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In den dunklen Ecken des Internets

23. Jun 11: Hideo Nakatas packender Cyber-Thriller Chatroom auf DVD | Dobrila Kontić

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Die grenzenlose Freiheit des Internet sorgt schon seit einigen Jahren für lebhafte Diskussionen und hat mit der Schließung der Streaming-Plattform kino.to ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Doch nicht nur die häufig von Politikern und ganzen Industriezweigen kritisch beäugte, scheinbare Rechtsfreiheit des Internet ist Gegenstand der Diskussion, sondern auch die noch dunkleren Ecken in der Online-Welt, in denen sich Pädophile tummeln, dem Cybermobbing gefrönt wird oder Jugendliche vor laufender Webcam Selbstmord begehen. Ja, bedauerlicherweise gibt es sie, diese Schattenseiten der fast unbegrenzten Möglichkeiten des Web, die uns immer wieder die Fallstricke dieser Parallelwelt ins Bewusstsein bringen. Ebendiesen düsteren Räumen der Online-Welt widmet sich der japanische Regisseur Hideo Nakata (Ring, Dark Water) in seinem Thriller Chatroom mit originellen Darstellungsmitteln und auf höchst spannende Weise.

Auf den ersten Blick scheint der Jugendliche William ein ganz normaler Junge unserer Zeit zu sein, der sehr viel Zeit im Internet verbringt. So viel Zeit, dass die Online-Welt in seinem Bewusstsein als großer Hausflur mit unendlich vielen Türen Platz einnimmt. Hinter einer dieser Türen verbirgt sich ein von ihm selbst neu gegründeter Chatroom namens „Chelsea Teens!“. Nach und nach gesellen sich vier andere Jugendliche dazu, die William als Nutzer registriert und die sich fortan regelmäßig mit ihm treffen wollen, um über dies und das zu sprechen, sich gegenseitig in ihren Vorhaben zu bestärken und zu inspirieren. Als äußerst positiv und kreativ nehmen dabei die anderen Jugendlichen William wahr und vertrauen ihm bald ihre Sorgen und Nöte an. So ist Eva beispielweise von ihrer zickigen Model-Freundin genervt und möchte ihr einen Denkzettel verpassen. Die biedere Emily fühlt sich von ihren Eltern vernachlässigt und nicht für voll genommen. Mo hat damit zu kämpfen, dass er sich zu der 11jährigen Schwester seines besten Freundes hingezogen fühlt. Nur Jim, ein in der realen Welt äußerst schüchtern und isoliert wirkender Junge hält sich zunächst bedeckt. William spricht seinen Chattern Mut zu, animiert sie zu sonderbaren Aktionen, um ihre Ziele zu erreichen und schafft es schließlich auch, Jims Probleme ans Licht zu bringen: Dieser leidet unter starken Depressionen und muss Medikamente nehmen. Ohne zu ahnen, wer eigentlich hinter dem so bestärkend erscheinenden William steckt, befolgen die vier Jugendlichen seine Ratschläge, auch Jim, der nun seine Antidepressiva absetzt. Dabei verfolgt William einen höchst verstörenden Plan, den die übrigen Chatter viel zu spät durchschauen…

Als faszinierend, aber auch beängstigend stellt Hideo Nakata, der uns schon mit Ring einigen Schrecken einjagte, das Web in seinem Cyber-Thriller dar. Das Stilmittel, zu dem er dabei greift, erweist sich als äußerst spannend: Der Online-Welt eigene Räume zuzugestehen, in denen sich die Protagonisten tummeln, für einander sichtbar sind, aber in ihren wirklichen Absichten undurchschaubar bleiben. Nakata nimmt sich Zeit für seine Figuren, baut die Beziehungsgeflechte sorgsam aus, bevor er sich einem rasanten Showdown nähert, der an den Nerven zehrt. Wie er dabei die reale und die Online-Welt miteinander verknüpft und schließlich gegeneinander antreten lässt, ist meisterhaft und äußerst sehenswert!

Chatroom
Ruby Films, Großbritannien 2010
Regie: Hideo Nakata. Drehbuch: Enda Walsh
Hauptdarsteller u.a.: Aaron Johnson, Imogen Poots, Matthew Beard
97 Min. Erschienen auf DVD bei: Universum Film
DVD-Start: 24. Juni 2011

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