Inhalt:

Schwarze Federn lassen

02. Feb 11: Darren Aronofskys unglaubliches Ballett-Psychodrama Black Swan | Dobrila Kontić

Flash is required!

Schönheit, Anmut und Perfektion sind das Ziel, Entbehrungen, Opfer und Schmerzen der Preis – das ist die Ballettwelt in Darren Aronofskys derzeit um einige Oscars bangenden Film Black Swan. In dieser Mischung aus Psychodrama, Thriller und Coming of Age-Story wird dem Zuschauer die aus den Fugen geratene Gefühlswelt einer jungen New Yorker Ballerina eindringlich und packend vor Augen geführt. Ob es für einen oder gar mehrere Academy Awards reichen wird, bleibt abzuwarten. Zumindest hat Regisseur Darren Aronofsky das in seinen bisherigen Filmen stets prävalente Thema der Selbstzerstörung in diesem Werk auf die glorreiche Spitze getrieben.

Mit einem Traum beginnt Black Swan und weiht uns damit gleich in die alles beherrschende Motivation der Protagonistin Nina Sayers (Natalie Portman) ein: den Traum, eines Tages als Prima Ballerina in Tschaikowskis Schwanensee zu tanzen. Durch Ninas Perspektive folgen wir ihr in das Ensemble, das zum Mittelpunkt in ihrem jungen Leben geworden ist. Zickige Mittänzerinnen, die kühle, karge Atmosphäre der Proberäume und die Strapazen der Übungen sind schnell vergessen, als der Direktor des Ensembles, der unglaublich heterosexuelle, mit französischem Akzent parlierende Thomas Leroy (Vincent Cassel), den Tänzerinnen verkündet, er suche eine Nachfolgerin für die Hauptrolle in Schwanensee. Zu bedenken sei aber, dass die Tänzerin sowohl für den Part des unschuldigen, melancholischen weißen, als auch für die des düsteren, leidenschaftlichen schwarzen Schwans geeignet sein müsse. Eine Herausforderung für Nina, die jedoch dem Druck nicht standhält und von Thomas schließlich zu hören bekommt: „Würden wir nur den Part des weißen Schwans suchen, wärst du es.“ Am folgenden Tag sucht Nina das Gespräch mit Thomas, es kommt zu einem aufgedrängten Kuss seinerseits, den sie mit einem Biss in seine Lippe quittiert und schließlich erhält sie überraschenderweise den doppelten Part in Schwanensee. Die Freude weicht aber sehr bald der Verzweiflung, die der von allen Seiten ausgeübte Druck in ihr auslöst. Da wäre ihre anspruchsvolle Mutter – selbst eine gescheiterte Ballerina, der unbarmherzige Thomas, der sie immer wieder spüren lässt, dass es ihr an Leidenschaft und Temperament für die perfekte Darbietung des schwarzen Schwans fehle und schließlich und vor allem: sie selbst. Die kürzlich engagierte Tänzerin Lily (Mila Kunis) stellt sich ihr bald als größte Konkurrentin dar. Ninas Körper zeigt Blessuren, deren Herkunft ihr ungewiss ist. Und das Schicksal ihrer Vorgängerin, die wegen ihres voranschreitenden Alters entlassene Beth MacIntyre (Wynona Ryder), scheint auch kein gutes Vorzeichen für die immer näher rückende, alles entscheidende Premiere zu sein.

Die in kühlen, düsteren Tönen gehaltenen Aufnahmen von Black Swan lassen den Zuschauer von Anfang an spüren, dass Ninas Schwanensee-Traum kein im herkömmlichen Sinne als gut befundenes Ende nehmen kann. Sehr nah, fast schon zu nah ist man an der Protagonistin dran. Der vom ersten Vortanzen an in Gang gebrachte Mechanismus der Selbstzerstörung gewährt im Laufe des Films fast schon fühlbar schmerzhafte Einblicke in eine zwischen Frustration, unfassbarer Trauer und Angst aufgeriebene Seele, in die sich Natalie Portman ausnehmend gut einfühlen konnte. Regisseur Darren Aronofsky zeigt mit diesem Film wie bereits in Requiem for a Dream und The Wrestler ein feines Gespür für eine intensive und nachwirkende Erzählweise, die sich sowohl in prägnanten Alltagsszenen als auch in erschreckenden Alptraumsequenzen äußert. Black Swan fesselt bis zum Ende durch die eindringliche Darbietung seiner Hauptdarstellerin, die sowohl den inneren Kampf als auch die Schönheit des Balletts wunderbar einfangende, rotierende Kameraführung und eine Story, die zunächst durchschaubar scheinen mag, aber in der Umsetzung eine ungeheure Kraft entwickelt. Mindestens ein Oscar (für die weibliche Hauptrolle) sollte also drin sein!

Black Swan
Fox Searchlight Pictures, USA 2010
Regie: Darren Aronofsky. Drehbuch: Andres Heinz, Mark Heyman, John McLaughlin
Hauptdarsteller: Natalie Portman, Mila Kunis, Vincent Cassel
108 Min. Deutscher Filmstart: 20. Januar 2011

Seitenleiste:

Alle Beiträge aus Kino & TV:

Abonnieren

Wir bei...

Weitersagen

Facebook

Twitter

Delicous

Weitere

Fusszeile: