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19. Nov 10: Cartoon-Tape | culturshock-Team

So breit gefächert wie die Musik ist auch die Art und Weise, diese visuell umzusetzen. Mit dem aufkeimenden Musikfernsehen nach der Gründung von MTV Ende der 80er wurde es dann schließlich unerlässlich, auch auf der Mattscheibe dem Sound eine unverkennbare Note zu verleihen. So wurden irgendwann schließlich Unsummen aufgewendet, um Künstler und Musik ins rechte Licht zu setzen, grandiose Sets erschaffen und immer originellere Stories entwickelt, die alsbald schon Techniken des großen Kinos aufnahmen. Doch wollen wir uns in diesem culturtape einer etwas subtileren Variante widmen: dem Zeichentrick oder auch Cartoon. Eine für Musikvideos nicht sehr häufig angewandte Technik, doch nicht minder beeindruckend, da bisweilen mehr Phantasie waltet. Daher haben wir euch ein buntes Tape mit ganz unterschiedlichen Stilen des Zeichentricks zusammengeschnürt, das nebenbei auch eine ganz farbenfrohe Auswahl in der Musik wiederspiegelt. Wir wünschen gute Unterhaltung und entspanntes Cartoon-Schauen, nicht nur für den Samstagmorgen in der Kinderzeit!

Bloc Party – Pioneers

Flash is required!
Von der Bühne durch die Knarre in eine andere Galaxie – In ihrem Musikvideo zur Single „Pioneers“ transportieren sich die Zeichentrick-Pendants der Bloc Party-Bandmitglieder in ein fantastisches Abenteuer als Pioniere, die das schier Unvorstellbare erleben dürfen, selbstverständlich in positiver Hinsicht. Denn sie singen dem grauen Alltag entgegen, der schnell zur trägen Festung mutieren kann, und zeigen auf diese expressive Bleistiftweise, dass das ganze Leben ein Abenteuer bleiben kann und viele Dinge noch entdeckt werden wollen. Ein Lied und Video zum Hinfortschweben!

Wir sind Helden – Von hier an blind

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2005, zwei Jahre nach ihrem Durchbruch brachten Wir sind Helden mit „Von hier an blind“ das von jungen Künstlern stets gefürchtete zweite Studioalbum raus. Schließlich geht es beim zweiten Album nicht nur darum, die Poleposition zu verteidigen, sondern auch nicht allzu viele Fans vor den Kopf zu stoßen. Natürlich gab es hier und da Unkenrufe und das seit Entstehen der Popmusik bekannte „Also auf dem ersten Album war alles besser“ wurde angestimmt, aber in der finalen Gesamtbetrachtung haben die Helden es geschafft, sich mit dem Nachfolgewerk treu zu bleiben und dennoch weiterzuentwickeln. Und mit der dritten titelgebenden Singleauskopplung „Von hier an blind“ haben sie sich noch mit einem stilistisch sehr an Tim & Struppi angelehnten Video belohnt, in denen sie als Zeichentrick-Figuren dem roten Faden durch steinige Höhen und Tiefen folgen müssen.

Linkin Park – Breaking the Habit

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Das eigene Ich als Abstraktum, unfassbar für andere und erst recht für sich selbst – wie nun das Innere greifbar machen und wieder einen Schritt nach vorne gehen? Linkin Park thematisieren dieses beklemmende Gefühl in ihrem Song „Breaking The Habit“, schreien es zum Teil hinaus und visualisieren es innerhalb eines nicht weniger bedrückenden Musikvideos in Form eines Thriller-Animes: Eine Leiche, dubiose sowie verängstigte Gestalten und leere Augen inmitten einer kalten Stadt. Ein aufreibendes Stück zum Sinnieren oder einfach nur Abtanzen.

UNKLE – Eye for an Eye

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Ganz untrüglich in stiller wie friedlicher Harmonie schwelgen, tanzen, frohlocken die seltsam unförmigen Figuren vor unseren Augen in einer Landschaft, gleich dem Garten Eden, bis diese heile Welt heimgesucht wird. Heimtückisch werden die unschuldigen Wesen verführt und ernten dafür grausame Qualen. Ein fast schon apokalyptisches Video im possierlichen Zeichentrick untermalen UNKLE mit ihrem sanften, aber dennoch unheilverkündenden Sound zu „Eye for an Eye“. Dahinter verbirgt sich neben Mastermind James Lavelle eine Heeresschar an Künstlern in wechselnder Besetzung (wie der Graffiti-Künstler Futura 2000), die neben der musikalischen Vielfalt auch für die visuelle Unterstützung und Besonderheit von UNKLE beitragen.

Radiohead – 2 + 2 = 5

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Einfach und eingängig war nie der Stil und der Weg von Radiohead, was ihnen einen ganz markanten Sound verlieh und sie heute zu einer Legende bei den ewig Unangepassten macht. Aus der Mischung von Melancholie und tief politischen Anklagen gegen den Mainstream erwuchs ihr Status, die außergewöhnliche Stimme und der Habitus von Thom Yorke machte sie unverkennbar und die krude Mischung der oft ekstatisch auslautenden Musik ist ihr Markenzeichen. In „2+2=5“ vereint sich alles und gewinnt durch sein ungewöhnliches Video noch an Intensität. Die anfänglich simplen Strichzeichnungen steigern sich mit der aufwallenden Musik zu absurden wie gleichermaßen kritischen Metaphern gegen eine sich in fast schon perverser Manier beutelnden Gesellschaft. Eine perfekte Symbiose zwischen Musik, Text und Bildgewalt!

Prince – Cinnamon Girl

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Ein Grenzgang war Prince‘ 2004 erschienener Song „Cinnamon Girl“ gleich in mehrfacher Weise: Zum einen setzten sich Text und Video mit den Anfeindungen gegen arabisch-stämmige Menschen in den USA in den Jahren nach dem 11. September auseinander, was zu einer kleinen Kontroverse führte. Zum anderen bewegt sich die Handlung des gelungenen Musikclips an der Grenze zwischen Traum und Realität entlang, was visuell durch die Vermischung von filmischen und gezeichneten Elementen noch aufgegriffen wird: Mal erscheint „Cinnamon Girl“ als grandios gezeichneter Comic, dann wieder als Film mit stark erhöhten Kontrasten. Welcher visuellen Sparte man das Video auch immer zuordnen will: Es ist die perfekte Widerspiegelung der Sehnsucht nach einem Leben jenseits von „Colour Lines“!

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