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20. Aug 10: Horrorgestalten | culturshock-Team

Schon letzte Woche haben wir Euch das Fürchten mit einer Auswahl an Schlagerverbrechen gelehrt, aber anlässlich des Beginns des Fantasy Filmfestes wollen wir Euch auch an diesem Freitag mit schrecklich-schönen Musikvideos anderer Art versorgen. Zu gerne greifen namhafte Musiker doch zu beliebten Horrorgestalten, unheimlichen Fabelwesen oder auch dem gezeichneten Grauen, um ihre Songs visuell zu untermalen. Besonders interessant ist dabei, wie in den Videos zu unterschiedlichsten Mitteln gegriffen wird, um beim Betrachter Unbehaglichkeit zu erzeugen: Die einen setzen auf viel Blut und Splatter-Effekte (ein schnurgerader Weg zur Zensur im Fall der Ärzte), während ein Künstler wie Marilyn Manson mit aufwendigen Kostümierungen und gelungenem Make Up Figuren verkörpert, die uns hoffentlich nie in Alpträumen begegnen werden. Und wieder andere wie die Band The Cooper Temple Clause nehmen sich Zeit für subtilen Spannungsaufbau, der schließlich in ein fulminantes Finale mündet. Ja, es gibt zahlreiche Wege, über das Musikvideo Angst und Schrecken zu verbreiten, sechs davon stellen wir euch in dieser Woche vor:

Die Ärzte – Junge (unzensiert)

Flash is required!
Der Songtext von “Junge“ beschreibt ein Grauen, das den meisten von uns bekannt sein dürfte: das ständige Genörgel der Eltern, wenn es um den eigenen Lebenswandel und sichere Zukunftsperspektiven geht. Umso lustiger der Effekt, wenn die Worte der Eltern im Video zu “Junge“ auf Bilder eines Zombie-Massakers treffen, das dem Durchschnittsjugendlichen aus zahlreichen Splatterfilmen bekannt vorkommen dürfte. Ein blutiges Szenario wird uns hier präsentiert, in dessen Mitte sich das teuflische Trio der Ärzte als vermutlich letzte Überlebende gegen die immer näher rückenden Hirnfresser zur Wehr setzen. Ob es eine metaphorische Anspielung auf das trostlose Erwachsenendasein ist, das sich ihrer bemächtigen will? Egal, bei den herumspritzenden Gedärmen und rausgerissenen Herzen zählt nur der Spaß beim Zuschauen!

The Cure - Lullaby

Flash is required!
Ja, es wirkt etwas Barock und kitschig, aber so ist das eben mit waren Klassikern, auch wenn sich heute mit solch leichten Gruselmotiven niemand mehr hinterm Ofen vorlocken lässt. Mit ihrem Video zu “Lullaby“ versprühen The Cure ein wenig die morbide Stimmung eines Vampir-Films gepaart mit kindlichen Alpträumen, berühren damit aber durchaus die grundlegenden Ängste eines jeden irgendwann in seinem Leben, vor der großen dunklen Nacht und dem, was neben, unter oder um das gruselige Bett lauert. Zusammen mit der großartig monoton vom Synthie-Leierkasten ausbreitenden Musik wirkt das Video wie eine sich zur Unendlichkeit steigernde Spannung, die einen guten Horrorfilm kaum besser aufbauen kann.

Marilyn Manson - The Nobodies

Flash is required!
Provokant und furchteinflößend angemalt, so kennen wir Marilyn Manson alias Brian Hugh Warner. Die meisten Musikvideos der Band zeichnen sich durch ebenso kreative Düsternis aus, weshalb zumindest ein Beispiel in unserem Horrortape nicht fehlen darf. Die Singleauskopplung “The Nobodies“ vom vierten Album Holy Wood (2000), welches vom Schulmassaker in Littleton (20.04.1999) inspiriert wurde, nicht zuletzt aufgrund der Anschuldigung, die Amokläufer seien wiederum von Mansons Musik animiert worden, greift einen denkbaren psychologischen Grund für die Tat auf: „Yesterday I was dirty / Wanted to be pretty / I know now that I’m forever dirt / We are the Nobodies / Wanna be Somebodies“. Dargestellt wird das Ganze dann innerhalb einer interessant finsteren Kulisse und einem teuflischen Marilyn, der als Elternteil die Kinder verkorkst und dem konservativen ‚Vorstadt-American-Way of Life‘ einen Seitenhieb verpasst.

The Cooper Temple Clause – Blind Pilots

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Ja, so ein Junggesellen-Abschied ist doch etwas Feines: Die Kumpanen holen den angehenden Bräutigam ab, tanken ihn mit Alkohol voll, schleppen ihn in Spielhöllen und Strip-Clubs und stoßen auf das Ende des Single-Daseins an. Was nur, wenn sich der Gefeierte irgendwie verändert, unvermutet aggressiv in dieser Nacht wird und ihm plötzlich Hörner wachsen? So wandelt sich der Spaß zu absoluter Zügellosigkeit, und die glückliche Braut wird ihren Angebeteten wohl nicht so schnell wiedersehen… Ein stimmungsvolles Video zu einem wunderschönen Song von The Cooper Temple Clause über das allmähliche Zerbröckeln einer Beziehung.

Pink Floyd - The Trial

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”The Trial” ist eine Singleauskopplung des Konzept-Doppelalbums The Wall (1979), welches die Geschichte eines emotional gestörten Mannes namens Pink erzählt, der aufgrund der gluckenhaften, dominanten Mutter, dem Tod des Vaters und diverser Kindheitstraumata, Angst vor Gefühlen hat, diese durch eine innere Mauer versucht zu unterdrücken und an der daraufhin folgenden Einsamkeit und den begangenen Taten als emotionsloser Mitläufer und Faschist zerbricht. In dem Song ”The Trial” klagt sich die Hauptfigur selbst an, weil er trotzallem doch Gefühle hat und sie in schwachen Momenten auch zeigt. Dieser imaginäre Gerichtsprozess, der sein ganzes erbärmliches Leben durchläuft, wird zwar ‚nur‘ als Zeichentrickfilm dargestellt, wirkt aber dank grotesker, obszöner oder einfach nur ekeliger Fratzen, Gestalten und Auswucherungen, sehr alptraumhaft. Da verwundert es kaum, dass aus einem unschuldigen Kind ein emotionaler Krüppel geworden ist, wenn es tatsächlich die Welt und die Menschen mit Pinks Augen sieht. Was der Urteilsspruch dann wohl bewirken mag? Seht und hört es euch an!

Aphex Twin – Come to Daddy

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Eigentlich bedarf dieses Video zu dem Song “Come to Daddy“ keines weiteren Kommentars, denn wer das Video gesehen hat, bekommt eine sehr konkrete Vorstellung, was Grusel wirklich bedeutet. Unterstützt vom preisgekrönten Regisseur Chris Cummingham mutiert die allein schon verstörende Musik von Aphex Twin zur Bild gewordenen Horrorvision. Wildes Flimmern, geschrammelte Musik, grässliche Fratzen und pittoreske Kulissen sind das Material, aus dem auch heute noch gute Horror- und Splatter-Schocker gemacht werden und hier eine wohl nie mehr erreichbare Symbiose verkörpern, die in nur fünf Minuten großes Gänsehaut-Gefühl erzeugt.

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