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culturtape

08. Oct 10: Im Tal der Tränen | culturshock-Team

Es ist eine der menschlichsten Regungen, dennoch versuchen wir alle, es in der Öffentlichkeit zu unterdrücken: Das Weinen. Für die meisten beginnt das Leben mit einem Heulkrampf und ebenso wird man auch im weiteren Verlauf des Lebensweges die ein oder andere Träne vergießen, etwas Pipi in die Augen kriegen, heulen wie ein Schlosshund, flennen wie ein kleines Kind, unkontrolliert schluchzen wie in einer schlechten Daily Soap, mitunter aber auch Tränen lachen. Und sich dabei selbst als sentimentale Heulsuse zu betrachten, ist so unangebracht wie falsch, denn man steht mit seinen Tränen nie allein da: Unzählige Musiker haben sich dem Thema Weinen in Songs über Einsamkeit, Trennungsschmerz und Trauer gewidmet und im Hintergrund, manchmal auch im Vordergrund, den Tränen ihren Lauf gelassen. Bei alldem sollte man nicht vergessen, dass das Weinen mitunter kathartisch wirkt und uns von lange angestautem emotionalen Ballast befreien kann. Deshalb folgt nun ein culturtape zum Entfesseln der inneren Heulsuse, holt euch schon mal ein Taschentuch.

Muse – Muscle Museum

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Mit Showbiz erschien 1999 das erste Studioalbum der britischen Band Muse, das einen in dieser Form noch nie gehörten Sound etablieren und Matthew Bellamy und Bandkumpanen eine treue, rasant wachsende Fangemeinde bescheren sollte. Die dritte Singleauskopplung „Muscle Museum“ ließ den kommenden Erfolg schon damals erahnen: Enigmatische Lyrics, eine gekonnte Fusion unterschiedlichster Rock-Spielarten und Matthew Bellamys sanfte aber packende Stimme – all diese Merkmale blitzen in diesem Song über Einsamkeit, Isolation und Unzugänglichkeit bereits auf. Visuell untermalt wird das ganze durch Szenen aus einer auf den ersten Blick perfekt erscheinenden, sonnigen Vorstadt. Doch hinter den scheinbar zufriedenen Fassaden der hier lebenden Menschen lauern tiefste Trostlosigkeit und unendlicher Schmerz. Und so wird der Rest des Videos weinend verbracht – beim Cornflakes essen, beim Zähneputzen, unter der Dusche, beim Friseur, auf dem Asphalt liegend. Ein in Erinnerung bleibendes, verstörendes Video, das aber auch für den einen oder anderen Lacher gut ist!

Janis Joplin - Cry Baby

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Die 60er waren neben diversen sozialen wie kulturellen Revolutionen auch eine Zeit, in der ihre größten Künstler viel zu schnell vom Antlitz der Welt verschwanden. Dabei spielten einschlägige Genussmittel und bewusstseinserweiternde Präparate eine nicht unerhebliche Rolle. Die wohl eindrucksvollste weibliche Stimme jener Zeit gehörte Janis Joplin, die mit ihrer Kraft und Soul-Färbung alle an die Wand singen konnte und für Gänsehaut sorgte. Dabei sah man ihr das Wahnsinns Organ nicht an, doch in dieser zierlichen Person steckte sie, rau und wild. Leider hatte sie auch ein gewisses Faible für den harten Alkohol, der ihr schließlich auch das verfrühte Ableben einbrachte. Allein dies würde ausreichen, um in Tränen auszubrechen, wenn sie uns nicht noch so leidenschaftlich darum bitten würde. Wie eine Flehende schreit sie ihr „Cry Baby“ ins Mikro, als müsste sie alles aus ihrem Inneren herauspressen bis zur Ektase. Die reine Entfesselung tiefster Gefühle in brachialer Stimmengewalt.

