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16. Jul 10: Crossover-Cover | culturshock-Team

Es gibt Klassiker der Musik, die man nur ein paar Sekunden hören muss, um sie sofort mit einer bestimmten Band oder Künstler zu verbinden. Doch dann der Schock: Eine andere Stimme und auch noch ganz anders arrangiert und doch, es muss doch dieser Song von jener Band sein. Und wir täuschen uns nicht, denn Coverversionen sind ja nun beileibe keine Seltenheit. Bisweilen werden sie aber derart neuartig eingespielt, dass man meinen könnte, hier einen ganz anderen Song zu hören. So werden aus wildem Grunge oder schmissigem Brit-Pop ganz sanfte Balladen, oder aus Klassikern der filmischen Musikgeschichte der 30er Jahre hawaiianische Gelassenheit, die ganz unbeschwert wirkt. Wir haben daher eine kleine Auswahl an Coverversionen von unlängst zu Klassikern gewordenen Songs ausgewählt, die eine Wandlung durchlaufen haben und mit dem Original eigentlich kaum noch etwas zu tun haben durch den konsequenten Wechsel des Genres.

Tori Amos - Smells like Teen Spirit (Nirvana)

Flash is required!
Eigentlich von Nirvana aus tiefster Seele im Stil des aufkeimenden Grunge dahin geschlunzt und geschrien, als Statement einer neuen Jugendkultur, die die Alten schon wieder nicht verstehen, vermag es Tori Amos aus „Smells like Teen Spirit“ eine wunderschöne Ballade zu schaffen. Damit verwandelt sie den progressiven Schmerz des Originals in eine aus heutiger Sicht wohl mehr passende Wehmut. Statt Headbangen wiegen wir uns nun zur kraftvoll sanften Stimme von Tori Amos und schwelgen zurück in die Zeit der zerschlissenen Jeans und Holzfäller-Hemden.

The Baseballs – Umbrella (Rihanna)

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2007 war ein hartes Jahr für Ohrwurm-anfällige Ohren: Rihannas „Umbrella“ wurde zum weltweiten Erfolg und hielt sich in den deutschen Charts wochenlang auf dem ersten Platz. Es gab kein Entkommen, überall wurde der von Jay-Z produzierte Song rauf- und runtergedudelt und das hartnäckige „ella-ella-eh-eh“ lag uns tagelang in den Ohren. Niemals hätte man gedacht, dass man sich eines Tages einer Coverversion dieses Liedes freiwillig ausliefern würde. Doch die Rock’N’Roll-Version der Baseballs fällt so konträr und eigenwillig aus, dass man sogar über den gescheiterten Band-internen Schmalzlocken-Contest gerne hinwegsieht.

Ryan Adams - Wonderwall (Oasis)

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Mit „Wonderwall“ hatten seiner Zeit Oasis ihren großen Durchbruch und die große Ära des Brit-Pops neue Helden. Später waren sie zwar mehr durch ihre Pöbeleien und Kleinkriege der Brüder Gallagher im Gerede, bleibt doch dieser grandiose Song, dem sich Ryan Adams angenommen hat und kurzerhand eine vor Tiefe und Melancholie strotzende Ballade zum Dahinschmachten dabei herauskam. E-Gitarren raus, Tempo weg und fast die reine Wirkung der Stimme erzeugen diese Stimmung, die wir so von Ryan Adams auch noch nicht kannten.

Guano Apes – Big in Japan (Alphaville)

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“Big in Japan“ gehört zu den Songs, die gleich mit zwei bekannten Bands verbunden wird. Den Oldie-Fans unter uns springt bestimmt die Schmoll-Lippe Marian Gold vor das geistige Auge, der sich samt 80er Jahre Band Alphaville als ‚Vater‘ des Titels nennen darf. “Big in Japan“ war Alphavilles erste und gleichzeitig erfolgreichste Singleauskopplung, die dem feschen Trio weltweiten Ruhm bescherte. Doch auch der mittlerweile wiedervereinigten Rockband Guano Apes verpasste das Lied einen gehörigen Schub nach oben auf der Ruhmesleiter. Denn sie verwandelten den etwas theatralisch klingenden Synthie-Pop-Song über das Betrogen werden, in eine rasende Pogo-Nummer, die dank der Powerstimme von Frontfrau Sandra Nasic, allen ‚Betrügern‘ das Fürchten lehrt.

Israel Kamakawiwo'ole – Somewhere over the Rainbow (July Garland)

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Passender kann ein Song gar nicht zu dem derzeitigen Wetter passen, wenn Ukulele und hawaiianische Leichtigkeit ein so schönes Stück Musikgeschichte treffen. Sicherlich wirkt es etwas albern, wenn ein über 200 Kilo-Mann dieses winzige Instrument spielt, aber diese Stimme dazu! Israel Kamakawiwo´ole verwandelt July Garlands Klassiker „Somewhere over the Rainbow“ aus Der Zauberer von Oz zu einem Stück, zu dem man morgens erwachen will und weiß, alles wird gut. Lassen wir uns also entführen, weit über den Horizont und den Regenbogen hinweg.

Richard Cheese – Down with the Sickness (Disturbed)

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„Lounge Against The Machine”, „I’d like a Virgin” oder „Aperitif for Destruction” heißen die Alben von Richard Cheese und verdeutlichen dabei seine besondere Cover-Programmatik: Man nehme entweder einen lyrisch und melodisch etwas beschränkteren Popsong oder – wie in diesem Falle – einen vor Aggressionen und heftigen Gewaltausbrüchen strotzenden Song wie „Down with the Sickness“ der Nu Metal-Gruppe Disturbed und mache daraus eine beschwingte, jazzige Big Band-Nummer. Wie witzig und zugleich anmutig das wirken kann, zeigt sich spätestens bei der Todesdrohung („Get ready to die!“) am Ende des Stücks.

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