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Im Sumpf des Erbrechens

31. Mar 10: Das Oscar-gekrönte Drama Crazy Heart | Dobrila Kontic

Crazy Heart hat die lebensverändernde zweite Chance zum Thema. Wie gut, dass man diesem Film überhaupt eine Chance gab: Ursprünglich war das Drama als sogenannte Direct-to-DVD-Produktion eingeplant, eine Veröffentlichungsweise, die sonst vor allem Splatterfilmen und schlechten Fortsetzungen vorbehalten bleibt. Und auch Crazy Heart, in dem ein vor dem Abgrund stehender, gealteter Country-Sänger porträtiert wird, lässt sich wohl kaum als typisches Popcorn Movie verkaufen, zu gemächlich, fast schon eigenbrötlerisch wirkt seine Erzählweise. Damit lässt dieser Film für eine überzeugende schauspielerische Leistung viel Raum – Raum, den Jeff Bridges und Maggie Gyllenhall hervorragend genutzt haben.

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Wenn Philosophie auf Religion trifft

29. Mar 10: Alejandro Amenábars Sandalenfilm Agora – Die Säulen des Himmels | Martin Müller

Bei in der Antike spielenden Filmen, die nunmehr fast schon ironisch den Namen ‚Sandalenfilm‘ tragen, assoziiert man schnell ein von Pathos und großen Gesten geprägtes Epos. Seit den Anfängen solcher Epen wie Ben Hur und letztlich auch Gladiator waren sie von inhaltsschwangeren Moral- und Ehrbegriffen überladen, die mit ihren monumentalen Kulissen kongruierten. Nun wagte sich Alejandro Amenábar, bekannt unter anderem durch den Oscar prämierten Film Das Meer in Mir und The Others, an dieses Genre. Doch ist sein Anliegen weniger die große Kulisse im antiken Gewand, sondern mehr die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau in einer von schwelenden Religionskonflikten geprägten Zeit. Freilich sind die Schauplätze des antiken Alexandrias um 400 n. Chr. imposant in Szene gesetzt und auch die episch ausladenden Bilder haben genügend Raum, aber die Geschichte um Hypatia von Alexandria als stählernes Bollwerk der Menschlichkeit gegen den aufkeimenden Fatalismus und Fundamentalismus beeindruckt durch ihre Intensität und beeindruckende Kameraführung.

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Himmlische Monster auf Baby-Jagd

24. Mar 10: Scott Stewarts apokalyptischer Horror-Thriller Legion | Jana Brinckmann

„Come, Ye Chidren, Listen To Me. I Will Teach You The Fear Of The Lord” (Psalm 34:11) Mit diesem Bibelzitat setzt der aktuelle Kinoflop des Regisseurs und Drehbuchautors Scott Stewart ein, der auf wenig originelle Weise eine religiös-moralische Horrorvision entwirft, in der Gott den Glauben in uns und damit seine eigene Barmherzigkeit verloren hat. Das Resultat: Engel mit Schwert statt Heiligenschein vs. Mensch mit Lebenserhaltungstrieb und Maschinenpistolen.

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Vom Ghost Club zu Para-Spionen

22. Mar 10: Grant Heslovs Army-Parodie Männer, die auf Ziegen starren | Jana Brinckmann

Seit der Gründung des „Ghost Club“ im England des Jahres 1862 beschäftigt sich offiziell eine Minderheit von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachgebiete mit Phänomenen, die unsere Sinne übersteigen. Ende des 19. Jahrhunderts werden die Grenzen dieses ‚geisterhaften‘ Forschungsfeldes explosionsartig auf weitere Untersuchungsgebiete, wie Telepathie, Präkognition, Psychokinese und Fernwahrnehmung (Remote viewing), ausgedehnt, so dass es zur Etablierung eines eigenen Forschungszweiges auf internationaler Ebene kommt: der Parapsychologie. Hochkonjunktur hatte das stets stiefmütterlich behandelte Wissenschaftsgebiet im Zuge des Kalten Krieges, als sich das russische und amerikanische Militär der Forschungen annimmt, um Para-Spione auszubilden. Und genau jene historische Tatsache verwendet der Regisseur Grant Heslov als Vorlage für seine überspitzt-komische Army-Komödie Männer, die auf Ziegen starren, in der ein Journalist auf „Jedi-Soldaten“ trifft und ein bewusstseinserweiterndes Abenteuer erlebt.

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Über Bildung und Blender

18. Mar 10: Das an Lynn Barbers Memoiren angelehnte Drama An Education | Dobrila Kontic

Eine schöne zielstrebige Schülerin erliegt Anfang der 60er Jahre dem Charme eines älteren Mannes und ist bereit ihre Zukunftsvorstellung von einer akademischen Laufbahn für ein scheinbar glamouröses Leben in den Wind zu schießen – die Handlung des preisgekrönten britischen Films An Education ist recht simpel, die ihr zu Grunde liegenden Motive sind jedoch zeitlos interessant und brillant umgesetzt von einem fähigen Schauspielerensemble.

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Liebe in Zeiten der Globalisierung

15. Mar 10: Detlef Bucks Liebesdrama Same Same But Different als Kulturcrash | Martin Müller

Das Südostasien bei Europäern und überhaupt Westlern sehr beliebt ist, liegt nicht nur an der überwältigenden Natur und Gastfreundschaft. Neben der Exotik bietet diese Region vor allem für Abenteurer ein hohes Maß an Möglichkeiten für wenig Geld. Natürlich auch Frauen, die für ebenso wenig Geld das Gefühl von Zuneigung und Begehren vorheucheln – oder nur billigen Sex bieten. Nicht selten kommen über solch dubiose Bekanntschaften auch echte Liebesgeschichten zustande, wie sie jetzt von Detlef Buck nach dem autobiografischen Roman von Benjamin Prüfer mit Same Same But Different verfilmt wurde. Ein frischgebackener Abiturient geht mit einem Freund als Backpacker nach Kambodscha und findet dort seine Liebe. Doch zeigt sich schnell, dass hier nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen, sondern auch ein schweres Schicksal zur Bewährungsprobe wird. Ohne große Sentimentalitäten inszeniert Buck dieses Drama und lässt so keinen Raum für Kitsch oder allzu pathetische Auswüchse. Dies geht leider auch zu Kosten der Charaktere, die dadurch etwas unbelebt wirken angesichts der Dramatik.

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