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Wölflinge im Wunderwald

14. Mar 15: FANTASY FILMFEST NIGHTS 2015: Der belgische Slasherfilm Cub | Dobrila Kontić

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Die „Wölflinge“ – eine aus lauter Vorpubertierenden bestehende belgische Pfadfindergruppe – verschlägt es in einen Waldabschnitt, um den sich gleich mehrere mysteriöse Geschichten ranken: Nächtens soll hier Kai, ein Werwolfjunge, sein Unwesen treiben. Vor Jahren sollen sich zudem, nach der Schließung der örtlichen Busfabrik, zahlreiche plötzlich mittellose Arbeiter im Wald ihr Leben genommen haben. Und damit bloß keine Langeweile aufkommt, ist die Hauptfigur ein unter allen als ‚gestört‘ bekannter Junge, der ein traumatisches Erlebnis hinter sich hat. Eine Ausgangslage wie gemacht für einen verstörenden Coming-of-Age-Slasher – bestünde der Plot nicht aus lauter loser Enden, wären die Charaktere nicht so unausgereift und würde der Wald hier nicht so dermaßen idyllisch und unbedrohlich wirken!

Für Stirnrunzeln dürfte schon der Beginn des Films sorgen: Die zwei Gruppenleiter Chris und Peter trommeln die Wölflinge zur Abfahrt zusammen und wer zu spät kommt, wird mit Liegestützen bestraft. Es trifft natürlich den verschlossenen Sam und seinen bebrillten einzigen Freund im Camp, der den Prototypen des schwächlichen Außenseiters darstellt. Dass Gruppenleiter Peter einen beißwütigen Pitbull dabei hat, den Bus während der Fahrt mit ohrenbetäubendem Heavy Metal beschallt und nicht die Finger von Campköchin Jasmijn lassen kann – ist das so üblich auf Pfadfinderausflügen? Egal, es ist ja noch der einigermaßen verantwortungsvoll daherkommende Chris da, der seine Pfadfinderuniform mit sichtbarem Stolz trägt. Und doch hält er es auch für eine witzige Idee, die Kinder kurz vor Fahrtantritt mit der Geschichte um den Werwolfjungen Kai zu ängstigen.

Pfadfinderjunge Sam

Auf dem Campingplatz im verlassenen französischen Örtchen Casselroque angekommen, trifft die Pfadfindergruppe aber auf zwei Rowdys in Trainingsanzügen, die das Fleckchen für ihre Go-Kart-Fahrten auserkoren haben und nicht daran denken, Platz für die Kinder zu machen. Nach einem kurzen Gerangel zwischen diesen Proleten und den Gruppenleiter fährt der Pfadfinderbus weiter in den Wald hinein – ohne die nachgerufene Warnung eines der Proleten zu vernehmen „Nicht in den Wald!!!“. Ernstgenommen hätten sie sie eh nicht: Der Wald von Casselroque ist in ein warmes, einladendes Licht getaucht, die Vögel zwitschern und als Zuschauer verspürt man plötzlich unbändige Lust, an einem Wochenende mal wieder in die Natur zu fahren, bevor man sich besinnt, dass das hier ein Slasherfilm ist und sich doch bald das Fürchten einstellen sollte. Doch vergebens: Schon bald nach der Ankunft in diesem Waldabschnitt begegnet Sam dem Sagenjungen Kai, der als röchelnder, verschmutzter Junge mit Baumrindenmaske um das Camp herumschnüffelt und nachts den Jungs ihre Habseligkeiten entwendet. Wie der Zuschauer empfindet Sam eher Mitleid mit als Angst vor diesem Jungen und es erfolgen freundschaftliche Annäherungsversuche abseits der Pfadfindergruppe, die Sams Erzählungen von der Begegnung mit Kai keinen Glauben schenken will. Die zarte Annäherung zwischen den beiden Jungs entpuppt sich aber bald als mögliche Initiation Sams ins Bösartige. Und unterdessen tappen die übrigen Figuren im Wald in die tückischen, seltsam genau ausgeklügelten Fallen eines ehemaligen Fabrikarbeiters.

Waldjunge Kai

Aus unbekannten Gründen traumatisierter Junge hier, ihn mobbender Gruppenleiter dort, dazwischen ein verrückter Fabrikarbeiter und ein umherstreifender, wilder Waldjunge – diese Figurenkonstellation hätte für zwei gute Filme ausgereicht, in Cub werden sie aber alle so lieblos mit einem ohnehin wirren Plot verrührt, dass die dabei entstehende Substanz kaum die 85 Minuten Film tragen kann. Dies ist schade, denn die in Cub verhandelten Motive (Verlust der kindlichen Unschuld, Initiation als Gratwanderung, der Wald als Idyll und Bedrohung…) mögen zwar nicht neu sein, aber könnten in ihrer Kombination schon einiges an Symbolkraft und Tiefe entfalten, ganz zu schweigen von einer bedrohlichen Atmosphäre, deren Schaffung hier leider gänzlich außer Acht gelassen wurde. Aus diesem Grund verfehlen auch die in Slasher-Filmen üblichen ‚Jump Scares‘, die hier etwa durch das unerwartete Auftauchen des Waldjungen oder Fabrikarbeiters provoziert werden, in Cub völlig ihre Wirkung. Nein, schockierend ist hier nur die Menge der vertanen Chancen.

Cub (Welp)
Splendid Film, Belgien 2014
Regie: Jonas Govaerts. Drehbuch: Jonas Govaerts, Roel Mondelaers
Hauptdarsteller: Gill Eeckelaert, Maurice Luijten, Titus de Voogdt
85 Min.
Zu sehen bei den Fantasy Filmfest Nights 2015

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