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Fakt, Fiktion, Fake…

21. Sep 16: …und an den Leser denken! All das verhandelt Delphine de Vigan in ihrem sehr lesenswerten Roman Nach einer wahren Geschichte | Dobrila Kontić

Literatur

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Am Ende siegt er doch, der Drang zum Voyeurismus. Kaum hat man den neuen Roman Nach einer wahren Geschichte der französischen Autorin Delphine de Vigan durchgelesen, muss man es wissen: Wie sehr gleicht die hier präsentierte Erzählerin namens Delphine der ‚echten‘ Autorin Delphine de Vigan? Welche der Erfahrungen der Roman-Delphine entspricht denen der realen Delphine? Und gibt oder gab es sie wirklich, diese falsche Freundin L.? Man wird recherchieren und Parallelen finden zwischen der Geschichte der erzählenden Protagonistin und den bekannten biographischen Details zur Autorin. Aber klare Antworten wird man nicht finden. Und dies ist keineswegs enttäuschend, sondern ein weiterer Beweis für die hohe Qualität dieses Romans, der mit großer erzählerischer Spannung die Obsession unserer Zeit mit faktentreuer Fiktion darlegt und schließlich auf den Kopf stellt.

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Gelungene Flucht ins Absurde

20. Sep 16: DOWN UNDER BERLIN: Taika Waititis grandiose Komödie Hunt for the Wilderpeople beschließt das Festival | Dobrila Kontić

Kino & TV

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Vandalismus, Zündeleien, Diebstahl, Herumlungern, Weglaufen: Paula von der Kinderfürsorge macht den Faulkners, einem älteren Farmer-Ehepaar, von Anfang an klar, was für ein „Bad Egg“ sie in ihrem zwölfjährigen Pflegekind vorfinden werden. Als Ricky (Julian Dennison) dann aus dem Auto steigt, erblicken wir einen molligen Jungen, der mit mühsam Distanz wahrendem Blick seine neue Umgebung im ländlichen Neuseeland erkundet. Auch die Insignien pubertärer Coolness (Basecap, Hoodie, markenbewusst gewählte Turnschuhe) können keinen vernünftigen Menschen davon überzeugen, dass wir es hier mit echter Street Credibility zu tun haben. Während seine neue Pflegemutter Belle (Rima Te Wiata) hin und weg ist von ihrem Schützling, wahrt ihr Mann Hec (Sam Neill) – ein durchgehend mürrisch dreinblickender Buschmann – Distanz zu Ricky. Was wie der Auftakt zu einem kitschigen Sozialdrama wirken kann, ist in Taika Waititis Hunt for the Wilderpeople nur die amüsante Ouvertüre zu einem spektakulären Flucht-Abenteuer, das zum Abschluss des Down Under Berlin für durchgehendes Gelächter sorgte. Und ein wenig Rührung.

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Harte Realitäten, spiritueller Trost

17. Sep 16: DOWN UNDER BERLIN: Stephen Pages Tanzfilm Spear eröffnete das Festival zum australischen und neuseeländischen Film | Dobrila Kontić

Kino & TV

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Mit einem enigmatischen Tanzfilm eröffnete das diesjährige Down Under Berlin, das Festival des australischen und neuseeländischen Films sein vielfältiges Programm: Spear ist die erste Leinwand-Produktion des Bangarra Dance Theatre, eines australisch-indigenen Tanzensembles, das sich in seinen Produktionen prägenden Kapiteln in der Geschichte der australischen Aborigines widmet. In traumwandlerischen Sequenzen mit Bildern voller einprägsamer Symbolik und ausdrucksstarker Choreographien zeigt dieser Film die Suche eines jungen Aborigines nach einem Daseinsweg im heutigen Australien. Eine intensive Auseinandersetzung mit Tradition, Spiritualität und gesellschaftlichen Problemen.

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Eine Reifeprüfung

15. Sep 16: Jann Kesslers Dokumentarfilm Multiple Schicksale | Dobrila Kontić

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So intensiv auch zu ihr geforscht wird, bleibt für viele Menschen die Krankheit Multiple Sklerose (MS) ein gefürchtetes Mysterium. Weltweit leiden Schätzungen der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG) ca. 2,5 Millionen Menschen an dieser noch immer unheilbaren, aber nicht tödlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland gibt es gegenwärtig 122.000 Erkrankte, jährlich werden ca. 2.500 neu diagnostiziert. Viele Zahlen, die aber noch nichts darüber aussagen, wie unterschiedlich die Betroffenen mit den Folgen dieser Erkrankung umgehen, die aufgrund ihres sehr individuellen Auftritts auch als ‚Krankheit der 1.000 Gesichter‘ bekannt ist. Der 20jährige Schweizer Regisseur Jann Kessler hat für seinen Dokumentarfilm Multiple Schicksale sieben MS-Erkrankte begleitet und mit ihnen eingehende Gespräche über ihren Umgang mit dieser Krankheit geführt. Nur eine der Erkrankten konnte sich nicht äußern: Jann Kesslers Mutter, deren Krankheitsverlauf so weit fortgeschritten ist, dass sie nicht mehr sprechen kann.

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Mit dem Herz durch die Wand

07. Sep 16: Derek Cianfrances Liebesdrama The Light Between Oceans zieht alle Register, um ins Zuschauerherz zu treffen | Dobrila Kontić

Kino & TV

Es wird Herbst, die Tage werden kürzer und bald wieder eisiger. Da wird man auch schon gnädiger gegenüber Filmen, die scharf am Kitsch vorbeischrammen, um ins Zuschauerherz zu treffen. So auch im Fall von The Light Between Oceans, einer Bestseller-Verfilmung, der sich Regisseur Derek Cianfrance angenommen hat. Mit Blue Valentine (2010) und A Place beyond the Pines (2012) bewies er sein feines Gespür fürs Zwischenmenschliche und für Figuren, denen man so nahe kommt, dass man ihr Schicksal noch einige Zeit nach Filmende mit sich herumträgt. Eine gute Ausgangslage für dieses Liebesdrama, das noch dazu mit Michael Fassbender und Alicia Vikander in den Hauptrollen aufwartet. Doch der Einstieg deutet schon auf erste Probleme hin: Die Luftaufnahme einer Dampflok wird von einer Musikkomposition untermalt, deren aufdringlich tragischen Töne den Film quasi auserzählen, noch bevor er richtig begonnen hat.

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Kein Entrinnen aus der Produktionshölle

06. Sep 16: Cell oder die Frage, wieso manche Stephen King-Verfilmungen so spektakulär missraten | Dobrila Kontić

Kino & TV

Eigentlich sollte an dieser Stelle schon vergangene Woche eine Kritik zu Cell erscheinen, der auf dem Fantasy Filmfest in Berlin zu sehen war. Doch der Irrsinn dieser Adaption eines Stephen King-Romans warf grundlegendere Fragen auf: Wie konnten einige Stephen King-Vorlagen herausragende Filme nach sich ziehen, während andere zu absolutem Schrott verarbeitet wurden? Und wohin steuern die künftigen King-Adaptionen? Eine Spurensuche inklusive der nötigsten Worte zu Cell und gruseliger Ausblicke.

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