Inhalt:

Ein schweres Schicksal à la Hollywood

15. Oct 09: Beim Leben meiner Schwester - Der neue Film von Nick Cassavetes | Martin Müller

Flash is required!

Allein der Titel lässt schon vermuten, dass dieser Film einen leichten Hang zur Theatralik bieten wird. Und der geneigte Taschentuch-Nutzer wird hier nicht enttäuscht. Herzzerreißend wird hier die Geschichte einer Familie erzählt, die mit einem schweren Schicksal zu kämpfen hat, das nicht nur zur Zerreißprobe wird, sondern auch einige Überraschungen bereit hält.

Kate (Sofia Vassilieva), das älteste von drei Kindern, hat Leukämie. Dieser Umstand ist für die gesamte Familie sowohl Kitt als auch Reibungspunkt. Mutter Sara (Cameron Diaz) hat ihren Job als Anwältin aufgegeben um sich ganz auf die Pflege der Tochter zu konzentrieren. Dabei kommen Sohn Jesse (Evan Ellingson), die jüngste Tochter – Anna – und Mann Brian (Jason Patric) oftmals zu kurz, da Saras grenzenlose Hingabe und stoische Konzentration nur auf das Überleben von Kate gerichtet ist. Dabei lässt Nick Cassavetes gleich im Prolog eine Bombe der Moralempfindlichkeit platzen. Denn die süße Anna, verkörpert von der hinreißenden Abigail Breslin (Little Miss Sunshine), erzählt in beschwingter Manier einer Neunjährigen, dass sie ein Retortenbaby ist. Ihr Leben hat sie nur dem Umstand zu verdanken, dass niemand anderes aus der Familie in der Lage ist, Spender für Kate zu sein. Somit dient sie seit ihrer Geburt als Ersatzteillager für ihre todkranke Schwester. Doch es kommt noch schlimmer, denn Anna will nicht länger ihren Körper hergeben und verklagt ihre Eltern, damit sie künftig selbst über ihn bestimmen darf. Dies passiert in Vorbereitung einer Operation, in der sie ihrer Schwester eine Niere spenden soll, da Kate sonst nicht überleben kann. Zwischen Gerichtssaal und Krankenhaus werden durch Rückblenden Einblicke in das Leben der Familie mit jener tragischen Situation gezeigt.

Regisseur Nick Cassavetes begann als Schauspieler und wandte sich ab 1996 mehr der Arbeit hinter der Kamera zu. Mit Nennen wir es Liebe verfilmte er ein Drehbuch seines Vaters und wurde für die Goldene Palme nominiert und schrieb u. a. 2001 das Drehbuch zu Blow und 2006 zu Alpha Dog, bei dem er auch Regie führte. Beim Leben meiner Schwester ist dann doch zu schwülstig und pathetisch geworden, so dass es schon manchmal schwer erträglich wird. Auch die kleinen Dramen, mit denen die Nebenrollen beladen wurden, überfrachten den Film, wie etwa Annas Anwalt, verkörpert von Alec Balwin, der an Epilepsie leidet, oder die Richterin, die selbst ihre Tochter verloren hat. Dennoch ist dieses Thema einfach zu bewegend, als dass es niemanden mitreißt oder gar kalt lässt. Spannend bleibt auch die Entwicklung in der Verhandlung, die am Ende eine überraschende Wendung findet, welche Mutter Sara an die Grenze ihres Weltbildes bringt. Besonders überzeugen die Jungdarsteller mit ihrer unglaublichen Präsenz und Intensität. Wie man es von Hollywood erwartet, wirkt das Ende dann doch sehr gestellt und die Figuren zeigen eine Entwicklung, wie sie für das 'Good Will' der Filme aus der Traumfabrik leider allzu gerne stehen. Hier büßt der Film am stärksten an Glaubwürdigkeit ein und enttäuscht sogar. Es bleibt daher nur zu sagen: Weniger ist manchmal mehr.

Beim Leben meiner Schwester (My Sister´s Keeper), USA 2009, 109 min.
Regie: Nick Cassavetes
Drehbuch: Jeremey Leven, Nick Cassavetes
Hauptdarsteller u.a.: Cameron Diaz, Sofia Vassilieva, Abigail Breslin
Dt. Kinostart: 27.08.2009
FSK: 12

Seitenleiste:

Alle Beiträge aus Kino & TV:

Abonnieren

Wir bei...

Weitersagen

Facebook

Twitter

Delicous

Weitere

Fusszeile: