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30. Apr 10: Holt die roten Nelken, es ist 1. Mai! | culturshock-Team

Es ist mal wieder soweit. Die Berliner zittern um ihre schönen Autos und der Staat wird wohl wieder die ganze Bandbreite des langen Armes des Gesetzes aufbieten, um die Scharade der Macht aufrecht zu erhalten. Dabei geht bisweilen verloren, dass wir an diesem Tag nicht nur fröhliche Straßenschlachten allerorts feiern, sondern eigentlich hier dem sozialistischen Gedanken der klassenlosen Gesellschaft mit ihrem vermeintlich vormals schwächsten Glied, dem Arbeiter, Ehre und Anerkennung gezollt werden soll. Früher wurde dazu noch fröhlich die „Internationale“ geträllert und monströse rote Fahnen in den Straßen geschwenkt. Der Zeitgeist heute ist weit davon abgerückt: Statt Fahnen zu schwenken, wirft man heute lieber Steine und Molotowcocktails, statt Hymnen schmettert es Punk und die Arbeiter verziehen sich lieber in die heimischen Gärten, um den Herrscharen Vermummter aus dem Weg zu gehen. Positiv ist auch heute noch, dass dieser Tag zum Protest gegen die immer grotesker werdenden Auswüchse des Kapitalismus und der einhergehenden Globalisierung genutzt wird. Fest steht: Dieser Tag gehört den Linken und ihrer Kritik an der Gesellschaft. Daher folgt hier unsere kleine Auswahl für einen ‚Soundtrack‘ zwischen Krawall, roter Nelke und Gesellschaftskritik.

Oder nach der Internationalen:

„Staat und Gesetz gehen über Leichen.

Die Steuer wird zum Massenmord.

Wo gibt es Pflichten für den Reichen?

Des Armen Recht? Ein leeres Wort!

Genug! Es sprechen jetzt die Knechte,

Und das Gesetz der Gleichheit spricht:

Nicht eine Pflicht mehr ohne Rechte

Und keine Rechte ohne Pflicht!“

White Light Parade – Riot in the City

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Die britische Antwort zum Thema. Mit reichlich Brit-Pop-Allüren kommt diese schmissige Nummer zum Krawall in der Stadt daher. Vergleichsweise sehr melodisch und mit weniger Aggression als ältere Kompagnons spiegeln sie die heutige Zeit: Eingängiger und wohlklingender in hübscher Indie-Manier versprechen sie zwar Riot, aber doch alles im Sinnbild der Popkultur. Es darf nunmehr auch Spaß machen und wohlwollend der Kopf genickt werden. Ein idealer Song für die Gemäßigten unter uns.

Bob Marley – Babylon System

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Die Reggae-Legende Bob Marley hat immer wieder ein gewisses politisches Desinteresse bekundet, weil er die Politik seiner Zeit als das Produkt des „Babylon System“ empfand, welches sich u.a. durch Korruption, Ausbeutung, Dekadenz sowie Faschismus auszeichnet. Stattdessen begriff er sich eher als religiös-spirituell motiviert. Und dennoch enthalten viele seiner Songs jede Menge Sozialkritik, die auch auf westliche Links- beziehungsweise Freiheitsbewegungen (oberflächlich) bezogen werden können. Lasst euch dementsprechend von Marleys Babylon System auf die gewohnt chillige Reggae-Weise mitreißen.

John Lennon - Working Class Hero

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Selbstverständlich darf auch der ruhige Songklassiker Working Class Hero von John Lennon nicht fehlen, in dem es passend zur melancholisch klingenden Grundstimmung heißt: „As soon as you’re born they make you feel small, / By giving you no time instead of it all, / Till the pain is so big you feel nothing at all, / A working class hero is something to be”

Ska-P - El Vals Del Obrero - Live

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Ska-P zählt zu den erfolgreichsten spanischen Skapunk-Bands mit bekennender anti-kapitalistischen, anarchistischen Einstellung. Ihre sozialkritische Musik, die Themen wie Menschenrechtsverletzungen, Kriege, Globalisierung und Zeitarbeitsfirmen aufgreift, ist absolut tanzbar und darf auf (fast!) keiner Protestveranstaltung fehlen. Auch zum „Tag der Arbeit“ liefern sie mit ihrem Song „El Vals Del Obrero“ (Der Walzer des Arbeiters) einen allzu passenden Text: „Stolz darauf in der Arbeiterklasse zu sein / es ist schwierig an das Monatsende zu kommen / und schwitzen und schwitzen zu müssen / um unser Brot zu verdienen.“

Samy Deluxe – Stumm

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Übermäßige Steuerlasten, Überwachung, Volksverdummung, Klassenschranken und Konsumwahn – es gibt nichts, was der Hamburger Rapper Samy Deluxe an gängiger Sozialkritik in „Stumm” auslässt. Sein programmatisches Genuschel klingt hier mal wütend, mal traurig, teilweise fast schon resignierend. Alles auf einmal erscheinen seine Beschwerden vielleicht überzogen, aber jede für sich hat doch ihre Berechtigung und „Stumm“ damit einen verdienten Platz im 1. Mai-culturtape.

Ton Steine Scherben – Macht kaputt...

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Noch aus einer Zeit, wo der Begriff des „subversiven Elements“ in Gesellschaft und Verfassungsschutz geläufig war, polterten Ton Steine Scherben ihre Kritik an ebendieser Gesellschaft. Kurz und prägnant, genau wie ihr Bandname – und gleichwohl bezeichnend für die Tendenzen dieser Bewegung: Rebellion mit Musik, gefolgt von auch heute gern geworfenen Steinen mit dem Ergebnis: Scherben. Protest, der heute in buchstäblicher Weise auf den Straßen am 1. Mai ausgetragen wird.

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