Elvis Presley – I’m so lonesome I could cry

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Der „King of Rock ’n’ Roll“, Elvis Presley, zählt bis heute zu den charismatischsten Persönlichkeiten weltweit - denn wer kann sonst noch von sich behaupten mit einem einzigen Augenzwinkern ganze Frauenscharen zum Umfallen zu bringen. Zudem prägte er in seinen feschen Anzügen sowohl die Menschen als auch die Musikgeschichte über Generationen hinweg und wird so auf ewig im Musikolymp für uns weiterleben. Allerdings wollen wir nicht hoffen, dass er dort den Song “ I’m so lonesome I could cry”, welcher im Original vom 50er-Jahre Country-Star Hank Williams stammt und eine Anti-Hommage an die Einsamkeit ist, erneut singen muss! Aber für unser irdisches Vergnügen, ist das aus Elvis Munde zutiefst anrührend klingende Lied ein Ohren- und in dieser Live-Version sogar ein Augenschmaus mit Rätselspaß!

Sinead O’Connor – Nothing Compares to You

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Selten fiel es schwerer zu entscheiden, warum man eine Künstlerin im Gedächtnis behalten sollte. Neben ihrer traumhaft kräftigen wie dunklen Stimme verdiente sie sich den Respekt der Kritiker und durch den eindrucksvoll frisierten Kopf blieb sie im Gedächtnis vieler. Dazu noch einen Song, der scheinbar für die Ewigkeit geschrieben und produziert wurde: „Nothing compares to you“ ist die wunderbare Symbiose aus dezenter musikalischer Begleitung und einer raumfüllenden Stimme, die all die Sehnsucht und den Schmerz binden kann. Und dann ihre dunklen Augen, wie sie den Blick in die Kamera kaum halten können und sich die ganze Intensität der Gefühle vor einem ausbreitet, möchte man sich einfach zu ihr gesellen und mit einem Taschentuch diesen „Fool“ verteufeln. Eben auch dieses Video mit seinem strengen Blick auf Sinead O´Connor sorgt für die herzzerreißende Wirkung dieser tief emotionalen Ballade und verschaffte ihr Weltruhm. Leider blieb er auch ihr größter und einziger Hit, obwohl sie mehrere Platten herausbrachte und sich für andere Projekte als Gastsängerin gewinnen ließ, bleibt der bezaubernde ‚Glatzkopf‘ doch immer die zerbrechliche Figur mit der gewaltigen Stimme.

Solomon Burke – Cry to me

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Ein Text, der zum Weinen auffordert, aber ein Sound, der nach einem engumschlungenen Tänzchen verlangt – diese Inkongruenz ist die große Stärke von Solomon Burkes 1962 erschienenem Song „Cry to me“. Den meisten von uns dürfte die Nummer übers Alleinsein aus Dirty Dancing bekannt sein, als Hintergrundmusik in einer Schlüssel-Tanzszene von Johnny und Baby. Aber Soul-, R&B- und Blues-Legende Solomon Burke kann selbstverständlich auf eine weiter zurückreichende Karriere und Wirkung zurückblicken. So beeinflusste er unter anderem Mick Jagger, der ein paar Jahre später mit den Rolling Stones eine Balladen-Version dieses Songs rausbrachte, weitere Cover-Versionen folgten, aber keine ist wirklich so soulig und kraftvoll wie das Original und Burkes Stimme, wenn es heißt: „Nothing can be sadder than a glass of wine alone, / Loneliness, loneliness, such a waste of time…“ – eine gut begründete Aufforderung zum Heulen, der wir vielleicht nicht unbedingt nachkommen, aber gerne lauschen!

Katie Melua – I cried for you

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Die aus Georgien stammende britische Sängerin Katie Melua sieht nicht nur engelshaft aus, sie hat auch eine ebensolche Stimme: Klar, sanft, hell und einfach zum Hinfortschweben. Leider singt sie zu gerne langsame und melancholische Songs, die ihrem Stimmpotenzial nicht gerecht zu werden scheinen. Doch nichtsdestotrotz, in unser ‚Tal der Tränen‘ passt sie dadurch ganz vortrefflich, denn ihr Repertoire an Gefühlschaos-Liedchen ist absolut ausreichend für schwermütige und/oder tränenreiche Herzschmerzabende. In der 2005 veröffentlichten Singleauskopplung “I cried for you“ aus dem Album Piece by Piece haucht sie beispielsweise dem Ende einer großen Liebe Bedeutung ein, die aufgrund unterschiedlicher Lebensvorstellungen zerbrach und beim Gedanken an die gemeinsame Zeit stets feuchte Augen verursacht. Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet oder einfach nur bei einer wunderschönen Stimme verträumt dreinschauen möchte, dem ist dieser Song und generell Katie Melua nur zu empfehlen.

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