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Wer stirbt hier für wen?

24. Aug 16: FANTASY FILMFEST 2016: Mit The Girl with all the Gifts stellt der Zombie-Film die Generationenfrage | Dobrila Kontić

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Sie wohnt abgeschottet in einer dunklen Zelle, trägt eine orangefarbene Gefangenenuniform und erfreut sich jede Nacht an zwei Katzenbildchen, bevor sie sich schlafenlegt, um am nächsten Tag die gleiche verstörende Routine über sich ergehen zu lassen. In The Girl with all the Gifts ist man als Zuschauer von der ersten Szene an dazu verdammt, die 10-jährige Melanie (Sennia Nanua) zu mögen. Sich darüber zu wundern, wie sie die grimmigen Soldaten so freudig begrüßen kann, die sie jeden Morgen in einen Rollstuhl setzen und ihren Kopf, ihre Arme und Beine darin fixieren. Wie sie in dieser Horrorvision einer Unterrichtsstunde munter bleiben kann, in der alle Kinder in Rollstühlen in einen dunklen Raum gekarrt und dann nach den Elementen des Periodensystems abgefragt werden. Doch Melanie fiebert nur dem Moment entgegen, in dem Miss Justineau (Gemma Arterton) das Klassenzimmer betritt und ihnen eine Geschichte erzählt. Die von dem Mädchen, das einen Tages eine Büchse öffnet und damit alles Übel, Leid und einen Funken Hoffnung über die Menschheit verteilt, hat es Melanie besonders angetan. Sie selbst wäre gern eine Hoffnungsträgerin, wird aber von den Erwachsenen um sie herum als eines der Übel betrachtet.

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Von Gasen und Gefühlen

18. Aug 16: Swiss Army Man eröffnet das FANTASY FILMFEST 2016 | Dobrila Kontić

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Wie lang Hank (Paul Dano) nun schon auf dieser einsamen Insel festsitzt, wissen wir nicht. Lang genug, um einen ungepflegten Zauselbart wachsen zu lassen, aus angespültem Müll ein kleines Plastikschiffchen mit einem traurigen Männchen zu basteln und als Flaschenpost in den Ozean zu schicken – mit der verzweifelten Botschaft „Ich will nicht alleine sterben.“ Und doch scheint er zu Begin von Swiss Army Man bereit, sich zu erhängen und der Ausweglosigkeit ein Ende zu setzen, bis er plötzlich den Körper eines jungen Mannes (Daniel Radcliffe) erblickt, der leblos an den Strand gespült wurde. Nachdem er sich von seinem Strick losgerissen hat, entdeckt Hank zwar enttäuscht, dass der erste Mensch, der ihm seit langer Zeit begegnet, tot ist. Doch dafür hat dieser andere Qualitäten: Seine Leichenflatulenz ist stark wie ein Düsenantrieb und kann Hank zu einem anderen Ufer befördern.

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Ein Programmkino mit Zukunft

30. Jun 16: Neueröffnung des Berliner Programmkinos Eiszeit: Bericht und Q&A mit dem Betreiber Burkhard Voiges | Dobrila Kontić

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Das Eiszeit in Berlin-Kreuzberg ist ein Programmkino mit langer Tradition: 1982 wurde es als Projektraum von Dokumentarfilmern in einem besetzten Haus in Schöneberg gegründet. Nach dortiger Räumung zog es 1985 in die Zeughofstraße 20 um, wo es sich fortan als kleines Filmhaus mit Wohnzimmeratmosphäre und alternativem Programm etablieren konnte: Anspruchsvolle Dokumentarfilme, Experimentelles und Genre-Blüten gab es hier zu sehen – im Februar 2015 wurde es gar zum Abspielort für die Berlinale-Sektion Berlinale goes Kiez. Einige Monate später schloss es seine Pforten, um innerhalb des Hauses umzuziehen und umzubauen. Die Wiedereröffnung war für Oktober 2015 angesetzt. Doch, wie in Berlin üblich, gab es Komplikationen bei den Umbauarbeiten, in deren Verlauf das Eiszeit zwischen die Fronten eines Kampfs gegen Gentrifizierung geriet. Nach entsprechender Verzögerung kann es heute seinen Betrieb wieder aufnehmen – mit einem zukunftsfähigen Konzept für diese Zeit, in der Kino an Relevanz einzubüßen droht.

