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Nevadas neuer Flamingo

17. Sep 10: Der Killers-Frontmann, Brandon Flowers, wagt sich auf Solo-Pfade | Martin Müller

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Es war im Jahre 2004, da tauchte auf einmal diese Band auf, die so ganz in die Indie-Szene der 2000er Jahre nach englischem Vorbild passte, obwohl sie Amerikaner sind. Mit „Hot Fuss“ begeisterten The Killers jene Szene, entfernten sich dann aber von Platte zu Platte mehr vom Indie und orientierten sich stärker am großen Pop. So war es fast schon ein Graus für die Indie-Seele „Human“ zu hören, das auf einmal die Massen begeisterte und jetzt auch am Ballermann gerne mitgegrölt wird. Dies ist aber für Brandon Flowers und Band kein wirkliches Problem, denn sie sind eben keine englischen Indie-Rocker. Die Begeisterung der Menschen ist ihnen wichtiger, als eine Attitüde, zumal Flowers diese von jeher nicht einleuchten wollte. Nun haben sich die drei übrigen Bandmitglieder von The Killers erstmal eine Pause genehmigt, um sich vom ewigen Touren zur Erfolgsplatte „Day & Age“ zu erholen. Jedoch hat Flowers bereits genügend neues Material und wollte nicht warten, denn die Kreativität kennt keine Pause. Also begibt er sich auf Solopfade, natürlich mit Zustimmung der Kollegen – und es bedeutet nicht das Ende von The Killers, wie er beschwört.

Stilistisch folgt er auch solo den bereits mit besagtem Erfolgsalbum von The Killers beschrittenen Weg des groß arrangierten Pop. Benannt nach dem berühmten Casino ‚Flamingo‘ ist das Album eine Hommage an die Stadt seiner Kindheit und Jugend, der großen leuchtenden und glitzernden Stadt Las Vegas, deren dunkle Seite weit weniger Glanz und Gloria zu bieten hat. Er begegnet dem mit ebensolchem oberflächlichen Pomp, der aber tief drinnen mehr verbirgt. Schillernd zitiert Flowers im Opener das Begrüßungsschild „Welcome to the fabulous Las Vegas“, das sich mit seinen Country-Anspielungen aufschwingt in die große, wuchtige Attitüde des glamourösen Vegas mit all seiner Großspurigkeit. Im äußerlichen Glanz der Zuckerwatte-Architektur, gehüllt in Neonlicht, geht es dann den ‚Strip‘ mit „Only the Young“ im verträumten 80er Gewand weiter, hinab wandelnd im Gitarrenrock klassischer Manier bei „Jilted Lovers & Broken Hearts“ bis zum „Crossfire“. Ein Song, der einfach nur die Reinform des großen amerikanischen Pop verkörpert. Dann wagt Flowers noch einen Abstecher zu den alten Casinos, die noch nicht einem Themenpark gleichen mussten – in „Hard Enough“ geht es schlicht zu, aber mit Background-Begleitung in fast schon klassischer Country-Manier. Und wenn dann langsam die Lichter der Nacht erlöschen und man sich ins Zimmer zurückzieht, wird es auch Flowers etwas melancholisch zu Mute. Mit Gospelchor verfliegt der Rausch der Las Vegas eigenen Magie „On the Floor“ und man findet wieder zu sich selbst zurück.

Wer es heute wagt, solch üppigen Pop mit derart vielen Allüren herauszubringen und dabei nicht vollends im Kitsch zu versanden, kann nur ein Künstler sein, der damit umzugehen weiß. Brandon Flowers hat sich aus dem Schatten seiner Band befreit, aber nicht erst mit diesem Solowerk. Zuvor schon für seinen Stil verehrt und begehrt setzt er sich nun selbst die Krone auf – trumpft mehr noch zum ‚Flamingo‘ auf. Die Abkehr vom anfänglichen Indie-Sound ist nun nicht mehr zu verleugnen. Jetzt ist er wieder dort angekommen, wo alles begann, in der Mojave-Wüste Nevadas. Und das große Amerika, die Hoffnung und der Glaube schwingen immer mit, ohne sich dabei im hohlen Pathos zu verlieren. Die Nuancen in Instrumentierung und Text machen diese Platte zu einem Leuchtfeuer, gleich dem mythischen Vegas, in der Wüste.

Offizielle Website von Brandon Flowers

Flamingo von Brandon Flowers
Erschienen am 03.09.2010 bei Island (Universal)
Tourdaten für Deutschland:
26.09.2010 - E-Werk, Köln
01.10.2010 - Huxleys Neue Welt, Berlin

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