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Collage eines Heilungsprozesses

22. Feb 18: BERLINALE – WETTBEWERB: Gus Van Sants biographisches Drama Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot über den Cartoonisten John Callahan | Dobrila Kontić

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Ein verlassener Rollstuhl in der Wüste, umringt von ratlos umherschauenden Cops zu Pferde. Einer versichert den anderen: „Don’t worry, he won’t get far on foot.“ („Keine Sorge, er wird nicht weit kommen.“) Dieser titelgebende Cartoon stammt aus der Feder von John Callahan (1951-2010), der sich mit Vorliebe über den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung und Krankheit lustig machte, aber auch gern mal gegen Lesben und Chinesen austeilte. Nichts war ihm heilig, seine Cartoonzeichnungen hingegen äußerst heilsam für ihn: Im frühen Teenageralter verfiel er dem Alkohol und nach einem Autounfall mit 21 Jahren war er querschnittsgelähmt. Wie er danach zu sich, seinem Lebenswillen und seiner Berufung fand, zeichnet Gus Van Sant in Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot nach – manchmal bewusst unkonventionell und dann wieder mit altbewährten Motiven solcher Heilungsgeschichten. Doch eine Darbietung sorgt dafür, dass diese Tragikomödie doch herausragt – und nein, ausnahmsweise ist das nicht Joaquin Phoenix.

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Kur und Konfrontation

21. Feb 18: BERLINALE – WETTBEWERB: Emily Atefs Drama 3 Tage in Quiberon gibt einen Auszug aus Romy Schneiders spätem Leben. | Dobrila Kontić

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Viel frische Luft, kein Zucker, keine Zigaretten und vor allem kein Alkohol – diese Kur samt freudloser Hotel-Diät lässt Romy Schneider 1980 im Hafenort Quiberon über sich ergehen. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 42 Jahre alt und von einem Leben voller Erfolge und Exzesse gezeichnet. Frühen Ruhm als Schauspielerin, die Liebe und die Verachtung der deutschen Presse hat sie erfahren, sowie zwei Scheidungen hinter sich gebracht. Im Jahr zuvor hatte ihr Ex-Mann Harry Meyen Selbstmord begangen und vor kurzem hat ihr Sohn David ihr eröffnet, dass er lieber bei seinem Stiefvater in den USA leben will als bei ihr. Rückschläge, die Schneider nur noch mit Alkohol und Tabletten bewältigen kann. Das Drama 3 Tage in Quiberon zeigt Schneider im Versuch, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben und wie dieser kurz nach Eintreffen des stern-Journalisten Michael Jürgs und des Fotografen Robert Lebeck grandios scheitert.

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Drei Namen, eine Haltung

20. Feb 18: BERLINALE – PANORAMA DOKUMENTE: Stephen Loveridges erhellende Doku Matangi/Maya/M.I.A. über eine der streitbarsten Musikerinnen unserer Zeit | Dobrila Kontić

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Matangi/Maya/M.I.A. von Stephen Loveridge ist ein Dokumentarfilm über eine der streitbarsten Musikerinnen unserer Zeit: Mathangi "Maya" Arulpragasam (im Folgenden der Einfachheit halber Maya genannt), bekannt unter ihrem Künstlernamen M.I.A. Diese Doku hätte eigentlich schon 2013 in Begleitung zum damaligen Album Matangi erscheinen sollen. Aber nachdem Loveridge ohne Rücksprache mit der Plattenfirma von M.I.A. einen Teaser veröffentlicht hatte, kam es zum Eklat: Die Plattenfirma ließ den Teaser wieder von der Videoplattform entfernen, woraufhin Loveridge das Projekt beleidigt verließ und erst einige Jahre später zu ihm zurückkehren sollte. Eine turbulente Entstehungsgeschichte, die bestens zur Karriere von M.I.A. passt: Aufgrund ihrer konsequenten Verknüpfung von Künstlertum, Aktivismus und manchmal unbegründeter Rebellion hat ihre Karriere schon einige Rückschläge hinter sich. Matangi/Maya/M.I.A. zeichnet diese so steile wie holprige Laufbahn nach und spürt den Gründen für Mayas kämpferische Haltung nach.

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Durch das Schlüsselloch der Zeit geblickt

19. Feb 18: BERLINALE 2018 – WETTBEWERB: Alexei German Jr. bringt uns in Dovlatov das Künstlermilieu in Leningrad Anfang der 1970er nahe. | Dobrila Kontić

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Sich einem Schriftstellerleben auf interessante Weise filmisch zu widmen ist schon schwierig genug, aber wie steht es mit einem Autor, der die meiste Zeit seines Lebens vergeblich darauf hoffte, seine Werke überhaupt veröffentlichen zu dürfen? So erging es dem russischen Schriftsteller Sergei Dovlatov, bis er sich 1978 in die USA absetzte und zu einem der in Russland meistgelesenen Autoren avancierte. Regisseur Alexei German Jr. konzentriert sich in seinem biographischen Film Dovlatov auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben dieses Autors Anfang der 1970er Jahre in Leningrad. Entstanden ist ein interessantes Zeitgemälde von der damaligen Atmosphäre im intellektuellen Milieu Leningrads und ein starkes Plädoyer für Kunstfreiheit.

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Verwirrte Wildwest-Deppen

16. Feb 18: BERLINALE 2018 – WETTBEWERB: Der seltsame Western-Klamauk Damsel | Dobrila Kontić

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Eigentlich konnte man sich freuen: Eine Komödie, die sich die Stereotype des Westerns parodistisch vorknöpft, deutete sich schon mit dem Titel von Damsel an, dem Wettbewerbseitrag der amerikanischen Regie-Brüder David und Nathan Zellner. Schließlich kann man sich diesem angestaubten Genre heute kaum noch widmen, ohne das ein oder andere Motiv, wie die "Damsel in Distress" (dt. Jungfrau in Nöten), zu überdenken. Doch was auch immer sich die Zellners gedacht hatten, lässt ihr Film in ungelenkem Klamauk untergehen.

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Zum letzten Gebell

15. Feb 18: BERLINALE 2018 – WETTBEWERB: Wes Andersons Stop-Motion-Parabel Isle of Dogs eröffnet die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin | Dobrila Kontić

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„Wer sind wir und wer wollen wir sein?“ Die zentrale Frage von Wes Andersons Isle of Dogs, dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, mag nicht neu sein, aber angesichts des Meinungsextremismus heutiger Zeiten hochaktuell. In seinem gestalterisch bis ins letzte Detail ausgetüftelten Stop-Motion-Abenteuer setzt sich Anderson auf seine typisch augenzwinkernde Weise mit dieser Frage auseinander und erschafft eine nachdenkliche Parabel über das Zusammenbringen von Realität und Idealen im Menschsein.

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