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Alice im Land der Hohlwangigen

23. Jun 16: Eine Reflexion über Schönheit und Begehren: Nicolas Winding Refns The Neon Demon | Dobrila Kontić

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Ein junges Mädchen aus Georgia zieht nach Los Angeles, um als Model groß rauszukommen. Ihre Schönheit fasziniert Fotografen und Designer, aber befeuert zugleich den Neid ihrer Model-Kolleginnen und das Verlangen zwielichtiger Gestalten. Was wie die hohle Story eines reißerischen Thrillers klingt, hebt Regisseur Nicolas Winding Refn (Drive, Walhalla Rising) in fantastische Horror-Höhen: The Neon Demon ist eine visuell mitreißende Reflexion über ein grenzenloses, enthemmtes Begehren nach Schönheit. Mit einem konsequenten Finale.

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Wenig Struktur, viel Wirkung

05. Jun 16: UNKNOWN PLEASURES #8 – American Independent Film: Zum Eröffnungsfilm Experimenter | Dobrila Kontić

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Experimenter, der Eröffnungsfilm des diesjährigen Unknown Pleasures-Festivals, hat Stanley Milgram und sein weltbekanntes sozialpsychologisches Experiment zum Thema: 1961, im selben Jahr, als in Jerusalem der Eichmann-Prozess stattfand, führte der amerikanische Psychologe Stanley Milgram an der Yale Universität eine Studie zu Gehorsam gegenüber Autoritäten mittels eines sorgfältig vorbereiteten Experiments durch. Den Teilnehmern wurde vom Versuchsleiter erklärt, es gehe bei diesem Test um die Auswirkung von Bestrafung auf den Lernprozess. Ihre Aufgabe bestand darin, als ‚Lehrer‘ dem in einem abgetrennten Raum sitzenden anderen Teilnehmer – dem ‚Schüler‘ (in Wirklichkeit ein eingeweihter Schauspieler) – per Knopfdruck Stromstöße für jede falsche Antwort zu geben. Mit jeder falschen Antwort erhöhte sich die Intensität des Stromschlags um 15 Volt, bis zu einer als „gefährlich“ deklarierten Höhe von 450 Volt – der Versuchsleiter versicherte jedoch, dass der Schüler keine bleibenden Schäden davontragen würde. Nach Ausführung des 150 Volt-Knopfs hörte der Lehrer den Schüler rufen, dass er das Experiment abbrechen wolle, da er ein Herzleiden habe und es nicht mehr aushalte. Nach weiterer Ausführung hörte er den Schüler schreien und schließlich ab 300 Volt verweigerte dieser die weitere Beantwortung der Fragen. Wie viele der Versuchsteilnehmer brachen an diesem Punkt das Experiment ab, obwohl sie aufgefordert werden weiterzumachen?

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Fortsetzung einer Flüchtigkeit

02. Jun 16: Richard Linklaters 80er-Jahre College-Komödie Everybody Wants Some!! | Dobrila Kontić

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Viel Kritikerlob und Auszeichnungen wie den Silbernen Berlinale-Bären für die Beste Regie durfte der amerikanische Regisseur Richard Linklater vor zwei Jahren für sein über 12 Jahre gefilmtes Coming of Age-Drama Boyhood einheimsen. Um den Eintritt ins Erwachsenenalter und die Suche nach einem sinnerfüllenden Platz im Leben geht es auch in seinem neuesten Film Everybody Wants Some!!. Doch es ist ein viel älterer Linklater-Film, der über diese College-Komödie einen großen Schatten wirft: Dazed and Confused von 1993 – mittlerweile als Kultfilm geliebt und hochgeachtet. Und in vielerlei Hinsicht immer noch sehenswerter als Everybody Wants Some!!.

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