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Im Sumpf des Erbrechens

31. Mar 10: Das Oscar-gekrönte Drama Crazy Heart | Dobrila Kontic

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Crazy Heart hat die lebensverändernde zweite Chance zum Thema. Wie gut, dass man diesem Film überhaupt eine Chance gab: Ursprünglich war das Drama als sogenannte Direct-to-DVD-Produktion eingeplant, eine Veröffentlichungsweise, die sonst vor allem Splatterfilmen und schlechten Fortsetzungen vorbehalten bleibt. Und auch Crazy Heart, in dem ein vor dem Abgrund stehender, gealteter Country-Sänger porträtiert wird, lässt sich wohl kaum als typisches Popcorn Movie verkaufen, zu gemächlich, fast schon eigenbrötlerisch wirkt seine Erzählweise. Damit lässt dieser Film für eine überzeugende schauspielerische Leistung viel Raum – Raum, den Jeff Bridges und Maggie Gyllenhall hervorragend genutzt haben.

Ein alter, etwas schmuddelig anmutender Mann begegnet uns in dem Country-Sänger Otis „Bad“ Blake (Jeff Bridges). Er zehrt vom Ruhm längst vergangener Tage – dieser fällt allerdings recht spärlich aus: Der 57jährige Texaner tourt mit seinem Auto durch mehrere Bundesstaaten, absolviert auf routinierte Weise kleine Auftritte in Bowlinghallen und heruntergekommenen Bars. Lediglich Whiskey, Zigaretten und gelegentliche Tête-à-têtes mit ebenso gealterten Groupies halten Bad Blake auf Trab. Zudem wird er auch noch mit dem riesigen Erfolg seines ehemaligen Schützlings Tommy Sweet (Colin Farrell), mit chronischem Geldmangel und der Ablehnung seines von ihm lange vernachlässigten Sohnes konfrontiert. Erst als die junge Lokaljournalistin und Mutter des Vierjährigen Jean Craddock (Maggie Gyllenhall) in sein Leben tritt und Bad Blake einen eigens verschuldeten Autounfall überlebt, scheint sich das Blatt langsam zu wenden. Doch der nächste Tiefpunkt lässt nicht lange auf sich warten.

Scott Coopers Debütfilm nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Cobb nimmt sich viel Zeit, um den Absturz eines begnadeten und einst gefeierten Country-Stars nachzuzeichnen, mitunter sogar zu viel Zeit. Doch die einfühlsame und uneitle Verkörperung der Hauptrolle durch Jeff Bridges lässt den Zuschauer diese Zeit zu schätzen lernen. Wir werden konfrontiert mit Bildern eines leicht übergewichtigen, abgehalftert wirkenden und sich im Verlauf des Films mehrfach übergebenden und kollabierenden Alkoholikers, mit dem man ernsthaft Mitleid empfindet. Einen Eindruck vom einstigen Ruhm Bad Blakes erhält das Publikum nur durch Erzählungen ehemaliger Gefährten und treuer Fans – ein Kunstgriff, der die Abgeschlossenheit dieser glorreichen Lebensphase und die bedrückende Gegenwart umso deutlicher hervorhebt. Auch die zarte Liebesgeschichte, die in diese Erzählung vom Scheitern hineingewebt wird, kann von dem Fall des Protagonisten nicht hinwegtäuschen, vielmehr zeigt sie, wie Menschen an scheinbar unpassierbaren Punkten ihres Lebens sich gegenseitig für kurze Zeit eine Brücke sein können. Crazy Heart wird so zum realistischen Abgesang auf den Traum ewigen Ruhms und Glücks und zugleich zur kraftvollen Heraufbeschwörung des Kampfes gegen Altlasten und alte Laster. Wie es der Oscar-gekrönte Titelsong „The Weary Kind“ auf den Punkt bringt: „Pick up your crazy heart and give it one more try.“

 

Crazy Heart
Butcher’s Run Films, USA 2009
Regie & Drehbuch: Scott Cooper
Hauptdarsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhall, Colin Farrell
112 Min. Dt. Filmstart: 4. März 2010
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Oscar-gekrönter Song „The Weary Kind“

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