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Die Mitreißer

18. May 18: Matt Schraders Dokumentarfilm Score – Eine Geschichte der Filmmusik | Dobrila Kontić

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Den „Herzschlag des Films“ nennt ihn Regisseur James Cameron, von der „Seele des Films“ spricht Filmhistoriker Leonard Maltin – und dann kommt Musiklegende Quincy Jones um die Ecke und bringt zynisch lächelnd auf den Punkt, was der Film-Soundtrack in kommerzieller Hinsicht ist: „Emotion Lotion.“ Die Wahrheit liegt wie so oft wohl irgendwo dazwischen. Natürlich soll die eigens für den Film komponierte Musik das Kino-Publikum mitreißen, es emotional engagieren, kurzum: es manipulieren. Doch dass dabei auch große Kunst entstehen kann und wir Soundtracks fernab ihrer eigentlichen Funktion wertschätzen, ist unbestreitbar. Matt Schraders durch eine Kickstarter-Kampagne finanzierter Dokumentarfilm Score käme also wie gerufen, um die Geschichte des Film-Soundtracks und seine heutigen Besonderheiten zu ergründen – wäre er nicht selbst solch ein Fan von Filmmusik.

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Freier Fall in die Finsternis

25. Apr 18: Lynne Ramsays Drama A Beautiful Day ist eine verstörende Glanzleistung | Dobrila Kontić

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Dass ein Film auf einem renommierten Festival wie Cannes von den Kritikern gefeiert und ausgezeichnet wurde, muss nicht heißen, dass sich diese Begeisterung auch aufs reguläre Kinopublikum übertragen wird – man denke bloß an Ruben Östlunds arg bemühter Sozialsatire The Square, dem letztjährigen Sieger der Goldenen Palme. Vielmehr steigt damit vorm Kinostart die Gefahr unerfüllbarer Erwartungen. Doch jede Sekunde von Lynne Ramsays A Beautiful Day (im Original You Were Never Really Here) zeigt, dass in den minutenlangen Standing Ovations von Cannes keinesfalls überreagiert wurde: Dieser Film ist auf unerwartete Weise brutal und mitreißend – und ein außergewöhnliches visuelles Erlebnis.

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Flügge werden

18. Apr 18: Greta Gerwig zeigt uns in Lady Bird eine Teenagerin im tragikomischen Abnabelungsprozess | Dobrila Kontić

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Scheiternde Romanzen, zerbrechende Freundschaften, Streit mit der Mutter und eine ungewisse Zukunft: Greta Gerwigs zwischen Leichtigkeit und Betrübtheit schwankende Komödie Lady Bird setzt sich intensiv mit den Erfahrungen eines Mädchens kurz vor ihrem High-School-Abschluss und der Abnabelung von der Familie auseinander. Ihr Film ist zwar keine Neuerfindung des Coming-of-Age-Genres, aber hebt auf herzerwärmende Weise das Besondere im Gewöhnlichen der Jugend hervor.

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Die Jesus-Versteherin

13. Mar 18: Das Drama Maria Magdalena ergänzt die bisherigen Auferstehungsfilme um wichtige Aspekte | Dobrila Kontić

Der kitschige Trailer-Zusammenschnitt lässt nichts Gutes vermuten, aber hinter Maria Magdalena von Garth Davis steckt deutlich mehr: Eine kluge Betrachtung der (platonischen) Beziehung zwischen Jesus von Nazareth und Maria Magdalena, der lange Zeit verfemten und unterschätzten ersten Frau unter seinen Jüngern. Zudem gelingt diesem Film eine nachdenkliche Auseinandersetzung mit (Irr)Glauben und Deutung religiöser Lehren im Spannungsfeld von Diskriminierung und Revolutionsversessenheit. Ein Film für unsere Zeit – und das ohne plumpe Bedienung aktueller Hashtag-Ideologien.

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Symphonie des Großmarkts

23. Feb 18: BERLINALE – WETTBEWERB: Thomas Stuber verfilmt mit In den Gängen eine Kurzgeschichte von Clemens Meyer | Dobrila Kontić

Dass große Dramen und Romanzen nicht immer vor malerischer Kulisse stattfinden müssen, beweist Thomas Stuber mit seinem Berlinale-Beitrag In den Gängen: Ort des Geschehens ist ein Großmarkt im deutschen Osten – wie schon in der gleichnamigen Kurzgeschichte aus Clemens Meyers Die Nacht, die Lichter (2008). Mit feinem Gespür für Arbeiterhumor und einem poetischen Blick auf das scheinbar Schlichte ist Stuber eine zwar nicht makellose, aber unglaublich sympathische Tragikomödie gelungen.

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Collage eines Heilungsprozesses

22. Feb 18: BERLINALE – WETTBEWERB: Gus Van Sants biographisches Drama Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot über den Cartoonisten John Callahan | Dobrila Kontić

Ein verlassener Rollstuhl in der Wüste, umringt von ratlos umherschauenden Cops zu Pferde. Einer versichert den anderen: „Don’t worry, he won’t get far on foot.“ („Keine Sorge, er wird nicht weit kommen.“) Dieser titelgebende Cartoon stammt aus der Feder von John Callahan (1951-2010), der sich mit Vorliebe über den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung und Krankheit lustig machte, aber auch gern mal gegen Lesben und Chinesen austeilte. Nichts war ihm heilig, seine Cartoonzeichnungen hingegen äußerst heilsam für ihn: Im frühen Teenageralter verfiel er dem Alkohol und nach einem Autounfall mit 21 Jahren war er querschnittsgelähmt. Wie er danach zu sich, seinem Lebenswillen und seiner Berufung fand, zeichnet Gus Van Sant in Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot nach – manchmal bewusst unkonventionell und dann wieder mit altbewährten Motiven solcher Heilungsgeschichten. Doch eine Darbietung sorgt dafür, dass diese Tragikomödie doch herausragt – und nein, ausnahmsweise ist das nicht Joaquin Phoenix.

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