinished Sympathy

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Ein wahrer Klassiker, der Massive Attack Anfang der 90er von einem Geheimtipp in die Charts katapultierte. Die eindringliche Stimme von Shara Nelson und die unverkennbare Musik gaben diesem Song nicht nur hohen Wiedererkennungswert, sondern, dank des im One-Cut-Verfahren gedrehten Videos, eine sozialkritische Note. Zwar besingt Nelson eine Angst vor Liebe und Nähe zum anderen, doch passt diese Thematik auch wunderbar projiziert auf eine Gesellschaft, die vielmehr übersehen als hinsehen möchte.

Feist – 1 2 3 4

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Ach ja, bei diesem Song von Feist muss man irgendwie immer an Sommer denken, oder? Der leichte und beschwingte Pop, dazu ihre ungewöhnlich raue Stimme, die bisweilen so gehaucht daherkommt, möchte einen doch frohlockend über Feld und Flur wandeln lassen. Doch entschied man sich beim Video zu einer eher ungewöhnlich inszenierten Tanz-Choreografie, die zwischen Witz und Dilettantismus die Fröhlichkeit übernimmt und durch die permanent wechselnden Perspektiven ganz verblüffende Figuren entstehen lässt.

Gary Jules - Mad World

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Was Gary Jules hier von dem Dach einer Schule aus betrachtet, ist ein Beweis dafür, wie man mit einfachsten Mitteln eine verblüffende Wirkung erzeugen kann. Da formiert sich eine Gruppe von Passanten zu lebendigen Bildern eines Gesichts, eines Segelbootes, eines Menschen, eines Vogels und einiges mehr. Regisseur Michel Gondry (Vergissmeinnicht) gelingt durch diese scheinbare Einfachheit eine wunderschöne Untermalung zu dieser melancholischen Cover-Version des Tears for Fears-Klassikers „Mad World“.

Jack Johnson - Sitting Waiting Wishing

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Unser Surfer-Boy mit Schmusestimme Jack Johnson verarbeitet in seiner Single „Sitting Waiting Wishing“ eine unglückliche Liebe, für die er sich zum Trottel machte. Denn er wünschte sich so sehr ihre Liebe, dass er geduldig ihre nervenden Freunde ertrug und auf den Tag ihres gemeinsamen Glücks wartete. Wie das ausging, sehen wir wunderbar in dem rückwärts abgespielten Video: Es endet und beginnt mit einem total verwüsteten, ausgebrannten Zimmer und einem schmuddeligen, mit Essensresten beworfenen Jack Johnson, der sich kopfüber in diese Situation bringt, womit das Video auch endet. Einfach philosophisch!

U2 - The Sweetest Thing

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Wie entschuldigt man sich als großer Musiker bloß bei seiner Frau, wenn man an ihrem Geburtstag nicht bei ihr sein kann? Eine Möglichkeit: Man schreibt einen Song für die enttäuschte Angetraute. Noch besser: Man dreht noch ein zuckersüßes One-Cut-Video zu dem selbst geschriebenen Song. Das dachte sich wohl Bono von U2, als er seine Bandkumpanen, Boyzone(!), eine Pferdekutsche, aufreizende Feuerwehrmänner, ein Streichorchester und weitere Entertainment-Faktoren zusammentrommelte, um mit einer Leidensmiene zu verkünden, wie „sorry“ er doch sei. Seine Frau verzieh ihm natürlich und wir sind auch bereit ihm zu vergeben, dass das Video zu „The Sweetest Thing“ nachbearbeitet wurde und somit nur ein stilistisches One-Cut-Video ist.

OK Go – Here it goes again

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Für ihr One-Cut-Video zur Single ”Here it goes again” gewann die US-amerikanische Pop-Rock-Band OK Go einen Grammy in der Kategorie „Best Short Form Video”. Und das nur für sechs Laufbänder und vier im Retro-Style gekleidete Herren, die eine tänzerische Laufperformance auf diesen beliebten Fitnessgeräten abliefern. Aber so unglaublich das klingt, es ist wirklich lustig anzuschauen und auch der beschwingte Rock-Song gegen die immer wiederkehrende Monotonie, macht einfach gute Laune.

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