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Irritation statt Provokation

03. Dec 17: FRANZÖSISCHE FILMWOCHE 2017: Regisseurin Laetitia Masson diskutierte im Panel über die Situation von Drehbuchautorinnen und präsentierte anschließend ihre arte-Serie Ein Engel verschwindet | Dobrila Kontić

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Séries chéries hieß es am Freitagabend bei der Französischen Filmwoche in Berlin: Die so betitelte Diskussionsrunde versammelte fünf Drehbuchautorinnen und Serienmacherinnen in der Galerie des Institut Français. Unter anderem sprachen Annette Hess (Weissensee), Caroline Huppert (Pour Djamila) und Gabi Krieg (SOKO Wismar) mit dem Moderator Marcus Posimski über die Produktionsbedigungen und den nach wie vor geringen Frauenanteil bei der Serien-Regie. Als selbsternannte Provokateurin und Quotengegnerin gab sich dabei Laetitia Masson, Drehbuchautorin und Regisseurin der Mini-Serie Ein Engel verschwindet (im Januar auf arte zu sehen). Viel wichtiger als der Frauenanteil, seien die Geschichten, die erzählt würden und wie sie erzählt würden, erklärte sie und verwies auf ihre Vorliebe für unpopuläre, sozialkritische Themen. Diese Haltung steigerte die Neugier auf ihre im Anschluss präsentierte Serie. Und die Ernüchterung nach der Vorstellung.

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Waffenlose Wildwestheldin

28. Nov 17: Martin Koolhovens scheinfeministisches Western-Drama Brimstone | Dobrila Kontić

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Was bereits vor knapp zwanzig Jahren mit Bad Girls und Schneller als der Tod misslang, will Hollywood einfach nicht auf sich sitzen lassen: Es muss doch verdammt nochmal möglich sein, einen sehenswerten Frauen-Western zu drehen! Und so erreichten uns in jüngerer Zeit immer wieder neue Versuche, diesem arg männlich dominierten Genre eine weibliche Perspektive entgegenzusetzen (wohlgemerkt immer von männliche Regisseuren), etwa mit Tommy Lee Jones‘ The Homesman (2014) und Gavin O’Connors Jane Got A Gun (2016). Aktuell ist auf Netflix gar eine Miniserie (Godless) zum Thema zu sehen. Doch wie gelungen und konstruktiv-feministisch diese aktuellen Werke sind, darüber wird gestritten (mit Tendenz zur Ablehnung). Dennoch sollte man dankbar sein: Nur mit dem ungebrochenen Willen, dem Western etwas Feministisches abzugewinnen (und so neu vermarkten zu können), war es wohl möglich Martin Koolhovens wundersames, in seiner Plumpheit herrlich witziges Western-Drama Brimstone zu finanzieren – auch wenn dieser Film tatsächlich ernst gemeint war.

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Reise ohne Wiederkehr

26. Nov 17: AROUND THE WORLD IN 14 FILMS: Fellipe Barbosas Doku-Drama Gabriel and the Mountain in Andenken an seinen weltreisenden Freund Gabriel Buchmann | Dobrila Kontić

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Am 17. Juli 2009 wurde der 28-jährige Brasilianer Gabriel Buchmann in Malawi als vermisst gemeldet, nachdem er von einer Klettertour zum dortigen Bergmassiv Mulanje nicht mehr zurückgekehrt war. Es sollte die letzte Station einer einjährigen Weltreise sein, auf der der Ökonomie-Student mehr über die Ursachen globaler Armut erfahren wollte. Doch nach einigen Wochen intensiver Suche wurde Gabriel tot aufgefunden. In seinem dokumentarischen Drama Gabriel and the Mountain rekonstruiert Regisseur Fellipe Barbosa die Afrika-Reise seines guten Freundes und lässt uns an dessen Idealismus und arroganter Unvernunft gleichermaßen teilhaben.

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Unvollkommen und gelungen

17. Nov 17: Eine Liebeskomödie fernab der abgenutzten RomCom-Dramaturgie: The Big Sick | Dobrila Kontić

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Dies ist keine der üblichen Geschichten, die man erwartet, wenn man ein Paar fragt, wie es zueinander fand: Er lernt sie bei seinem Stand-Up-Auftritt in einer Bar kennen, die beiden bandeln an. Sie erkrankt kurze Zeit später, wird ins künstliche Koma versetzt, während er an ihrem Bett wacht und schwört, diese Frau zu heiraten, falls sie wieder erwacht. Den Kern ihrer ungewöhnlichen Liebesgeschichte haben der pakistanisch-amerikanischen Komiker Kumail Nanjiani und seine Ehefrau Emily V. Gordimer im Drehbuch zu The Big Sick verarbeitet – einer sympathisch unvollkommenen Liebeskomödie.

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Leben, notieren, leben

12. Nov 17: 25 Lebensjahre auf 600 Seiten: David Sedaris' Tagebuchaufzeichnungen Wer’s findet, dem gehört’s | Dobrila Kontić

Literatur

Eine tiefe Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, eine über Jahrzehnte andauernde Analyse sozialer Missstände, eine stolze Niederschrift eigener Lebensleistungen – dies alles ist in Wer’s findet, dem gehört’s, den Tagebuchauszügen des amerikanischen Autors David Sedaris, nicht zu finden. Es würde auch nicht so recht zusammenpassen mit den autobiographischen Kurzgeschichten, durch die Sedaris in den letzten Jahrzehnten in den USA berühmt und auch hierzulande einigermaßen bekannt geworden ist. Sie sind geprägt von einem selbstironischen, entlarvenden Blick auf die Absurditäten des menschlichen Alltags und Daseins. Wer’s findet, dem gehört’s offenbart, wie sich dieser unverwechselbare Blick durch trostlose, wirre und schließlich produktive Zeiten in Sedaris‘ Leben entwickelt hat.

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Der ewige Prince of Darkness

29. Oct 17: Reinhard Kleists Comic-Biografie Nick Cave. Mercy On Me | Dobrila Kontić

Literatur

Das längliche Gesicht, die rabenschwarze Haartolle, der ernste durchdringende Blick – es ist unverkennbar Nick Cave, der hier in hartem, aber feinem Strich von Reinhard Kleist in unterschiedlichen Lebensphasen eingefangen wurde. In der Comic-Biografie Nick Cave. Mercy On Me sehen wir ihn die Stirn runzeln, seine Umgebung mit verächtlichen Blicken strafen, beinahe dem Wahnsinn verfallen, grübeln, aber niemals lachen. Kleists Bild von Cave und dieser Comic-Band als ganzer schöpfen aus der Düsternis, für die der gelegentlich Prince of Darkness genannte Musiker, allgemein bekannt ist. Fans wissen um einige der dunklen Momente in Caves Leben, den frühen Verlust des Vaters, den jahrelangen Drogenmissbrauch und zuletzt den tragischen Verlust seines Sohns. Die familiären Schicksale spart Kleist aus und widmet sich bewusst der Künstlerwerdung und den lyrischen Schöpfungen Caves. Damit vermag er es fast zum Kern seines Schaffens vorzudringen.

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