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22. Oct 10: Herbstblues | culturshock-Team

Ja, wir wissen, das Thema Wetter ist bei uns überpräsent, aber Petrus meint es einfach nicht gut in diesen und vergangen Tagen. Viel zu verfrüht erstrecken sich die dunklen Regenwolken gepaart mit eisigem Wind über die Köpfe der meisten Erdlinge. Es ist nichts zu spüren vom ‚Goldenen Herbst‘, sondern nur von einem ganz besonderen Zustand: Dem Herbstblues, in seiner ganzen melancholischen Herrlichkeit! Die Folgen: Tee statt Cocktail, Thermounterwäsche statt sexy Dessous und begossene Pudel vor der Disco. Passend zur schwermütigen Grundstimmung, die vor allem den ersten Schritt aus dem kuscheligen, warmen Bett am Morgen zur Qual werden lässt, präsentieren wir euch unser Herbstblues-culturtape, das zwar jeden Gang ins Irgendwo nicht gerade erleichtert, aber zumindest musikalisch in fantastisch-traurige Sphären abheben lässt. Und wer weiß, vielleicht geht es dem Einen oder Anderen nach dieser melancholischen Überdosis wieder ganz vortrefflich!

Sigur Rós – Olsen Olsen

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Elfenhaft und mystisch geht es zu, wenn Sigur Rós uns in ihre nordische Welt entführen. Gleich einem Spaziergang durch einen nebelverhangenen Wald setzen die Streicher an und bereiten den instrumentalen Teppich, auf dem Sänger Jón Pór „Jónsi“ Birgisson mit seiner engelgleichen Stimme wandelt. In einer infernalen Schwere steigern sich Band und Sänger immer weiter, bis es fast nicht mehr zum Aushalten ist. Diese Musik weckt versteckte Emotionen, die es einem schwer ums Herz und Gemüt werden lassen. So melancholisch schön, dass die gespenstische Umgebung des Herbstes geradezu märchenhaft wird.

Moby – Why Does My Heart Feel So Bad?

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Gerade an Tagen wie diesen, wo sich das Tageslicht kaum mehr durch die dicken, grauen Wolken zu kämpfen vermag, liegt ein schwerer Schleier auf unseren Gemütern. Herz und Seele sind für Euphorie weitaus weniger empfänglich als es im Frühling oder Sommer der Fall ist. Zwar ist zu bezweifeln, ob Moby mit seinem herzzerreißenden „Why Does My Heart Feel So Bad?“ im herbstlichen Dünkel war, aber erfasst er die Stimmung perfekt. Das schwere Klavier und die dunkle und traurige Soulstimme entschweben im hymnischen Backgroundgesang und doch bleibt die Frage nach dem Warum entsetzlich schwer im Raum. Großartig simpel und tief melancholisch.

Nick Cave & The Bad Seeds – Fifteen Feet of Pure White Snow

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Kälte, Isolation, Einsamkeit – das sind Themen, mit denen sich Nick Cave in seinen Songs vorzugsweise auseinandersetzt. „Fifteen Feet of Pure White Snow“ aus dem Jahr 2001 beschreibt solche Zustände wohl am deutlichsten, vor allem durch die starke Bildsprache. Im wörtlichen Sinne präsentiert uns Cave eine seltsame Erzählung darüber, dass Mona und Mary ohne Handschuhe in den viereinhalb Meter hoch stehenden Schnee hinausgerannt sind, und Michael, Matthew und Mark auch vermisst werden. Aber schnell wird deutlich, dass die Schneemassen, die die hier aufgeführten Menschen voneinander isolieren, Jahreszeiten-unabhängig sind, ebenso wie die Kälte und die Angst nicht an den Zustand des Verschüttet-Seins gebunden sind. Starke Metaphern für eine unschöne Zeit, gebündelt in einen wunderschönen düsteren Song, der gelegentlich ins Schwarze trifft.

Snow Patrol – Run

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Snow Patrol, die britische Rockband, welche 1994 unter dem Namen Polarbear das Licht der Musikwelt erblickte, schaffte mit ihrem dritten Album „Final Straw“ im Jahre 2004 ihren internationalen Durchbruch und beschenkte uns innerhalb dessen mit einer ganz besonderen Singleauskopplung: „Run“, das herzzerreißend schöne, traurig klingende und Bauchkribbeln verursachende Liedchen über die Notwendigkeit und gleichzeitig Schwierigkeit, einen wie auch immer gearteten Abschnitt im Leben hinter sich zu lassen. Der Gesang von Gary Lightbody potenziert dabei den ohnehin schon wenig erheiternden Text mit einer leidvoll klingenden Stimme, in Kombination mit der schwermütigen instrumentalen Begleitung. Ein ebenso bedrückender, wie fantastischer Song!

I am Kloot – From Your Favourite Sky

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Die Zeit der kurzen und grauen Tage ist ideal, um sich in Sehnsucht und Melancholie zu winden. Dazu braucht es große Musik mit epischem Klang für die innere Wärme. I am Kloot haben dafür den geeigneten Sound aus Gitarre und den großen Arrangements, auf denen dann Sänger John Bramwell mit seiner gefühlvollen Stimme energisch voranschreitet. Mit „From Your Favourite Sky“ schufen die drei Engländer eine Hymne gegen das Verzagen.

Beck – Everybody’s Got to Learn Sometime

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Michel Gondrys einzigartiger Liebesfilm Vergissmeinnicht (Orig.: Eternal Sunshine oft he Spotless Mind) über zwei Liebende, die sich trennen und unabhängig voneinander eine Klinik damit beauftragen, die gemeinsamen Erinnerungen auszulöschen, sich hinterher aber doch über den Weg laufen und erneut ineinander verlieben, sollte man gesehen haben. Dem Soundtrack steuerte US-Musiker Beck ein sehr melancholisches Cover des bekannten Songs „Everybody’s Got to Learn Sometime“ von The Korgis bei. Trotz Kate Winslets und Jim Carreys Herumgetobe im dichten Schneegestöber wird einem da schnell warm ums geschundene Herz.

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