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Die Spitzenprädatoren

19. Apr 12: Josh Tranks nur halb gelungenes Science-Fiction-Drama Chronicle | Jana Brinckmann

Flash is required!

Die Teenagerzeit ist eine so schwierige wie aufregende Periode in unserem Leben, die im Nachhinein von einigen als die schönste und von anderen als die reinste Hölle beschrieben wird. Man bekommt immer mehr Freiheiten - ohne die Bürde der vollen Selbstverantwortung, entdeckt sich, testet seine Grenzen und hat im Idealfall noch superviel Spaß dabei. Die Erwachsenen auf der anderen Seite sind dabei oftmals sehr froh, dass die lieben Teenager eben doch noch mehr Restriktionen unterworfen sind, denn besonders in dieser Lebensphase lässt man sich leicht zu törichtem Wagemut und anderen Dummheiten hinreißen. Regisseur Josh Trank spielt mit diesem schwierigen Alter und setzt noch einen obendrauf: Er stattet in seinem Science-Fiction-Drama Chronicle drei Teenager mit Telekinese aus. Klingt cool? Ist es auch, zumindest bis einer der Drei vollkommen abdreht…

Die Handlung beginnt mit Andrew (Dane DeHaan), der beschließt, fortan mit einer Kamera sein Leben zu filmen. Diese Perspektive beibehaltend erfahren wir recht schnell, dass Andrew aus einem zerrütteten Elternhaus stammt – die Mutter ist todkrank und der Vater ein ihn gerne verprügelnder Alkoholiker – und ein Außenseiter ist, der oft gemobbt wird. Sein einziger sozialer Kontakt, der sich in der gleichen Altersgruppe befindet und ihm wohlgesonnen ist, ist sein Cousin Matt (Alex Russel). Matt, der natürlich das genaue Gegenteil verkörpert und Mitleid mit Andrew hat, überredet ihn mit zu einem Rave zu kommen. Doch das geht schief und so landet unser instabiler Außenseiter weinend auf dem Parkplatz. Plötzlich taucht Steve (Michael B. Jordan) auf, ein beliebter Quarterback und Freund von Matt, der ihn auffordert mit in den Wald zu kommen, weil er und Matt ein mysteriöses Erdloch entdeckt haben, aus dem komische Geräusche zu hören sind. Kurzerhand steigen die Drei hinab, stoßen auf leuchtende Kristalle, die anfangen zu glühen und einen ohrenbetäubenden Sound abgeben. Die Jungs fallen nasenblutend zu Boden und die Kamera geht aus. In der nächsten Sequenz sieht man sie nicht nur putzmunter und fröhlich, sondern auch mit Telekinese ausgestattet. Um ihre neuentdeckten Kräfte zu erforschen sowie auszubauen, trainieren sie heimlich oder an lebenden Testobjekten, denen sie kleine harmlose Streiche spielen. Doch irgendwann hört aller Spaß auf und wird zu bitterem Ernst. Denn Andrew ist leider der Talentierteste der Drei, was ihn aufgrund seiner psychischen Instabilität und dem wachsenden Empfinden, er sei nun ein „apex predator“, zu einer tickenden Zeitbombe macht. So bedarf es nur eines demütigenden Erlebnisses, um den Jungen wieder vollkommen aus der Bahn zu werfen. Und der Showdown beginnt…

Josh Trank gestaltet sein Science-Fiction Drama bis zur letzten Sequenz als Found-footage-Film, was gerade dank der Konsequenz beeindruckend ist und authentisch wirkt, auch wenn uns dadurch ganze Zeitabschnitte fehlen. Ein weiterer großer Beitrag zur Authentizität ist der Verzicht auf wilde Action von dem Moment an, an dem die Jungs ihre telekinetischen Kräfte entdeckten. Vielmehr dürfen wir belustigt miterleben, wie Andrew, Matt und Steve wieder zu kleinen Jungs werden und Lausbubenstreiche spielen. Es macht einfach nur Spaß den Dreien bei ihren Höhenflügen zuzusehen. Da aber auch dies auf Dauer zu langweilig wäre, schlägt natürlich alles noch in zerstörerischem Chaos um. Und wem haben wir das zu verdanken? Natürlich dem Stereotypen eines Außenseiters, der von Haus aus schon eine tickende Zeitbombe ist. Das ist leider auch das riesige Manko an dem Film: die klischeehafte Zeichnung der Hauptcharaktere. So kann auch das abrupte Mutieren Andrews zum Psychopathen vor allem hinsichtlich der Heftigkeit nur schwer nachvollzogen werden. Da Andrew wiederum den größten Teil der Filmhandlung bestimmt, wirkt die zweite Hälfte des Science-Fiction-Dramas einfach nur platt. Und das ist wirklich schade bei der dieser guten Idee und der gelungenen ersten Hälfte des Films!

 

Chronicle – Wozu bist du fähig
Davis Entertainment, UK, USA 2012
Regie: Josh Trank. Drehbuch: Josh Trank, Max Landis
Hauptdarsteller u.a.: Dane DeHaan, Alex Russel, Michael B. Jordan
84 Minuten; Dt. Filmstart: 19. April 2012

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