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culturtape

11. Feb 11: Haircrimes! | culturshock-Team

Man kann noch so gefasst sein, in sich ruhen und denken, man hätte doch schon die grauenhaftesten Exemplare gesehen. Dennoch wird man beim harmlosen Spaziergang, beim Blick in alte Fotoalben und vor allem beim Anschauen ausgewählter Musikvideos immer wieder eines Besseren belehrt: Haarverbrechen, diese tatsächlich von Menschenhand verübten, verachtenswerten Taten, lauern überall! Kein Wunder, dass sich viele Musiker dem Thema Haar im Allgemeinen und der Haarschändung im Speziellen allzu gerne widmen. Da wird das Haar mitunter zum Symbol für die Auflehnung einer ganzen Generation, die versaute Frisur der Liebsten zum Mordmotiv und eine Vision vom Haarschnitt des Teufels zur Inspirationsquelle. Und dann gibt es da noch die mutigen Musiker, die der Haarpracht zwar keinen einzigen Song gewidmet, aber sich aufopfernd darum bemüht haben, abschreckende Beispiele an der eigenen Mähne darzustellen. Dafür möchten wir ihnen danken, mit einem culturtape zur Prävention von Gewalt an Haaren. Danach werdet ihr das Wort „Bad Hair Day“ wohl nicht mehr so häufig gebrauchen…

Bon Jovi – Living on a Prayer

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Mit dem Album Slippery when wet gelang der amerikanischen Band Bon Jovi 1986 der große Durchbruch und die vier Jungs aus New Jersey schossen an die Spitze des sogenannten Glam Metal: ein Sub-Genre des Hard Rock, das aufgrund der ins Auge stechenden Zottelmähnen seiner prägnantesten Vertreter, abfällig als „Hair Metal“ oder gar „Hairspray Rock“ bezeichnet wurde. Nun kann man diese Assoziation eines bestimmten Haarlooks mit einer ganzen Musikrichtung ein wenig übertrieben finden – bis man sich das Video zur übermäßig erfolgreichen Single „Living on a Prayer“ von Bon Jovi anschaut. Enge Stretchröhren, Stiefel mit gewagter Absatzhöhe, Lederjacken mit Fransen und hier und da ein bisschen Glitzer – das ist schon starker Tobak. Wär aber alles zu verkraften, wenn nicht diese unglaublich fluffigen, vom Scheinwerferlicht sanft umspielten, bei jeder Bewegung passioniert mitschwingenden Matten auf den Köpfen der Band wären. Heutzutage mag es kaum jemand zugeben, aber: Neben Fassungslosigkeit, Irritation und Unverständnis empfindet man doch auch ein klein wenig Faszination für diesen Mut zur Haarpracht gegen alle Regeln des guten Geschmacks, oder?

Die Ärzte – Mein Baby war beim Frisör

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Die Ärzte haben seit den frühen 80er Jahren mit ihren zahlreichen provokanten, ironischen, kritischen sowie schmusigen Songs schon vielen Menschen aus der Seele gesungen und für nahezu alle Lebenslagen die passende Punkrock-Antwort parat. Man denke beispielsweise an „Schrei nach Liebe“, „Friedenspanzer“, „Ein Schwein namens Mann“, „Dinge von denen“, „Junge“ und das lustige, wenn auch etwas drastische Lied „Mein Baby war beim Frisör“. Denn so gut der Unmut unserer Herren der Schöpfung über eine missglückte Frisur der Angebeteten nachvollziehbar ist, erscheint die Reaktion der Ärzte doch leicht überzogen – nun zumindest was das Zielobjekt betrifft… Aber Spaß beiseite! Liebe Männer lasst euch beruhigen, das Gestrüpp wächst wieder nach und wenn der Ekel die Geduld überrennt, lohnt sich der Blick zu den hübschen Töchtern anderer Mütter. Doch vergesst nicht das Friseurverbot einzuführen!

Culture Club – Karma Chameleon

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Ach, was waren die 80er für eine experimentierfreudige Zeit. Wüste Modeverbrechen wurden nur noch von nicht minder verwegenen Frisuren getoppt, für die sich heute jeder schämt. Scheinbar war es Boy George derart peinlich, was da seinen Kopf zierte, dass er sich heute für den Kahlkopf entschieden hat, um jedweder Versuchung für opulenten Haarzierrat aus dem Weg zu gehen. In „Karma Chameleon” verschmelzen Rastas mit seltsam anmutendem Bastelzubehör zu einer Kreation, für die man sich nur noch fremdschämen kann. Mit diesem Song feierten Culture Club einen ihrer größten Erfolge. Doch ihre Bekanntheit verdanken sie ausgerechnet ihrem schrillen Frontmann Boy George und seinem, sagen wir, exzentrischen Stil!

Pur – Abenteuerland

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Wie hartnäckig die Geschmacksverirrung der 80er Jahre war, beweist uns eindrucksvoll der Sänger der deutschen Pop-Band Pur, Hartmut Engler, samt Bandkollegen in dem Musikvideo zur 1995 veröffentlichten Single „Abenteuerland“: Voller Überzeugung trägt er den Vokuhila alias „Business in the Front, Party in the Back“. Allerdings nicht die gewöhnliche Variante, sondern die hinten blondierte! Tja, da bekommen die Songverse gleich eine vollkommen andere Bedeutung… In diesem Sinne: „Komm mit mir ins Abenteuerland / Der Eintritt kostet den Verstand / … / Die Armee der Zeigefinger brüllt: ‚Du spinnst!‘“

Beck – Devil’s Haircut

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Manch ein Haarschnitt mutet wahrlich wie ein schweres Verbrechen an, hinter dem nur Beelzebub stecken kann. Ähnliche Erfahrung scheint Beck gesammelt zu haben, wenn er „Got a devil´s haircut in my mind“ fast schon schulterzuckend daher singt. Doch scheint ihm dieser geistige Teufels-Haarschnitt eine wahrlich tiefrührende Verwirrung eingebracht zu haben, denn sonst wäre dieser recht zusammenhangslose Wortschwall nicht erklärbar. Dazu kredenzt er eine nicht minder psychotische Untermalung, lässt aber durchblicken, der Rock’n‘Roll wird es schon erklären. Nun ja, wir warten mal darauf und hoffen flehentlich von solchen Haarschnitten verschont zu bleiben.

Hair – Hair

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Mit dem Broadway Musical Hair wurde 1968 der friedlichen Hippie-Bewegung ein massenkompatibles Denkmal gesetzt. Im gleichnamigen Song des Musicals und der Film-Adaption aus den Jahr 1979 wird das Lebensgefühl dieser Generation anhand ihres auffälligsten äußerlichen Merkmals vermittelt: die langen, wilden, widerspenstigen Walle-Mähnen, die von einer Abkehr von gesellschaftlichen Normen und einer Hinwendung zum Natürlichen, Ungezähmten zeugten. „Hair“ ist und bleibt eine Hymne für alle, die nichts von Anpassung und strengen Frisuren halten. Und noch dazu ein Lied, das deutlich macht, was man mit seinem Haar alles anstellen kann: „I want it long, straight, curly, fuzzy / Snaggy, shaggy, ratty, matty / Oily, greasy, fleecy / Shining, gleaming, streaming / Flaxen, waxen / Knotted, polka-dotted / Twisted, beaded, braided / Powdered, flowered, and confettied / Bangled, tangled, spangled, and spaghettied!”

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