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culturtape

22. Apr 11: Jesus Christus Trallala | culturshock-Team

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir euch ein Bunny-Tape präsentiert mit jeder Menge hoppelnder Hasen, fröhlichen Klängen und hier und da ein Paar Möhrchen. Es war verlockend, dieses Jahr zu Ostern ein zweites Bunny-Tape nachzuschieben (glaubt uns, Material gäbe es genug), aber wir haben uns dann doch für die Alternative entschieden: Jesus (Ihr wisst schon: der Grund, weshalb ihr jetzt vier Tage hintereinander frei habt). Ein heikles Thema für etwas so profanes wie unser culturtape könnte man meinen, aber wenn man sich die verschieden musikalischen Herangehensweisen einiger Musiker an den Sohnemann Gottes anschaut, weiß man: So viel kann man da auch nicht mehr verkehrt machen. Da geht es mal melancholisch, mal augenzwinkernd, mal düster, mal stinkwütend zu. Wir wünschen euch viel Spaß mit diesen musikalischen Abhandlungen über Jesus und den Glauben und natürlich Frohe Ostern – ja, auch den übereifrigen Atheisten (*gääähn*) und den humorlosen Ultrareligiösen (*augenroll*) unter euch!

Morrissey – I have forgiven Jesus

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Eine überraschende Aussage, die Morrissey da in seinem Song aus dem Jahre 2004 tätigt: Er hat Jesus vergeben, und nicht etwa andersrum, wie es zu erwarten wäre. Und welche Sünde hat Jesus in Fall von Morrissey begangen? Er hat Liebe, Sehnsucht und Wärme in sein Herz gepflanzt und ihn damit hinaus in die Welt geschickt. Diese entpuppte sich dann aber leider als sehr kalter Ort, das Leben an sich als furchtbar einsam und die Sehnsüchte blieben unerfüllt – ein klassischer Fall von „dumm gelaufen“, könnte man meinen. Doch all dies kann der dauergeplagte Morrissey schließlich großmütig verzeihen, auch wenn der Schluss des Songs sich dann doch ein bisschen anders anhört: „Do you hate me? Do you hate me? Do you hate me? Do you hate me?”

Supergrass – Jesus came from outta Space

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Falls wir es bis jetzt nicht wussten, klären uns Supergrass in dieser Hinsicht mal richtig auf: Jesus kommt aus dem Weltall und verließ uns mit einem Gebrauchtwagen! Jetzt ist es klar, dass uns die Kirche jahrhundertelang belogen hat und die Geschichte umgeschrieben werden muss! Aber womöglich machen die vier Engländer auch ihrem Bandnamen alle Ehre und haben einfach zu viel Supergrass geraucht? Sei es drum, denn neben dubiosen Metaphern hat der Song „Jesus came from outta Space“ vor allem eins,: ordentlich Groove. Drum geben wir uns dem hin und lassen den Vielgepriesenen da, wo wir ihn vertrauter empfinden: am Kreuz!

George Michael – Jesus to a Child

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Er ist eigentlich alles andere als ein Kostverächter und das Wort seriös bringt man mit ihm nun wirklich nicht in Verbindung, doch ist neben all den recht medienwirksamen Skandalen die Intensität und Ausdruckskraft dieses Mannes ein wahres Geschenk. Nach den ersten trivialen Versuchen mit Wham fand er auch solo zum Erfolg. Nicht zuletzt mit dem Album Older beförderte er sich in die Riege ernstzunehmender Sänger. Mit „Jesus to a Child“ schuf George Michael eine wunderschöne Ballade mit dem fast pathetisch-lyrischen Bekenntnis zur Liebe und dem für die Kirche ebenso erfreulichen Vergleich in der Hingabe wie Jesus zu einem Kind. Auch wenn ihm die Absolution vermutlich verweigert wird, bleibt dieses zum Dahinschmelzen schöne Stück Musik eine Offenbarung.

Marylin Manson – Personal Jesus

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Wer hätte nicht gerne einen persönlichen „Jesus“, bei dem man sich gewiss sein kann, dass er über uns wacht, uns erhört, uns alle Sünden vergibt und an die Hand nimmt, wann immer wir es gerade wollen? Denn so wäre das Leben um einiges einfacher zu bewältigen und die empfangene Sicherheit vermag Flügel zu verleihen. Doch wehe dem, der an einen falschen Prediger gerät – das kann auch die eigene Person sein – und womöglich nicht zu Jesus, sondern zu Marylin Manson betet. Nun zumindest in Bezug auf sein Depeche Mode-Cover bedeutet es nichts anderes als viel und vielleicht auch ein wenig lasterhaftes Vergnügen. „Personal Jesus“ ist wie die meisten seiner Songs beziehungsweise Videos, ein herrlich provozierendes und visuell sowie musikalisch tolles Goth-Rock-Stück, dank dessen man allerdings von der Idee eines persönlichen Jesus abweichen möchte.

Skunk Anansie – Selling Jesus

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Das Musikvideo zu dieser 1995 veröffentlichten Singleauskopplung aus dem Album Paranoid and Sunburnt wirkt wie ein völlig verrückter Drogentrip: Schnelle flackernde Bilder, die bruchstückhaft Szenen von Schafen, einem nicht vertrauenswürdig aussehenden Trucker, skrupellosen Geschäftsmännern, die Jesusstatuen verkaufen, und eine sich in Rage singende Skin zeigen. Begleitet wird das Spektakel von einem harten Head-Bang-Sound und Lyrics, die den Kern einer dunklen Wahrheit treffen: Der Glaube an Gott und seinen Sohn Jesus ist ein wirksames, zum Teil sehr blutiges Instrument der Macht sowie Manipulation, um Menschen gefügig zu machen oder aber um sich und seine Taten zu rechtfertigen. Das Haus Gottes wird in diesen Fällen zur Herberge von Sünden aller Art. Aber lasst uns die Abscheulichkeiten mit Skunk Anansie aus dem Kopf tanzen und uns an den schönen Dingen des Lebens freuen, denn was zählt, ist schließlich der Glaube an sich selbst.

A Camp – Stronger than Jesus

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Die Nachwirkungen von Jesus’ Leben und Sterben sind bis heute immens, aber leider nicht immer positiv im Hinblick auf die Entwicklung der Menschheit. Und man könnte meinen, dass wohl nichts auf der Welt so stark ist wie der Glaube, doch halt! Nina Persson und ihr Soloprojekt A Camp belehren uns da eines besseren: Sicher, der Glaube kann Berge versetzen, ganze Armeen mobilisieren und Fehlgeleiteten die Lizenz zum Töten geben. Aber die Liebe wird dem Glauben (und damit Jesus als zentraler Figur des christlichen Glaubens) immer um einen Schritt voraus sein. Sie lockt mit Heilsversprechen, nur um uns dann in den Abgrund zu stürzen, sie fliegt wie ein Schmetterling, sticht aber zu wie eine Biene. Solch eine Parallele zwischen Glauben und Liebe zu ziehen, ist mutig – und leider entspricht sie manchmal auch der Wahrheit.

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