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Das Glas ist halb…?

08. May 12: Jonathan Levines unaufgeregte aber umso ergreifendere Tragikomödie 50/50 erzählt von einem 27jährigen Krebspatienten | Dobrila Kontić

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Für gewöhnlich wissen wir, was wir zu erwarten haben, wenn sich ein Hollywood-Film mit schweren Erkrankungen befasst: Ergreifende Dialoge über das Leben und wie wenig man es bislang zu schätzen gewusst hat, Protagonisten, deren Gedanken immer wieder und fast ausschließlich um die lebensbedrohliche Erkrankung kreisen, melancholische Musikuntermalung, die dem Zuschauer immer wieder die eine schmerzhafte Botschaft einhämmert: Das Ende des Erkrankten steht vielleicht noch nicht fest, aber es ist verdammt nah! Einen etwas anderen und subtileren Ansatz verfolgt Jonathan Levines Tragikomödie 50/50 über einen 27jährigen, der an Krebs erkrankt und damit unterschiedlichste Reaktionen bei seinen Mitmenschen hervorruft.

Der Radioproduzent Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt) ist 27 Jahre jung, joggt regelmäßig, raucht nicht, trinkt nicht und hat einen kleinen Reinlichkeitsfimmel. Und wie das unfassbare Leben manchmal so spielt, lautet die Diagnose: Krebs. Ein Tumor hat sich entlang seiner Wirbelsäule breitgemacht, was in seinem Fall auf einen seltenen Gendefekt zurückzuführen ist. Adam tut, was heutzutage jeder zunächst tun würde, um seine Fassung wiederzuerlangen und was meist den gegenteiligen Effekt hat: Er informiert sich im Internet und erfährt, dass seine Überlebenschance angeblich bei 50 Prozent liegt. Ein Grund zum Jubeln, findet sein bester Freund Kyle (Seth Rogen) – im Casino könnte man ja nicht besser dran sein! Währenddessen wankt seine überfürsorgliche Mutter Diane (wunderbar: Anjelica Huston) gefährlich am Rande der Hysterie und kann nur schwer ertragen, dass Adam sie nicht zu seinem Fels in der Brandung ernennt. Diese Rolle soll vielmehr seine Freundin, die sprunghafte Künstlerin Rachael (Bryce Dallas Howard) übernehmen. Doch die war ihm schon Monate vor seiner Erkrankung nicht mehr sonderlich zugetan. Und dann wäre da noch die junge Therapeutin Katherine McKay (Anna Kendrick), die Adam bei der psychischen Bewältigung der Diagnose und der Chemotherapie helfen soll aber ihn durch ihre etwas tollpatschig wirkende Unerfahrenheit nur noch mehr reizt. Adam zwingt sich fortan, mit stoischer Gelassenheit die Folgen seiner Erkrankung und die Unbeholfenheit seiner Mitmenschen zu ertragen, gelangt aber schließlich an einen Punkt, der die 50 Prozent verdammt klein erscheinen lässt…

Dass Krebs keine witzige Angelegenheit ist, dürfte jedem klar sein. Dass der Umgang mit dieser Krankheit aber reichlich groteske Situationen und Reaktionen im näheren Umfeld zu Tage fördert, ist ein in Filmen selten thematisiertes Phänomen. 50/50 widmet sich diesen besonderen Dimensionen im Leben eines jungen Krebskranken mit Verve, ohne dabei die unmittelbare Lebensbedrohung und die daraus folgende Ohnmacht des Protagonisten jemals aus den Augen zu verlieren. Und gerade mit dieser unaufgeregten Zweigleisigkeit provoziert dieser Film gleichermaßen Amüsement und Mitgefühl, Lacher und Tränen beim Zuschauer. Diese besondere Perspektivierung vermag es wohl kaum, dem Krebs seinen Schrecken zu rauben, aber sie rückt in den Mittelpunkt, was im Krankheitsfall nicht fehlen darf: die ebenfalls betroffenen Mitmenschen. So seltsam sie auch reagieren mögen.

50/50 – Freunde fürs (Über)Leben
Summit Entertainment, USA 2011
Regie: Jonathan Levine. Drehbuch: Will Reiser
Hauptdarsteller u.a.: Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick
100 Min. Dt. Filmstart: 03. Mai 2012

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